Das einfachste Mittel gegen Unsicherheit, das dir auch in Zeiten von KI hilft, relevant für Kund*innen zu sein

Shownotes

198 / Du bekommst einen Auftrag, der dich weit aus deiner Komfortzone holt, und plötzlich fragst du dich: Kann ich das wirklich?

Mit dieser Unsicherheit bist du nicht allein. Sie zeigt sich bei fast allen kreativen Selbstständigen, wenn sie sich neue Märkte erschließen oder sich auf größere Projekte bewerben. Doch was, wenn ich dir sage, dass es einen geheimen Schlüssel gibt, der deine kreative Arbeit transformiert – und der dich dabei nicht nur selbstsicherer macht, sondern auch in Zeiten von Generativer KI unersetzlich für deine Kund:innen?

In dieser Folge verrate ich dir, warum fachliche Expertise dieser Schlüssel ist – aber nicht so, wie du vielleicht denkst. Ich zeige dir, wie du diese Expertise gezielt aufbaust: durch Lernen, Üben und Vergleichen. Denn nur so kannst du nicht nur Aufträge akquirieren, sondern auch in der KI-Ära als professionelle:r Illustrator:in oder Designer:in wahrgenommen werden.

In dieser Folge erfährst du:

  • warum »der geheime Schlüssel« deine Selbstsicherheit und Positionierung stärkt – und warum er mehr ist als nur handwerkliches Können,
  • wie du ihn in 3 Schritten aktivierst:
  1. Schritt: Lerne kontinuierlich dazu – jeden Tag ein bisschen mehr über Typografie, Komposition oder Farbenlehre, um dein Wissen zu vertiefen,
  2. Schritt: Übe gezielt in angewandten Projekten – nicht nur fürs Portfolio, sondern für die Aufträge, die du wirklich willst,
  3. Schritt: Vergleiche deine Arbeiten mit denen von Kolleg*innen – um zu sehen, wo du stehst und wie du dich verbessern kannst,
  • warum dieser Schlüssel dich ki-sicher macht
  • und warum er der einzige Weg ist, um langfristig relevant zu bleiben.

Für wen eignet sich die Folge? Diese Folge richtet sich an Illustrator:innen und Designer:innen, die ihre Positionierung klarer machen und ihre Expertise so aufbauen möchten, dass sie sich von generativen KI-Tools abheben. Egal, ob du gerade startest oder schon Jahre dabei bist: Die Strategien helfen dir, deine Selbstständigkeit zu professionalisieren.

Einladung: Mehr Infos zu meinem 14-wöchigen Live-Gruppen-Programm, der Portfolio-Akademie, in der es genau um diese Themen geht, findest du unter: www.diegutemappe.de/pa.



Alle Infos zur Folge #197 inklusive Links und einem kompletten Transkript findest du in den Shownotes.


Im Portfolio-Podcast erfährst du, wie du mit deiner kreativen Arbeit gut zu dir passende Aufträge akquirierst, und wie du dafür sorgst, dass dein Herz weiterhin für deine kreative Arbeit brennt – auch mit dem ganzen Brimbamborium, den der Berufsalltag von selbstständigen Designer:innen und Illustrator:innen so mit sich bringt.

Dr. Franziska Walther ist selbst Designerin, Illustratorin und Autorin – und Expertin für Positionierung und Akquise in der Kreativwirtschaft. Sie unterstützt seit über 15 Jahren Menschen dabei, sich in der Kreativwirtschaft nachhaltig zu positionieren und wirksame Akquise zu machen.


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*Disclaimer: Der Podcast will und kann eine rechtssichere, psychotherapeutische oder medizinische Beratung nicht ersetzen. Die hier geteilten Inhalte basieren auf meinen persönlichen Erfahrungen und sind konkrete Einzelfall-Beschreibungen. Deshalb hafte ich nicht für die hier geäußerten Inhalte. Die zur Verfügung gestellten Informationen begründen auch kein Beratungsverhältnis. Bitte triff deine Entscheidungen für dich selbst und hole dir im Zweifelsfall rechtliche oder andersweitige Unterstützung. Die gesammelten Informationen spiegeln den Stand des Veröffentlichungsdatums wider.

