Literaturagentur als Amor: Wie Cally Stronk Verlage und Kreativschaffende zusammenbringt

Shownotes

213 / Hast du mit deinem Kinderbuch-Portfolio, -Manuskript oder -Exposé schon bei vielen Verlagen angeklopft – und hauptsächlich Absagen eingesammelt?

Literaturagentin Cally Stronk (Autorin von über 60 Büchern) sagt: Oft liegt das nicht am fehlenden Talent, sondern an ganz anderen Dingen. In dieser Folge verrät sie, was Verlage und Agenturen sofort abschreckt und wie du es besser machst.

In dieser Folge erfährst du:

  • Was Callys Literaturagentur macht und wie sie Kreativen den Einstieg in den Kinderbuchmarkt erleichtert
  • Die üblichen Rahmenbedingungen für eine Vertretung durch eine Repräsentanz
  • Welche Stolpersteine eine Literaturagentur bei Vertragsverhandlungen aus dem Weg räumt
  • Warum Handwerk fürs Kinderbuchschreiben allein nicht reicht und wie du deine einzigartige Stimme findest
  • Wann Bücher sich gut verkaufen – und wann nicht
  • Die »Quallenbewegung«: Wie du Fokus findest, ohne deine Vielfalt zu verlieren

Diese Folge ist für:

  • Menschen, die Bücher schreiben und illustrieren wollen und sich für die Verlagsbranche interessieren
  • Kinderbuch-Autor*innen und Illustrator*innen, die ihre Akquise verbessern und Verlage überzeugen wollen

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Alle Infos zur Folge #213 inklusive Links und einem kompletten Transkript findest du in den Shownotes.


Das ist der Podcast »Vom Portfolio zur Marke | Business-Strategien für Kreative«, der bis zum 12. August 2026 »Der Portfolio-Podcast | Erfolgreich in Illustration und Design« hieß.

Hier erfährst du, wie du dich mit deiner kreativen Arbeit als starke Marke positionierst, damit gut zu dir passende Aufträge akquirierst und mit selbstbestimmten Entscheidungen deine Selbstständigkeit so gestaltest, dass dein Herz auch in Zukunft noch für deine kreative Arbeit brennt – auch mit dem ganzen Brimbamborium, den der Berufsalltag einer Solo-Selbstständigkeit so mit sich bringt.

Dr. Franziska Walther ist selbst Designerin, Illustratorin und Autorin – und Expertin für Positionierung und Akquise in der Kreativwirtschaft. Sie unterstützt seit über 15 Jahren Menschen dabei, sich in der Kreativwirtschaft nachhaltig zu positionieren und wirksame Akquise zu machen.


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*Disclaimer: Der Podcast will und kann eine rechtssichere, psychotherapeutische oder medizinische Beratung nicht ersetzen. Die hier geteilten Inhalte basieren auf meinen persönlichen Erfahrungen und sind konkrete Einzelfall-Beschreibungen. Deshalb hafte ich nicht für die hier geäußerten Inhalte. Die zur Verfügung gestellten Informationen begründen auch kein Beratungsverhältnis. Bitte triff deine Entscheidungen für dich selbst und hole dir im Zweifelsfall rechtliche oder andersweitige Unterstützung. Die gesammelten Informationen spiegeln den Stand des Veröffentlichungsdatums wider.

Transkript anzeigen

00:00:00: Dr. Franziska Walther: Hast du mit deinem Kinderbuch-Portfolio, -Manuskript oder -Expose schon bei vielen Verlagen angeklopft, aber bis jetzt damit hauptsächlich Absagen eingesammelt. Meine heutige Gästin sagt, dass sie mit einem Blick in dein Portfolio sagen kann, warum das so ist. Und das ist oftmals nicht fehlendes Talent, sondern ganz andere Sachen sind. Heute ist Cally Stronk zu Gast im Podcast. Cally ist Kinderbuchautorin von über 60 Büchern.

00:00:27: Dr. Franziska Walther: Sie ist aber auch Sängerin und eben auch Literaturagentin. Das heißt, sie betreut Autor*innen und Illustrator*innen, die Kinder- und Jugendbücher machen. Mit Cally spreche ich darüber, was eine Literaturagentur überhaupt macht und wie Cally entscheidet, welche Kreativen sie in ihre Literaturagentur aufnimmt. Und wir reden auch darüber, wie Kreative ihre eigene Stimme finden, welche Rolle Handwerk dabei spielt und wie Kreative diesen Balanceakt hinbekommen.

00:00:58: Dr. Franziska Walther: Mit all ihren verschiedenen Talenten trotzdem Fokus zu finden. Ganz am Ende der Folge hat Cally auch noch eine kleine Überraschung für dich. Es lohnt sich also bis zum Ende zuzuhören. Und damit wünsche ich Dir hier erst einmal ganz viel Spaß mit diesem Interview. Und in diesem Sinne: Herzlich Willkommen im Podcast »Vom Portfolio zur Marke«. Hier erfährst du, wie du dich mit deiner kreativen Arbeit als starke Marke positioniert, um dann damit gut zu dir passende Aufträge zu akquirieren.

00:01:30: Dr. Franziska Walther: Und wir sprechen auch darüber, wie du mit selbstbestimmten Entscheidungen deine Selbstständigkeit so gestaltest, dass dein Herz auch in Zukunft noch für deine kreative Arbeit brennt. Mein Name ist Franziska Walther, ich bin selbst Designerin, Illustratorin und Autorin. Und jetzt geht’s los. Cally, was macht eine Literaturagentur?

00:01:50: Cally Stronk: Wir machen relativ viel. Wir sind sozusagen ein Marktplatz, der eine Vorauswahl trifft und dann Verlagen und Unternehmen Künstler*innen vorstellt und empfiehlt und gemeinsam überlegt, wer wohin passen könnte. Das heißt, wir suchen Künstler*innen, die uns überzeugen von ihrer Qualität und bieten das dann an und beraten auch ein bisschen bei den Portfolios. Also wir brauchen immer ein sehr aussagekräftiges Exposé und eine überzeugende Leseprobe.