Transkript anzeigen

00:00:00: Dr. Franziska Walther: Nicht Talent oder Glück entscheiden, ob du als Illustrator*in und Designer*in erfolgreich in deinem Beruf bist, sondern eine klare Positionierung – und zusätzlich eine Sache. Diese eine Sache macht dich selbstsicher und relevant für Kund*innen. Und das Beste: Diese eine Sache macht dich in deiner Arbeit auch sicherer in Zeiten von Generativer KI. Und ja, über diese eine Sache sprechen wir in der heutigen Folge.

00:00:30: Dr. Franziska Walther: Ich zeige dir, wie du genau diese eine Sache gezielt stärkst, damit du nicht nur Aufträge bekommst, sondern auch in deine Fähigkeiten vertraust und weißt: Hey, ja, ich kann das. Und nein, hier im Intro verrate ich dir noch nicht, was diese eine Sache ist. Aber gleich, versprochen. Let’s go! Herzlich Willkommen im Portfolio-Podcast. Hier erfährst du, wie du mit deiner kreativen Arbeit gut zu dir passende Aufträge akquirierst und wie du gleichzeitig dafür sorgst, dass dein Herz weiterhin für deine kreative Arbeit brennt.

00:01:07: Dr. Franziska Walther: Auch mit dem ganzen Brimbamborium, den der Berufsalltag einer kreativen Selbstständigkeit so mit sich bringt. Ich bin Franziska Walther. Und jetzt geht’s los. Als ich angefangen habe, als Illustratorin zu arbeiten, bin ich damit erst einmal grandios gescheitert. Denn ich habe wirklich viel Akquise gemacht, aber nur ganz wenig damit erreichen können. Genau genommen habe ich in den ersten drei Jahren meiner Akquise nur einen einzigen Illustrations-Auftrag akquiriert.

00:01:38: Dr. Franziska Walther: Das lag einerseits daran, dass meine Akquise reiner Aktionismus war: breit gestreut und ohne Strategie. Ich habe mich mit ein und demselben Portfolio einfach bei allen Verlagen vorgestellt, die nicht bei drei auf den Bäumen waren. Das war sehr schnell sehr frustrierend, denn es hat in mir das Gefühl ausgelöst, nicht gut genug zu sein. Irgendwann wurde mir klar: So geht es echt nicht weiter.

00:02:01: Dr. Franziska Walther: Irgendwas muss sich ändern. Und das hat dann dazu geführt, dass ich mich bewusst positioniert habe. Ich habe mich also gefragt, welche Aufträge ich wirklich will und was ich gut kann, wo ich hinpasse und wie ich das zeige in meinem Portfolio. Und nachdem ich das in meinen jetzt sehr individuell zusammengestellten Portfolios (Plural!!) gezeigt habe, kamen dann auch die Aufträge.

00:02:26: Dr. Franziska Walther: Wenn ich jetzt zurückblicke, dann sehe ich allerdings auch, dass es neben meiner fehlenden Akquise-Strategie in diesen ersten drei Jahren auch noch eine zweite Sache gab, die mich damals ausgebremst hat. Insgeheim hatte ich nämlich die ganze Zeit auch Angst davor, erfolgreich mit meiner Akquise zu sein. Denn da war auch der Gedanke: Was ist denn, wenn ich einen Auftrag bekomme, wenn ich ein ganzes Kinderbuch illustrieren soll?

00:02:51: Dr. Franziska Walther: Das habe ich so bis jetzt noch nicht gemacht. Schaffe ich das überhaupt? Kann ich das? Ich habe mir damals das, was ich akquirieren wollte, eigentlich gar nicht zugetraut. Vielleicht kennst du das ja auch. Und bei mir hat sich dieser Gedanke in meinen fast 20 Jahren Selbstständigkeit immer mal wieder eingeschlichen. Damals beim ersten Kinderbuch-Auftrag. Aber auch als ich die Zusage für meinen ersten Markenentwicklungs-Auftrag bekommen habe.