00:02:21: Cally Stronk: Ich sage immer, das ist alles wie Köder werfen. Also wir müssen immer wieder auslösen, dass derjenige mehr von uns sehen will. Der will mehr von uns sehen, der will mehr von uns lesen. Das ist unsere Aufgabe. Wir machen Termine online und auf den Messen und präsentieren unsere Agenturlinge, wie wir sie manchmal nennen. Und wir machen Vertragsverhandlungen. Und das ist auch sehr, sehr wichtig, weil wir merken, jetzt gerade in der Zeit mit KI ist da ein sehr großer Bedarf, auch bestimmte Rechte zu schützen.

00:02:52: Cally Stronk: Ja, alle, die ihre unbekannten Nutzungsrechte in den Verträgen lassen, sagen wir: Sofort streichen, streichen, streichen. Auf jeden Fall. Weil man weiß nicht, was kommt. Und jetzt ist genau der Fall eingetreten. Wir haben die unbekannten Nutzungsrechte mit KI-Nutzung. Und wer es nicht gestrichen hat, also gerade jetzt zum Beispiel Drehbuchautor*innen in Hollywood, da werden die Stoffe eingelesen, weil sie haben es ja einfach unterschrieben.

00:03:17: Dr. Franziska Walther: Ja, ich erinnere mich noch an die Diskussion vor zehn Jahren, als das so auf einmal aufkam, in den Verträgen mit den unbekannten Nutzungsbedingungen und empfohlen wurde, das zu streichen und auf einmal haben wir den Fall, wo die da sind.

00:03:27: Cally Stronk: Ja, ja. Und wir gucken halt bei den Verträgen natürlich einerseits auf die Konditionen, aber eben auch auf Nebenkonditionen, Laufzeiten, was man bekommt an Lizenzgebühren. Und wenn man da Fehler macht, dann hat man in Folge Fehler. Ich hatte das zum Beispiel bei einem Illustratoren rausgefunden, der kriegt bei jedem Verkauf ins Ausland 10 % zu wenig. Das muss man sich mal wirklich vor Augen führen und da gucken wir genau drauf.

00:03:58: Cally Stronk: Und wir haben auch Vergleichsverträge. Wir wissen, was ist gängig. Wir können ganz klar sagen: Mach doch mal an der Stelle so und so – wie üblich. Und das geht dann auch ziemlich schnell durch. Manchmal diskutiert man und ist überrascht, dass Verlage plötzlich andere Meinungen zu bestimmten Passagen haben. Aber da lernen wir auch dazu und informieren uns. Und dann versuchen wir, ein Konsens zu finden.

00:04:20: Cally Stronk: Und wir fragen auch: Warum braucht ihr das? Warum ist euch das so wichtig? Und vielleicht finden wir dann eine Formulierung, die für uns besser ist, weil sie irgendwas halt eben ein bisschen klarer formuliert. So.

00:04:32: Dr. Franziska Walther: Also du hast das ja grad schon beschrieben. Aber dieser Fehler mit den 10 % im Ausland zu wenig. Wie ist der entstanden?

00:04:39: Cally Stronk: Da waren wir noch nicht dabei und er wusste es nicht, was normal ist.

00:04:43: Dr. Franziska Walther: Er hat einfach ein Vertrag unterschrieben, in dem die falsche Prozentzahl drin stand?

00:04:47: Cally Stronk: Das ist nicht falsch, sondern der Verlag versucht es halt manchmal. Und wir haben tatsächlich schon gehört, dass Künstler*innen andere Verträge kriegen als Agenturen. Na, das hatten wir ja auch, als wir in Buxtehude waren. Bei der Bunte Hunte hat das auch jemand erzählt. Er hat dann gesagt, er hat einen Agenten, jetzt neu und dann so: Ah, dann schicken die einen anderen Vertrag.

00:05:08: Cally Stronk: Ja, und das ist so. Wir kriegen andere Verträge und wir haben eine andere Position, weil wir nicht so persönlich involviert und empfindlich sind. Denn es ist ja meistens die selbe Person, mit der man verhandelt, mit der man nachher auch am Text arbeitet oder an den Bildern. Und das heißt, wir können auch ein bisschen Bad Cop sein in der Geschichte.

00:05:28: Cally Stronk: Wir machen das natürlich immer nett, aber wir sind schon tough und und wissen klar, was wir wollen und was wir verlangen und können es auch sehr gut begründen.

00:05:36: Dr. Franziska Walther: Es ist gut, dass du das sagst. Das genau ist ja ganz oft so die Krux. Man verhandelt mit der Lektorin, dem Lektor – und das ist die Person, mit der man später auch zusammenarbeitet. Das ist auch die Person, die eigentlich rechtlich gar nicht so viele Entscheidungen treffen darf, weil das Lektorat reicht das ja auch eigentlich nur weiter an die Rechtsabteilung.

00:05:51: Dr. Franziska Walther: Aber die Beziehung, die kriegt ja manchmal Beulen, wenn man hart verhandelt. Genau. Und da seid ihr in der total tollen Position, weil ihr seid so ein neutraler Punkt dazwischen.

00:06:01: Cally Stronk: Genau. Und wir machen das nämlich auch, also meine Mädels. Ich habe drei Angestellte, die vorverhandeln und dann halt sagen: Okay, ich verhandele das vor, aber letztendlich guckt unsere Geschäftsführerin noch mal drüber und es kann passieren, dass da noch mal was geändert werden muss. Und wenn es strittig wird, dann sagen sie: Ich muss mich mal erst mal rückversichern, wir müssen mal mit Cally sprechen?

00:06:24: Cally Stronk: Und dann haben wir auch eine Möglichkeit, da noch mal ein Zeitpuffer reinzukriegen und zu sortieren. Ich kann auch viele andere Leute anrufen, zur Not, in der Branche, und fragen: Hey, hier ist was Neues. Wie sieht es denn aus? Was sagst du dazu? Also wir recherchieren dann auch. Also viele Sachen kennen wir aber natürlich. Aber jetzt zum Beispiel mit KI, da waren wir jetzt komplett vor neue Herausforderung gestellt.