00:03:16: Dr. Franziska Walther: Und Jahre später, als ich das erste Mal einen Branding-Vertrag über ein großes fünfstelliges Honorar unterschrieben habe, da war der Gedanke auch da. Der kam vom Prinzip jedes Mal, wenn ich einen großen Schritt raus aus meiner Komfortzone gemacht habe.Dieser »Ich trau mir das nicht zu«-Gedanke ist also einerseits ein Indikator für mutige Schritte. Er zeigt also an, dass du etwas Neues wagst.

00:03:42: Dr. Franziska Walther: Und damit ist er, so unangenehm er auch ist, eigentlich etwas Gutes. Jetzt könnte ich also behaupten, dass dieser Gedanke einfach zur Selbstständigkeit dazugehört und dass wir nur alle lernen müssen, das auszuhalten. Und gut ist. Aber ganz so einfach ist es nicht. Denn ich kann auch sehen, dass ich in meinen ersten drei Jahren als Illustratorin wirklich viel weniger praktische Erfahrung und deutlich weniger fachliches Wissen hatte als meine Mitbewerber*innen.

00:04:11: Dr. Franziska Walther: Ich habe ja von meinem Design-Studium Architektur studiert und deshalb bin ich durch mein zweites Studium mit einem Affenzahn durch gerannt. Genau genommen habe ich nur zwei Semester unter Anleitung Illustration studiert. Es gab also damals einen berechtigten Grund für meine Unsicherheit. Vom Prinzip bin ich recht unvorbereitet ins kalte Wasser gesprungen. Und ja, zum Glück ist das gut gegangen.

00:04:36: Dr. Franziska Walther: Aber ich habe auch einige Aufträge mit Pauken und Trompeten in den Sand gesetzt und damit auch einige Chancen verspielt. Und das ist der Grund für die heutige Folge. Ich hätte es mir damals so viel leichter machen können, wenn ich eine einzige Sache verstärkt hätte. Und diese eine Sache stell ich dir heute vor. Denn diese eine Sache hilft dir dabei, wenn du dir neue Märkte schließt und mit deiner Akquise beginnst.

00:05:00: Dr. Franziska Walther: Aber sie ist auch sehr nützlich in unserer heutigen Zeit. Denn sie ist auch DAS Mittel, mit dem du in Zeiten von Generativer KI weiterhin für deine Kund*innen relevant bleibst. Sie macht dich also nicht nur selbstsicher, sondern ist auch langfristig dein Ticket für Aufträge und Geschäftsbeziehungen auf Augenhöhe. Okay, jetzt habe ich diese eine Sache wirklich lang genug angeteasert und ich will dich nicht weiter auf die Folter spannen.

00:05:27: Dr. Franziska Walther: Diese eine Sache ist ... fachliche Expertise. Letzte Woche habe ich einen Podcast vom amerikanischen Designer Chris Do gehört, in dem Chris sagt: »Competence ist the foundation for confidence«. Oder auf Deutsch: Fachliche Kompetenz ist das Fundament, auf dem dein Selbstbewusstsein steht. Dabei ist fachliche Kompetenz eigentlich nicht nur eine Sache, sondern mehrere. Es ist einerseits dein handwerkliches Können, also deine Kompetenz im Umgang mit branchenüblichen Werkzeugen und wie präzise und zielführend du diese benutzen kannst.

00:06:05: Dr. Franziska Walther: Doch es geht nicht nur ums Handwerk, auch methodische Fähigkeiten gehören dazu. Das bedeutet, dass du nicht nur weißt, wie du zum Beispiel in InDesign eine typografisch sinnvolle Hierarchie anlegst, sondern du kennst auch den Prozess, mit dem ein Buch üblicherweise entsteht. Zusätzlich beinhaltet fachliche Expertise auch dein spezialisiertes Fach- und Branchen-Wissen auf einem bestimmten Gebiet. Du kennst dich also aus mit den Fachbegriffen, die alle in der Branche benutzen.

00:06:34: Dr. Franziska Walther: Und du kennst auch die üblichen Rahmenbedingungen für einen Auftrag in dieser Branche. Und natürlich spielt auch deine Erfahrung eine Rolle, die du in den Projekten, die du schon umgesetzt hast, gesammelt hast. Denn diese sorgen dafür, dass du fundierte und informierte Entscheidungen bei Aufgaben deines Fachbereichs treffen kannst. All das befähigt dich in deinem Fachbereich, komplexe Probleme effektiv zu lösen.