00:06:49: Cally Stronk: Und die haben sich auch ständig verändert, weil man ständig gemerkt hat: Ah, den Bereich müssen wir auch noch abdecken. Audio-Vertonung, Cover mit KI, generative KI. Alles unterschiedlich. Wie ist es mit Übersetzungen? Ein Verlag hat uns dann erklärt: Na, die Übersetzer brauchen aber einen Gegencheck mit App, die eben auch KI-Funktionen hat. Das heißt, wir müssen es so formulieren und dann haben wir wirklich Gespräche geführt mit den Leuten aus dem Verlag und geguckt, wie können wir es formulieren, was ist uns wichtig?

00:07:22: Cally Stronk: Und da kann sich natürlich immer wieder irgendwie ein neuer Bereich auftun, und da leisten wir sozusagen auch eine starke Vorarbeit, die dann unseren Leuten eine Sicherheit gibt. Und wir hatten jetzt einmal den Fall von einer Autorin. Das war vor dieser KI-Verhandlung. Und jetzt stand plötzlich in ihrem Impressum: Das Cover enthält Teile, die mit Generated KI erstellt sind. Und sie war total unglücklich und hat gesagt:

00:07:49: Cally Stronk: Das suggeriert doch,

00:07:50: Cally Stronk: dass ich im Text auch mit KI gearbeitet habe. Das will ich nicht. Und wir hatten das natürlich noch nicht geregelt, weil das war vor der Zeit. Und dann haben wir geguckt, was ist KI-generiert an der Sache, wie kann man es formulieren, dass das klar ist, so und dass es sie nicht beschädigt in ihrem Ruf, weil wir ganz klar uns dagegen positionieren.

00:08:12: Dr. Franziska Walther: Ja, ihr seid halt schon noch in einer komplett anderen Position als eine einzelne Illustratorin, ein einzelner Illustratoren, weil der erstens ja auch so das ganze Wissen ballt. Denn wenn ihr viele verschiedene Verträge parallel verhandelt mit vielen verschiedenen Verlagen, ist ja eure Wissensbasis viel größer.

00:08:29: Cally Stronk: Genau. Und davon profitiert halt jeder einzelne. Und wenn wir Verträge mit neuen Verlagen machen, dauert der erste Verlag natürlich am längsten, weil wir da die Grundlage setzen. Und da sind wir sehr, sehr, sehr genau. Und jeder Vertrag, der dann kommt, müssen wir gucken, wo unterscheidet der sich vom Ersten? Manchmal schicken wir schon eine Liste hin und sagen: Hey, das war das, was wir beim letzten Mal gemacht haben.

00:08:50: Cally Stronk: Könnt ihr das gleich übernehmen? Aber wir setzen immer wieder auf die Arbeit drauf, die wir schon gemacht haben. Und dadurch werden wir immer präziser und auch schneller. Aber das kann natürlich auch schon dauern. Also so ein Vertrag, der wird schon viele, viele Male hin und her geschickt, der wird teilweise sieben acht mal gelesen und geprüft, weil dann plötzlich rutscht irgendwas wieder raus, was vorher aber schon drin war.

00:09:18: Cally Stronk: Und da müssen wir total aufpassen und da sind wir halt da und dann gucken halt mehrere Leute auch drauf und gleichen das ab mit unseren Standards. Und dadurch sind wir eigentlich auf einer viel sichereren Seite und wir wollen halt immer eine Win-Win-Situation schaffen. Je besser wir verhandeln, umso mehr bekommen wir auch, weil wir bekommen Prozente von dem was wir verhandeln.

00:09:39: Cally Stronk: Und wir wollen aber auch eine Win-Situation für den Verlag schaffen. Für den muss das auch lukrativ sein. Er muss da auch sagen: Hey, das ist ein tolles Projekt. Wir wollen eine gemeinsame Vision haben und dafür eine gute Grundlage schaffen.

00:09:51: Dr. Franziska Walther: Hi, Franziska hier, mit einer kurzen Randnotiz: Cally hatte gerade das Geschäftsmodell von Repräsentanzen und Literaturagenturen beschrieben. Sie werden beteiligt an den Honoraren der Urheber*innen und dich interessiert bestimmt, wie hoch so eine Beteiligung üblicherweise ist. Und deshalb habe ich Cally nach dem Interview noch mal gefragt. Und sie sagt 15 bis 25 % sind hier üblich. Callys Agentur nimmt 20 % auf alle Rechte, die durch die Buch-Verträge entstehen.

00:10:22: Dr. Franziska Walther: Und sie sagt auch, wenn jemand schon ein Projekt mitbringt oder laufende Verträge hat, dann ist es bei Cally auch möglich, dafür Sonderkonditionen zu verhandeln. Und die 20 %, die sind vielleicht ein bisschen höher als bei anderen Agenturen, aber dafür betreut Cally ja auch ihre Agenturlinge sehr intensiv. Genau, das noch als kurz Ergänzung und damit weiter geht’s.

00:10:44: Cally Stronk: ... dafür eine gute Grundlage schaffen. Ich meine, das hat natürlich Grenzen. Manchmal gibt es so eine Bruchstellen, also wo jemand ganz klar sagt: Das brauchen wir, sonst können wir es nicht machen. Ja, aber wir reizen auf jeden Fall diesen Bereich ziemlich aus, dass wir schauen, was ist noch möglich, was ist finanziell möglich, was ist von der Laufzeit möglich?

00:11:02: Cally Stronk: Was ist überhaupt von den Nebenrechten? Welche Rechte können wir behalten? Aber was wir auf jeden Fall garantieren können, ist, dass wir eine Sicherheit haben, also eine höhere Sicherheit, als wenn das jemand macht, der der das alleine macht. Also bzw am Anfang halt auf jeden Fall. Es gibt auch Leute, die es alleine machen und lange machen und damit gut fahren.

00:11:24: Cally Stronk: Ich meine, die wissen wahrscheinlich auch nicht, an welchen Stellen sie vielleicht noch schrauben könnten, aber da kann man sich ja auch schlau machen. Wir machen uns permanent schlau, sozusagen, und halten uns da immer auf dem Laufenden und gucken, dass wir die neuen Themen auch gleich mit integrieren und fragen halt auch: Was ist euch wichtig und warum?

00:11:41: Dr. Franziska Walther: Ja, was gehört noch so zur Betreuung dazu? Und was sind denn das so für Agenturlinge? Du hast vorhin schon gesagt, das sind Menschen, die schreiben, Menschen, die illustrieren genau. Wie unterscheidet sich da die Betreuung?

00:11:55: Cally Stronk: Also wir betreuen beides und manche Leute machen ja auch beides. Das unterstützen wir auch, wenn Illustrator*innen anfangen, selbst zu schreiben. Ich glaube, das unterscheidet uns auch ein bisschen von den anderen Agenturen, dass wir auch inhaltlich Feedback geben können. Und noch mal auf einer anderen Ebene. Also die einen machen das bestimmt auch, aber ich bin ja selber Autorin mit über 60 veröffentlichten Büchern und meine Leute, die ich eingestellt habe,

00:12:17: Cally Stronk: Die haben alle entweder kreatives Schreiben, Germanistik oder Literatur studiert. Das heißt, wir haben eine Super-Power von 16 Augen, die da draufgucken. Es gucken nicht immer alle drauf, aber oft mindestens zwei Personen, die sich das anschauen. Und wir haben oft die gleiche Meinung. Das ist sehr interessant und wir haben aber auch zum Beispiel die Tina bei uns. Die ist Autistin und das hat sie mir auch im Vorstellungsgespräch gesagt.

00:12:49: Cally Stronk: Und sie hat super Spezialfähigkeiten, denn die kann unglaublich toll Feedback geben auf Texte. Sie sagt ganz genau: Hier verliere ich den Kontakt zur Hauptfigur aus den und den Gründen. Das ist jetzt die Autorenseite, dass wir da gucken, dass wir tolle Exposés haben, die die Idee richtig rüberbringen und dass wir auch gucken: Ist die Idee stimmig mit der Altersgruppe, mit der Zielgruppe, mit dem Format?

00:13:13: Cally Stronk: Also wir schreiben dann auch durchaus ins Anschreiben rein: Als Bilderbuch gedacht. Könnte aber auch ein Vorlese-Buch sein. Dass wir auch das aufmachen. Dann gucken wir, dass das alles sitzt und wir ein Expose und eine Leseprobe haben, die Lust auf mehr auslösen. Und bei Portfolios zum Beispiel ist es so: Wir gucken auch als erstes: Inspiriert uns das? Macht das was mit uns?

00:13:36: Cally Stronk: Haben wir sofort Ideen, zu welchen Verlagen das passen könnte? Und was finden wir am stärksten? Was fehlt? Vielleicht zum Beispiel die verschiedene Gefühle von einer Figur. Das ist immer gut, wenn man zeigt, dass man das kann. Was sind die Präferenzen? Wir fragen: Was sind deine Ziele? Was magst du am liebsten? Was magst du nicht so gerne? Und dann wissen wir, wo wir angreifen können.

00:14:00: Cally Stronk: Und wenn wir das Material soweit haben, dass es uns alle überzeugt und wir sagen: Das ist jetzt richtig cool, dann schicken wir es systematisch raus. Dann suchen wir raus, wo es passen könnte. Wir kennen die ganzen Ansprechpartner*innen in den Verlagen. Vor allem die großen bestücken wir immer, weil das macht für uns auch einfach mehr Sinn. Dann machen wir auch Termine online und auf den Messen und nehmen eine Portfolio-Übersicht mit.

00:14:27: Cally Stronk: Die schicken wir auch immer wieder raus und zeigen die einige Portfolios. Und wenn wir jemand neu in die Agentur aufnehmen, dann sagen wir: Hey, wir haben eine tolle neue Künstlerin hier am Start und »das ist die Erfahrung«. Oder »wurde gerade nominiert für« oder was auch immer das speziell macht. Und dann schicken wir das an die richtigen Partner raus.

00:14:50: Cally Stronk: Wir sind so ein bisschen wie Amor, wir helfen den Menschen beim Verlag und den Künstler*innen, die richtigen Partner zu finden. Das ist cool, das macht total viel Spaß. Wenn wir dann merken, es passt und wenn es dann blubbert und alle Lust auf mehr haben, macht das Spaß. Also wir haben zum Beispiel eine Pilotin und Fluglotsin bei uns, eine Autorin, und die hat natürlich auch Projekte entwickelt, die das Thema Fliegen mit drin hat.

00:15:22: Cally Stronk: Und dann hatte sie halt so ein Feedback: Oh ja, aber vielleicht ein bisschen weniger die Theorie vom Fliegen. Und jetzt haben wir einen Verlag, der gesagt hat, wir brauchen noch mehr Theorie vom Fliegen da drin. Damit die Leute richtig verstehen, wie das funktioniert. Und dann ging das Herz auf und da hat die Autorin wirklich die richtige Stelle und den richtigen Platz gefunden.

00:15:42: Dr. Franziska Walther: Wie schön, was für eine schöne Metapher: Amor.

00:15:44: Cally Stronk: Das ist mir jetzt gerade eingefallen, du hast mich inspiriert.

00:15:52: Dr. Franziska Walther: Worauf achtest du denn, wenn sich Menschen bei dir bewerben? Wie wählst du aus? Also wen möchtest du gern vertreten und wo guckst du? Es muss ja auch passen. Was sind für dich Kriterien, dass du weißt, hier passt es.

00:16:05: Cally Stronk: Tatsächlich suche ich immer nach diesem Kribbeln, nach dieser Energie und die ist meistens ganz schnell da. Oder sie ist eben nicht da. Und ich bin trotzdem so, dass ich immer noch eine Toleranz habe von dem, wie es ist und wie es werden kann mit unserem Coaching in der Agentur. Dass man noch mal das Beste rausholt. Das, was ich suche, ist, dass ich wirklich denke, das ist eine herausragende Qualität.

00:16:33: Cally Stronk: Eine sehr gute oder solide Qualität ist manchmal auch etwas, was gut funktioniert. Dass ich Ideen habe, wo es hinpasst. Und ja, manchmal, manchmal matcht es dann auch tatsächlich mit Leuten bei uns in der Agentur untereinander. Ich hatte zum Beispiel ein Portfolio zugeschickt bekommen, da war dann ein Bild drin von einer Figur, die lustigerweise gerade eine Autorin in einer Geschichte von mir hatte, also von ihr entwickelt.