00:07:00: Dr. Franziska Walther: Und hier eine ganz kurze Randnotiz in eigener Sache: In meinem 14-wöchigen Live-Gruppen-Programm für Designer*innen und Illustrator*innen, der Portfolio-Akademie, geht es genau darum: um Professionalisierung, Branchenwissen und eine selbstbestimmte, fundierte und informierte Positionierung. Damit du genau die Aufträge akquirierst, die du akquirieren möchtest. Wenn du mehr dazu erfahren möchtest, dann findest du mehr Infos dazu unter www.

00:07:27: Dr. Franziska Walther: diegutemappe.de/pa. P wie Portfolio und A wie Akademie. Und den Link packe ich dir auch in die Shownotes. Und damit: Ende Randnotiz. Weiter geht’s. Und ja, du denkst jetzt bestimmt: Hey Franziska, du hast die ganze Zeit eine Sache angeteasert, aber das, was du gerade beschrieben hast, das ist ein ganzer Berg von Dingen, für die es Jahre und ganz viel Erfahrung braucht, um das alles zusammen zu sammeln.

00:07:53: Dr. Franziska Walther: Und ja, das stimmt. Aber es gibt ein paar Dinge, die du aktiv tun kannst, um dieses Fundament aufzubauen. Und ich stell dir gleich drei leicht umsetzbare Strategien vor, mit denen du das machst. Aber bevor wir damit loslegen, lass uns davor noch einmal einen Blick darauf werfen, warum jetzt gerade ein wirklich guter Moment ist, deine fachliche Expertise zu stärken und kontinuierlich auszubauen.

00:08:20: Dr. Franziska Walther: Denn ich habe es ja eben schon gesagt: Gerade jetzt in Zeiten von Generativer KI ist deine fachliche Expertise das, was dafür sorgt, dass du nicht durch generative KI ersetzt werden kannst. Und zwar aus drei guten Gründen. Grund Nummer eins ist: Für komplexe Design-Aufgaben wird fachliche Expertise gebraucht. Generative KI spaltet die Branche aktuell in zwei Lager. Da gibt es auf der einen Seite die einfachen, wenig komplexen Aufgaben, bei denen Kund*innen denken, dass sie diese jetzt leicht selbst mithilfe von Generativer KI lösen können.

00:09:00: Dr. Franziska Walther: Und deshalb machen sie das auch. Das sind oft Aufgaben, die von außen wenig komplex erscheinen und bei denen Kund*innen klar beschreiben können, wie das Endergebnis aussehen soll. Einfach und wenig komplex soll hier gar nicht als Wertung dienen, sondern es beschreibt Design-Aufgaben, die einen ganz klaren und linearen A-nach-B-Lösungsweg haben. Und nur ein ganz kleiner Teil der Design-Aufgaben ist so gestrickt.

00:09:30: Dr. Franziska Walther: Daneben gibt es die komplexen Aufgaben, die keinen klaren A-nach-B-Lösungsweg haben. Hier ist zu Beginn einfach noch nicht klar, wie die Lösung aussehen wird, weil zum Auftrag auch dazu gehört, erst einmal das Problem klar zu definieren. Für solche Aufgaben braucht es Menschen mit fachlicher Expertise. Denn hier braucht es methodisches Wissen, spezialisiertes Fachwissen und gelebte Erfahrung und ja, auch Selbstvertrauen,

00:09:57: Dr. Franziska Walther: um solche Aufgabenstellungen zu lösen. Und dann gibt es noch Grund Nummer zwei. Und Grund Nummer zwei ist: Um KI-Ergebnisse bewerten zu können, braucht es fachliche Expertise. Generative KI kann zwar dabei unterstützen, Design-Lösungen zu entwickeln, aber wenn die Person, die KI nutzt, keine fachliche Expertise hat, kann sie auch nicht einschätzen, wie fachlich sinnvoll und handwerklich angemessen die generierte Lösung ist.