00:17:00: Cally Stronk: So, die hatte gerade eine Geschichte zu so einer Figur entwickelt und da haben wir die beiden gematcht, haben das gemeinsam angeboten und das hat sehr gut funktioniert. Wir hatten verschiedene Angebote von Verlagen und das ist auch etwas, was wir machen. Dadurch, dass wir natürlich sehr schnell in verschiedene Richtungen gehen, können wir, wenn wir ein Angebot haben, schnell sagen: Hey, wir haben ein Angebot, habt ihr schon geprüft?

00:17:24: Cally Stronk: Seid ihr auch interessiert? Und idealerweise haben wir dann manchmal drei, vier Angebote gleichzeitig, die wir vergleichen können. Und dann können wir sagen: Ihr seid eigentlich unsere Favoriten, aber die Konditionen in dem Angebot sind besser. Und es geht manchmal nicht nur um Geld, sondern es geht auch um die Anzahl der Bände zum Beispiel. Oder um das Format oder wie aufwendig das ist.

00:17:45: Cally Stronk: Und da ist das natürlich eine ideale Situation, wenn wir sozusagen in eine Art Versteigerung kommen, weil wir verschiedene Angebote haben, und da sind wir sehr schnell, dass wir da eben dann auch diesen Bedarf, also so eine Art FOMO (Fear of missing out) generieren. Also man muss so ein bisschen das Gefühl haben, wenn ich das jetzt nicht nehme, dass ist so heiß, dann verpasse ich etwas.

00:18:09: Cally Stronk: Und das ist natürlich auch was: Wenn sich jemand bei mir bewirbt, will ich das Gefühl haben, es ist was Besonderes. Und es ist aber immer eine Mischung aus etwas, was funktioniert hat bisher und etwas originellem. Das ist auch bei Geschichten so. Es dockt an an Dingen, die funktioniert haben und es muss aber auch einen weiterbringen in eine neue Richtung.

00:18:34: Cally Stronk: Und so ist es auch bei den Kindern, weil die dürfen wir ja nicht vergessen. Die sind ja im Fokus. Die Altersgruppe, für die das ist, die müssen sich darin wiederfinden und die muss ich da mit in eine neue Welt mitnehmen können.

00:18:48: Dr. Franziska Walther: Ja, es ist so dieser Balanceakt zwischen gutem Handwerk und genug kommerziell zu sein. Aber trotzdem immer noch interessant zu sein. Kommerziell klingt ja auch so abwertend, aber wenn man Bücher verkaufen will, ist es ja auch wichtig, dass viele Menschen sich davon angesprochen fühlen. Das heißt, es muss auch so eine gewisse Grundkommerzialität haben. Also es muss viele Menschen ansprechen.

00:19:12: Cally Stronk: Nicht unbedingt. Also es gibt die zwei Richtungen, es gibt dieses »massentauglich breitentauglich« und es gibt natürlich dieses »hochkünstlerische« und das ist schwieriger zu vermitteln. Aber es gibt die Plätze dafür. Und wir hatten zum Beispiel in Bologna – wir gehen natürlich auch auf die Buchmessen Frankfurt, Leipzig, Bologna – dort hatte ich ein Gespräch mit einem Verlag, der dann wirklich genauer auf die Sachen reagiert hat, die sonst immer so »schön, aber nicht für uns« sind.

00:19:39: Cally Stronk: Und witzigerweise hat auch ein großer Verlag, der letztes Mal noch gesagt hat: Oh, voll schön, aber nicht für uns. Der hat diesmal gesagt: Oh ja, wir brauchen endlich mal was Neues. Ich kann diese ganzen anderen Sachen gar nicht mehr sehen. Die haben also auch ihre Berechtigung. Aber sie müssen die Qualität haben. Und ich liebe es, wenn jemand eine eigene Bildsprache hat, einen eigenen Stil und da auch selbstbewusst seine eigene Stimme gefunden hat. Und trotzdem aber auch flexibel genug ist, es an die Bedürfnisse anzupassen.

00:20:10: Cally Stronk: Und das ist auch etwas, worauf wir achten. Ist die Person kompliziert oder ist sie umgänglich? Und das merke ich schon im Anschreiben. Ich merke das, ob jemand mir irgendwie zehn Sätze erst mal erklärt, warum er mir das jetzt erst schickt und was alles dazwischen gekommen ist. Vorher. Also das brauche ich nicht. Ich brauche einfach nur die Argumente, warum! Zum Beispiel: ich habe eine fundierte Ausbildung, ich leuchte dafür.

00:20:36: Cally Stronk: Ich sage nicht »brennen«, weil brennen hat was mit ausbrennen zu tun. Sondern ich leuchte dafür. Ich will das und das. Und ich habe das hier im Angebot, nach dem Motto: Mach mal schnell, sonst kann es ja weg sein.

00:20:46: Dr. Franziska Walther: Also ich verstehe, was du meinst, aber ich finde es schon sehr schwer, das in Worte zu fassen, was das sozusagen ist, was man dann mitbringen sollte. Klar, unkompliziert, professionelles Verhalten, in sich selbst auch eine gewisse Sicherheit haben, auch eine Sicherheit im eigenen Stil zu haben. Das sind alles Sachen, da gehen wir alle mit. Aber es muss trotzdem irgendwie so etwas Besonderes sein.

00:21:10: Dr. Franziska Walther: Das ist ganz schön schwer und am Ende kann man sich das ja auch nicht aussuchen. Man kann sich nicht verbiegen. Man kann ja nur die Person sein, die man ist – mit dem, was man mitbringt.

00:21:18: Cally Stronk: Na klar, es gibt ja so die Komfortzone und die Zone drumherum. In die muss man auch immer wieder gehen und sich neu ausprobieren. Und ich hatte einmal einen Kurs gemacht bei einer Illustratorin. Die hat dann gesagt: Ich habe zwar immer Auftragsprojekte, aber ich habe auch immer ein freies Projekt, wo ich mich selbst immer wieder neu ausprobieren kann, ohne dass jemand reinquatscht.

00:21:39: Cally Stronk: Und das wirkt auch wieder auf meine Auftragsprojekte ein – und ja klar, da muss man erst mal hinkommen. Wir haben auch eine bestimmte Toleranzgrenze, wenn jemand übertalentiert ist, aber ein bisschen kompliziert, dann drücke ich manchmal ein Auge zu. Mein Mann schreit dann immer schon: Die wird dir Probleme machen, die ist zu kompliziert. Er ist da viel strenger als ich.

00:22:00: Cally Stronk: Manchmal muss ich auf ihn hören. Aber keiner von uns ist perfekt. Und das ist auch das, was es menschlich macht. Ich will auch das Menschliche sehen, das Unperfekte. Ich mag es eigentlich auch nicht, wenn ich sehe, dass die Striche alle am Computer gemacht sind, sondern ich finde es schöner, wenn ich sehe, die sind von Hand gemacht. Da ist was drin, was lebt so. Und was ich mir wünsche, ist, dass jemand sein Handwerk lernt.

00:22:26: Cally Stronk: Also ich hatte jetzt gerade eine Bewerbung, das ist jetzt aus Autoren-Sicht. Da stand da erst: Liebes Verlagsteam – wir sind kein Verlag. Wir sind eine Agentur. Und dann war da auch noch ein selbstgemachtes KI-Cover dabei, stand aber nichts dazu. Aber ich habe es halt sofort gesehen. Klar. Anbei der erste Cover-Entwurf zu meiner Geschichte.

00:22:49: Cally Stronk: Dann denke ich natürlich auch: Hast du deine Geschichte auch mit KI gemacht? Das funktioniert so nicht. Aber ich gehe davon aus, dass die Leute, die deinen Podcast hören, auch ein tolles Fundament haben. Und da wird halt auch unterschieden: Ist das jemand, der am Anfang steht? Da ist natürlich eine größere Unsicherheit üblich, als wenn jemand schon viel Erfahrung gemacht hat.

00:23:12: Cally Stronk: Und dann helfen wir, die Erfahrungen zu sammeln und versuchen, auch ein bisschen Sicherheit mit zu vermitteln. Was wir aber trotzdem wissen müssen oder das Gefühl haben müssen, das ist jemand, der kriegt ein Projekt zu Ende. Ja, oder: Der kann den Stil durchhalten, durch das ganze Buch und man erkennt die Figuren wieder, weil die gut und von Grund auf entwickelt sind, auch die Größenverhältnisse. Die Profis erkennt man immer daran, dass die vorher die Charaktere auch in Größenverhältnissen zueinander setzen, auch mal aus verschiedenen Winkeln.

00:23:46: Cally Stronk: Und da die Figur auch wirklich klar anlegen. Ich will dieses Besondere. Ich will, dass jemand die Regeln beherrscht, aber sie bricht – da, wo es Sinn macht, und das dadurch originelle Ideen entstehen. Und das Geile ist doch, wenn man Illustrationen hat, wo man immer wieder etwas Neues entdecken kann. Ich habe zum Beispiel in meinem eigenen Buch »Die Jagd nach dem magischen Detektivkoffer«, illustriert von Patrick Fix.

00:24:11: Cally Stronk: Mitten in der Lesung ruft ein Kind bei einem Bild: Ah, da sind ja die Ganoven schon! Und ich drehe mich um und denke: Tatsächlich, da sind ja die Ganoven schon, hinten im Schatten. Und dann ist mir auch wieder eingefallen, dass ich das ins Manuskript geschrieben hatte. Ich habe es nicht gesehen. Und genau dieses, dass man, wenn man es dann wieder anguckt und was Neues entdecken kann ... oder kleine parallele Geschichten in den Bildern, die auch für die kleinen Geschwister toll sind.

00:24:37: Cally Stronk: Dass wir einen klaren Zielgruppenfokus haben, aber dass wir die Zielgruppe nach oben und nach unten weiter ausdehnen können durch unsere tollen Ideen. Ich sehe ja, ob da Ideen drinnen sind oder ob jemand nur das zeichnet, was in der Geschichte steht oder ob er einen Mehrwert schafft. Zum Beispiel bei Constanze und mir bei »unheimlich unfair«.

00:24:59: Cally Stronk: Das war, glaube ich, der dritte Band von der »Unheimlich peinlich«-Serie. Da geht es um Wettkampf der Schulen und die treten gegeneinander an und dann hat sie in den Illustrationen teilweise Schachfiguren mit eingebaut und die kämpfen dann mit Geodreieck und Zirkel. Und sie hat noch mal eine andere Ebene reingezogen, mit der ich gar nicht gerechnet habe beim Schreiben. Und Conne setzt halt noch einen drauf.

00:25:21: Cally Stronk: Und das ist für mich richtige Illustration. Das ist für mich richtige Kunst. Dass es verstanden wird vom Gefühl, vom Herzen, dass man andocken kann an die Figur, mit der die Geschichte erzählt wird, dass man in diese Welt reinkommt, verschiedene Perspektiven hat und dass man dann begeistert wird durch das, was passiert und dass die Illustration, ohne dass sie einen rausholt aus der Geschichte, immer so kleine Nebengeschichten erzählen und einen mitnimmt auf die Reise.

00:25:51: Dr. Franziska Walther: Ja, es ist ja so eine Welt, die entsteht. Und ich finde, dass da sowohl der Text als auch das Bild eine Rolle übernehmen, die beide dazu beitragen, dass diese Welten entsteht. Ja, und wenn das Bild einfach nur das erzählt, was im Text steht, dann ist die Frage schon auch berechtigt, ob man das überhaupt braucht, das könnte man sich ja auch vorstellen.

00:26:09: Cally Stronk: Genau. Das ist beim Schreiben ja auch so, dass du, wenn du die Szene schreibst, musst du auch kurz die Merkmale, wie es da aussieht, wo die Personen sind, was die machen, beschreiben – das vergessen auch manche Leute. Die reden dann einfach nur und das ist nicht fundiert. Und in einer Szene versuche ich auch, wenn ich selber schreibe, die Szene aufzubauen, in der die Figuren dann handeln und sprechen, dass das abläuft wie so ein innerer Film.