00:10:26: Dr. Franziska Walther: Das Ergebnis sehen wir gerade in Millionenfacher Ausführung in Form von KI-Slop im Internet. Dort tummeln sich massenhaft Inhalte, die zwar mit KI schnell produziert, oft aber inhaltlich leer und austauschbar sind – und die nichts können. Um eine fachlich gute Lösung für Design-Aufgaben zu entwickeln, braucht es Fachwissen. Erst damit ist es möglich zu entscheiden, welche Lösung funktioniert und welche nicht.

00:10:55: Dr. Franziska Walther: Und vom Prinzip ist es egal, ob dabei generative KI genutzt wurde oder nicht. Ich habe letzte Woche auf LinkedIn eine Editorial-Bildserie gesehen, die den European Magazine Award für Illustration erhalten hat. Und für die Umsetzung hat die Designerin Nina Banneyer generative KI genutzt, genau genommen Midjourney. Und ja, das Ergebnis war gut. Das lag aber nicht an den magischen Fähigkeiten von Midjourney, sondern daran, dass die Designerin fachliche Expertise hatte.

00:11:25: Dr. Franziska Walther: Das Konzept zu den Illustrationen hat sie entwickelt, nicht die KI. Die dient hier nur als Mittel, um Schwarz-Weiß-Fotografien zu erstellen, die dann als Collage das Thema des Artikels visualisieren. Das hätte auch mit echten historischen Fotografien vom Flohmarkt funktioniert. Die Bildserie funktioniert also ausschließlich, weil die Designerin die fachliche Expertise hatte, ein inhaltlich zielführendes Konzept zu entwickeln. Sie hatte auch die gestalterischen Fähigkeiten, die ihr erlaubt haben, eine Bildserie zu kreieren, die visuell spannend ist und die den Artikel inhaltlich ergänzt und erweitert.

00:12:03: Dr. Franziska Walther: Selbst mit dem Einsatz von Generativer KI kommt also niemand um fachliche Expertise herum. Zumindest wenn das Ziel ist, mit Design und Illustration etwas zielgerichtet erreichen zu wollen. Genau. Und deshalb gibt es noch einen dritten Grund, warum deine fachliche Expertise dich ki-sicher macht. Und dieser ist der wichtigste Grund. Grund Nummer drei ist: Fachliche Expertise kommt durch Machen. Wird generative KI im Designprozess genutzt, sorgt das dafür, dass Menschen Fähigkeiten verlieren.

00:12:36: Dr. Franziska Walther: Das haben jetzt schon diverse wissenschaftliche Studien belegt und es gibt sogar schon einen Fachbegriff dafür. AI-Deskilling. Viele dieser Fähigkeiten, die durch generative KI-Nutzung verloren gehen, sind aber essenziell für kreative Aufgaben, zum Beispiel: Problemlösungskompetenz. Planerisches Handeln. Logisches Schlussfolgern. Kritisches Denken. Abstraktionsfähigkeit. Prozessverständnis. Und die Fähigkeit, sich Dinge langfristig zum merken. Viele dieser Fähigkeiten erwerben Menschen, indem sie die Anstrengung auf sich nehmen und etwas selbst tun.

00:13:15: Dr. Franziska Walther: Ein Artikel schreiben zum Beispiel, in dem sie ihre Position zu einem Thema argumentieren. Macht das die KI, dann geht die Fähigkeit, Sprache zu nutzen, um verschiedene Standpunkte abzuwägen verloren bzw. wird schwächer. Bei visuellen Mitteln ist das auch so. Beim Illustrieren nutzen Menschen ihr Abstraktionsvermögen und die Fähigkeit, komplexe Inhalte in leicht verständliche Bilder zu transformieren. Wenn Menschen das generieren lassen, trainieren sie nur das Promptschreiben, aber nicht die intellektuellen Fähigkeiten, die durch das Illustrieren aufgebaut werden.

00:13:51: Dr. Franziska Walther: Das ist wie beim Fahrstuhl-fahren: einmal ist gar nicht schlimm und es geht definitiv schneller, damit in den zehnten Stock zu kommen. Aber wenn wir jeden Tag nur noch Fahrstuhl fahren, dann bauen wir recht schnell überlebenswichtige Muskeln ab und sind nach einer Weile total »schlappi« und nicht mehr in der Lage, über die Treppe in den zehnten Stock zu laufen.

00:14:11: Dr. Franziska Walther: Bei kreativen Fähigkeiten ist das nicht anders. Und was bedeutet das für uns als kreative Selbstständige? Na ja, also im Prinzip müssen wir gerade nur weiter unsere kreative Praxis pflegen und darauf warten, dass die, die jetzt alle fleißig KI nutzen, ihre Fähigkeiten verlieren. Über kurz oder lang werden kreative Fähigkeiten einen immensen Wert bekommen, weil nur noch ein kleiner Teil der Menschen diese Fähigkeit hat.

00:14:38: Dr. Franziska Walther: Es lohnt sich also, deine fachliche Expertise weiter auszubauen und zu stärken. Deshalb lass uns jetzt mal zu den drei einfachen Schritten kommen, die ich dir zu Beginn der Folge versprochen habe und die du ab heute sofort und jeden Tag in die Tat umsetzen kannst. Lasst uns also darüber sprechen, wie du deine fachliche Expertise aufbaust. Und wir beginnen mit Schritt Nummer eins und der heißt: Lerne kontinuierlich dazu.

00:15:05: Dr. Franziska Walther: Was bedeutet das im Design und in der Illustration? Hier bedeutet das, jeden Tag ein bisschen mehr über die gestalterischen Grundlagen zu lernen. Lerne also mehr über Typografie, also über die Kunst und die Technik, wie Text lesbar, funktional und ästhetisch ansprechend wird. Erweitere dein Wissen über Komposition, also über die Lehre von der bewussten Anordnung von Elementen, um eine bestimmte Wirkung oder Struktur oder Harmonie zu erzielen.

00:15:33: Dr. Franziska Walther: Bilde dich weiter zur Farbenlehre. Lerne also etwas über die Ordnung, Mischung, Wirkung und Harmonie von Farben. Oder bau deine zeichnerischen Fähigkeiten aus und lerne, wie zum Beispiel Perspektive, Licht und Schatten und Figuren-Darstellung funktioniert. Für all das helfen dir Bücher. Oder Kurse und Weiterbildungen. Oder das Internet. Ganz ehrlich: all dieses Wissen ist heutzutage frei und kostenlos im Internet verfügbar.

00:16:01: Dr. Franziska Walther: Das einzige, was du dazu brauchst, ist Zeit. Wenn du jeden Tag nur eine ganz kleine Sache dazu lernst, dann baust du über die Zeit ganz viel fachliche Expertise auf. Und hier eine wichtige Randnotiz: Fachliche Expertise bedeutet nicht, alles perfekt können zu müssen. Es bedeutet nur, die Aufgabenstellung zu verstehen und fachlich angemessen darauf reagieren zu können. Es bedeutet also auch, dass du weißt, was du nicht weißt und wo du Hilfe brauchst.

00:16:30: Dr. Franziska Walther: Okay, das ist also Schritt Nummer eins und damit baust du dein Wissen auf. Für eine starke fachliche Expertise braucht es aber auch noch Schritt zwei, denn viel zu wissen bedeutet noch lange nicht, es verinnerlicht zu haben und es anwenden zu können. Deshalb braucht eine fachliche Expertise noch etwas Weiteres und das ist Praxis. Schritt zwei ist also: Üben, üben, üben.

00:16:55: Dr. Franziska Walther: Das sind also die berühmten 10.000 Stunden, die es braucht, um etwas wirklich qualifiziert und patent zu beherrschen. Und dazu braucht es hauptsächlich Regelmäßigkeit. Wenn du regelmäßig eine kleine Sache übst, wirst du über die Zeit so viel besser werden, als wenn du einmal hauruckmäßig viel machst. Aber hier kommt ein großes Aber. Wenn du deine fachliche Expertise als selbstständige Illustrator*in oder Designer*in aufbauen willst, dann gilt es, das zu üben, was du in deinem Beruf auch machen wirst.