00:26:36: Cally Stronk: Und je nachdem, wie weit das Kind ist und wie geschult es ist, auch Bilder zu lesen, braucht es mehr oder weniger. Aber da seid ihr als Illustrator*innen ja auch da, diese Merkmale zu geben. Also beim Bilderbuch ist es ja komplett mit Lücken, aber da gehst du durch. Aber im Kinderroman, wo du mit Vignetten arbeitest, hast du ja ganz viele Szenen, die die Leute sich dann vorstellen müssen mit dem Material, was du geliefert hast.

00:27:03: Cally Stronk: Und da halt eben das anzuregen, das genug Raum für eigene Fantasie da ist. Das ist auch ne schöne Kunst.

00:27:10: Dr. Franziska Walther: Gibt es da auch Genre-Einschränkung oder arbeitet ihr in allen Genres des Kinderbuchs?

00:27:19: Cally Stronk: Also wir machen Kinder- und Jugendbuch. Wir machen eigentlich keine Pappen, weil sich das für uns nicht lohnt. Ab Bilderbuch, klar. Der Bilderbuch-Markt ist relativ dicht. Da muss man wirklich was Tolles, Gutes haben. Aber es gibt natürlich auch den Bedarf nach tollen neuen Charakteren. Da machen wir manchmal auch so Pitch-Parties bzw. wir haben Verlage, die dann einen Pitch ausrufen und wir können dann unseren Leuten sagen: Hey, habt ihr Lust, da irgendwie was zu entwickeln?

00:27:47: Cally Stronk: Also im Kinder- und Jugendbuch-Bereich sind wir sehr übergreifend und wir machen minimal eben auch andere Sachen. Wir haben zum Beispiel Autor*innen, die auch für Erwachsene geschrieben haben, da haben wir jetzt auch schon was vermittelt. Oder eine Sprecherin, die haben wir auch schon vermittelt. Aber unser Kerngeschäft ist Kinder- und Jugendbuch ab Vorlese-Buch. Eigentlich alles ab Bilderbuch, Vorlese-Buch bis hoch in den Jugendbuch-Bereich.

00:28:13: Dr. Franziska Walther: Gibt es einen guten Zeitpunkt, sich bei euch vorzustellen. Also arbeitet ihr lieber mit Jüngeren, mit Berufseinsteiger*innen, also mit jungen Hasen? Oder eher mit älteren Hasen zusammen? Oder ist das egal?

00:28:27: Cally Stronk: Es ist egal. Also wir haben schon relativ viel Nachwuchs, weil ich eben auch Coachings mache. So ist die Agentur auch entstanden und ich coache dann vor allem auch an Texten, bis ich finde, dass es irgendwann richtig toll ist. Und dann kann ich immer nicht nein sagen. Also manchmal muss ich Nein sagen, weil ich einfach nicht den richtigen Platz im Kopf habe, aber das Konzept an sich verstehe und auch mitgehe.

00:28:53: Cally Stronk: Aber da sind halt schon viele Debütant*innen, die zu uns gekommen, gerade im Autor*innen-Bereich. Wir konnten auch davon einige sehr gut vermitteln und bei manchen gibt es gerade einen Vertrag nach dem nächsten. Das ist richtig toll. Bei Illustrator*innen genauso. Natürlich freue ich mich, wenn wir auch Leute haben, die Erfahrung mitbringen und die schon was erreicht haben. So, weil wir halt eben viele haben, die so in so einem mittleren oder Anfangsbereich sind.

00:29:20: Cally Stronk: Wir haben ein paar richtig tolle Leute, die schon viele, viele Preise gewonnen haben. Also die Spannbreite ist breit. Du hast jetzt auch nach dem Zeitpunkt gefragt, Also im Januar haben immer viele Leute gute Vorsätze und schicken was raus. Also ich rate davon nicht ab. Wenn du den Impuls hast und weißt, es ist jetzt fertig, es muss jetzt raus, dann mach das.

00:29:41: Cally Stronk: Wo ich aber gerne arbeite, ist vor den Messen, dass man da die Sachen fertig hat und zwar eine Weile vor der Messe, um sie raus zu schicken. Weil wir dann sagen können: Hey, habt ihr es euch angeguckt, sonst nehmen wir es mit auf die Messe und dann haben wir wieder diese FOMO. Diese »Oh mein Gott. Aber auf der Messe sehen es ja ganz viele andere.«

00:29:58: Cally Stronk: Dann schaut sich das auch jemand an. Das ist unsere Aufgabe und das ist das, was, wenn man es selber macht, auch schwierig ist. Wir wollen, dass die Leute reingucken, dass sie sich damit beschäftigen, dass sie sich die Zeit nehmen. Und das funktioniert halt, wenn wir den Köder richtig bauen, sozusagen.

00:30:16: Dr. Franziska Walther: Wenn du sagst vor der Messe, das bedeutet dann also im Frühling für Frankfurt und im Herbst für Bologna?

00:30:24: Cally Stronk: Tatsächlich, weil wir manchmal, gerade wenn Illustrator*innen eigene Projekte mitbringen, guckt man ja noch mal, sitzt das? Ist das inhaltlich gut? Sind die Illustrationen gut? Passt das alles zusammen? Und wenn wir dann das Paket haben, das dauert ein bisschen, das zu entwickeln. Also wenn es bei uns auch noch mal zwei Runden dreht in der Agentur. Wir wollen ja fundiertes Feedback geben.

00:30:48: Cally Stronk: Manchmal geht es auch ganz schnell. Oh, das ist super so, das können wir es direkt so raushauen. Und manchmal geht es auch ganz schnell, dass da jemand sagt: Ah, das passt gerade. Genau das habe ich gesucht. Nun, manchmal dauert es länger. Also wir sind auch sehr treue Seelen. Wenn wir jemanden erst mal bei uns aufgenommen haben, dann begleiten wir die Leute auch sehr lange und glauben an die.

00:31:06: Cally Stronk: Auch wenn das manchmal dauert. Bei der einen hat das, ich glaube, drei oder vier Jahre gedauert, bis was passiert ist. Das ist schon krass, aber wir haben immer gesagt: Ja, wir glauben trotzdem dran und wir gucken mal, was hast du noch für neue Ideen und wie kann man die vielleicht drehen, wie kann man es noch besser machen? Und gerade, wenn ich Coachings mache, merke ich, dass die Leute dann neue Projekte in einer ganz anderen Qualität entwickeln, weil sie das, was sie im Coaching mit mir erarbeitet haben, mitnehmen und es hat dann eine andere Stufe. Es hat eine andere Qualität, das neue Projekt.