00:17:28: Dr. Franziska Walther: Und das sind angewandte Projekte. Als Illustrator*in zeichnest du in deinem Beruf ja nicht einfach nur so vor sich hin. Sondern du entwickelst Bilder, die bestimmte Aufgaben übernehmen. Und als Designer*in ist das auch so: Hier gestaltest du nicht nur aus reiner Freude am Machen, sondern du löst Design-Probleme und gestaltest Kommunikation mit visuellen Mitteln. Deshalb ist es für dein Expertise-Training sinnvoll, dir auch zum regelmäßigen Üben Aufgaben zu suchen, die so gestrickt sind, wie die Aufgabenstellungen der Aufträge, für die du beauftragt werden möchtest.

00:18:07: Dr. Franziska Walther: Wenn du Bücher illustrieren willst, dann illustriere ein Buch. Nutze lizenzfreie Texte oder nimm einfach ein Buch, das du toll findest und illustriere es. Solange du keine urheberrechtlichen Inhalte später auf deiner Website zeigst, kannst es trotzdem in dein Portfolio aufnehmen. Wenn du Branding machen willst, dann mach ein Branding für ein imaginäres Unternehmen. Und wenn du für Infografiken beauftragt werden willst, dann mach regelmäßig eine freie Infografik.

00:18:33: Dr. Franziska Walther: Nutz dazu Wikipedia oder die Nachrichten oder eine andere angewandte Aufgabenstellung, die du im Internet findest. So übst du sinnvoll, weil angewandt, also in einem angewandten Kontext. Und damit entwickelst du dann auch deinen Arbeitsprozess, sammelst Erfahrungen, kannst später auch genau sagen, wie viel Stunden du für einen Auftrag brauchen wirst, weil: du hast das einfach schon mal gemacht. All das ist fachliche Expertise.

00:19:00: Dr. Franziska Walther: Dazu braucht es also keine richtigen (in Anführungszeichen) »Aufträge«. Es braucht erst einmal Üben im angewandten Kontext. Und damit du mit diesem Üben und diesem neuen Wissen auch langfristig deine gestalterischen Fähigkeiten stärkst, braucht es allerdings noch eine ganz kleine dritte Sache. Und das ist Schritt Nummer drei: Vergleiche. Denn gerade am Anfang ist es oft schwer, die Unterschiede zwischen exzellenten Design-Lösungen und weniger gut funktionierenden Lösungen zu erkennen.

00:19:33: Dr. Franziska Walther: Das, was dir dabei hilft, hier besser zu werden, ist das Vergleichen mit anderen Arbeiten. Nutze also arbeiten von Kolleg*innen, die du toll findest. Als Referenz. Studiere sie. Analysiere sie. Finde heraus, was sie so besonders toll und fachlich gut macht. Und dann vergleiche sie mit deinen Arbeiten. Leg sie nebeneinander und schau sie dir an. Finde die Unterschiede. Hier verbindest du dein Wissen, was du in Schritt eins aufgebaut hast mit deinen Erfahrungen aus Schritt zwei.

00:20:03: Dr. Franziska Walther: Und all das zusammen stärkt eine fachliche Expertise so viel substanzieller als jeder einzelne dieser 3 Schritte für sich alleine. Okay, das ist mein Vorschlag für heute. Wie geht’s dir denn jetzt damit? Fühlst du dich bereit, deine fachliche Expertise jeden Tag Schritt für Schritt mit einem dieser drei Schritte weiter auszubauen? Und wo fühlst du denn in deiner Selbstständigkeit gerade diesen »Ich traue mir das nicht zu«-Gedanken?

00:20:30: Dr. Franziska Walther: Gibt es den bei dir an irgendeiner Stelle? Und wie könntest du deine fachliche Expertise gezielt ausbauen, um genau hier einen mutigen Schritt zu wagen? Ich bin sehr neugierig. Schreib mir eine Email oder schreib mir auf Instagram oder LinkedIn. Und damit wünsche ich dir für heute alles Liebe. Wir hören uns wieder nächste Woche. Ich freue mich auf dich.

00:20:52: Dr. Franziska Walther: Bis dahin. Tschüss.

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