00:31:40: Cally Stronk: Und manchmal sind es dann auch erst die Sachen, die zünden und manchmal rutscht dann das Alte, wo wir eigentlich ursprünglich von ausgegangen sind, entweder noch mal nach oder man merkt plötzlich: Hey, wenn ich das jetzt noch mal drehe in ein anderes Format oder ne andere Zielgruppe oder vielleicht mit der Idee kombiniere oder dann, dann, dann funkt das plötzlich. Das leuchtet und man spürt dieses Leuchten, wenn man ganz ehrlich ist.

00:32:07: Cally Stronk: Man spürt es. Und wenn Leute zu mir ins Coaching kommen und sagen: Ich weiß nicht, ob es gut ist, dann ist es wahrscheinlich nicht gut. Du weißt, wenn es gut ist. Und manchmal fehlt halt nur ein bisschen und manchmal fehlt ganz viel. Und wenn ganz viel fehlt, dann kann ich sagen: Okay, du kannst schon Coaching machen, aber ich kann dir hier nichts garantieren.

00:32:26: Cally Stronk: Geh woanders hin und dreh noch mal deine Runden und lern das Handwerkszeug. Und das heißt nicht, dass ich alles A plus B machen muss, wie es mir jemand beigebracht hat. Sondern ich muss einfach meine Werkzeuge kennen und wissen, welche Effekte die haben, um dann meine bestmögliche Geschichte zu erzählen. Ob im Text oder im Bild. Und wenn ich das drauf habe und dann mit meinem Gefühl im Einklang bin, dann kann auch wirklich was ganz Tolles, Besonderes entstehen.

00:32:53: Cally Stronk: Und es geht ja auch genau darum. Wir wollen ja nicht einfach nur Bücher machen, sondern wir wollen Lieblingsbücher machen. Wir wollen Bücher machen, die die Herzen erobern, wo die Leute sagen: Wow, das ist mein absolutes Lieblingsbuch. Und das kann es auch nur sein, wenn es auch von uns ein Lieblingsbuch oder eine Lieblingsillustrationen oder die Lieblingsgeschichten sind.

00:33:11: Dr. Franziska Walther: Ich kann nur nicken und sagen Ja, ja, ja, ich weiß total, was du meinst. Und ich finde es ja auch so verrückt. Bei Büchern ist es ja schon auch so, das, auch wenn man das Handwerkszeug beherrscht, Bücher ja oft durch Iterationen durchgehen. Also ich kann nur sagen, mein Pony-Buch, mein freies Projekt, an dem ich gerade arbeite ist, kommt nächstes Jahr raus.

00:33:33: Dr. Franziska Walther: Im Herbst. Damit habe ich 2017 angefangen. Nächstes Jahr arbeite ich zehn Jahre an diesem Buch. Ja klar, das ist halt kein wirtschaftliches Projekt. Niemand kann mir das bezahlen, was ich da an Zeit reingesteckt habe. Und es müsste sich Millionenfach verkaufen. Aber es ist ja ein Projekt, das ich machen will. Und ein Grund, warum es jetzt immer noch da ist, ist, dass es mir wirklich wichtig ist, diese Geschichte zu erzählen.

00:33:55: Dr. Franziska Walther: Aber eine Herausforderung dabei ist, den Weg durchzuhalten. Also ich hatte in den letzten Jahren öfters mal Momente, wo ich gemerkt habe, das es echt hart ist, weiter zu machen. Und ich finde es total toll, wenn du sagst: Okay, wir sind ja auch die, die dann begleiten und die auch an das Projekt glauben. Also das ist ja super hilfreich, jemanden an der Seite zu haben, der sagt: Ja, mach weiter, es ist gut so, und vielleicht auch noch mal Feedback gibt.

00:34:19: Dr. Franziska Walther: Und auch diesen Transformationsprozess begleitet. Das ist super wertvoll. Ich kann bei mir sagen, es ging halt als Bilderbuch los. Es war als Bilderbuch komplett durchgezeichnet, ist komplett in der Tonne gelandet, war zeitweilig ein VorleseBuch. Jetzt ist es eine Graphic Novel geworden. Das macht es auch Sinn, dass es so lange gebraucht hat. Also es ist nichts, was man mal so in zwei Monaten durchzieht.

00:34:42: Cally Stronk: Ich sehe das manchmal wie Pflanzen. Es gibt Pflanzen, die wachsen langsam und es gibt Pflanzen, die wachsen schnell und es kann auch welche geben, ie schön sind, die schnell wachsen. Und ja, es kann auch mal eine verdorren. Aber es gibt eben auch die Projekte, die sehr, sehr langsam wachsen, aber dafür dann besonders schön werden.

00:35:00: Cally Stronk: Also ich weiß noch mit Leonie Looping damals, wir haben 2013 angefangen an der Idee zu arbeiten. Es ist 2017 erschienen, dann sind es sieben Bände geworden. Das ist langsam gewachsen und hat uns lange begleitet und ist auch immer noch ein Herzensprojekt. Na klar. Also das ist, glaube ich, auch etwas, was von Vorteil ist.

00:35:21: Cally Stronk: Zum Beispiel, wenn jemand ins Coaching kommt, und wir sagen: Okay, die haben dann Ideen, woran sie arbeiten können, wenn sie rausgehen. Und dann ist es ja so, dass diese Tasks bis zu einer bestimmten Deadline fertig werden sollen, weil wir machen einen neuen Termin aus. Manchmal wird er natürlich noch mal verschoben. Ist auch überhaupt nicht schlimm, weil jeder muss das in seinem Tempo machen.

00:35:43: Cally Stronk: Aber du hast eben eine Deadline. Das heißt, du hast auch eine gewisse Tatkraft, die du dann entwickeln musst, um es dann auch umzusetzen. Und das ist manchmal einfacher mit einer Deadline. Und klar, also ich würde jetzt kein Buch mehr schreiben ohne Deadline. Wahrscheinlich würde es mir aber mal guttun, ein komplett freies Projekt zu schreiben. Aber ich habe eigentlich immer Verträge, die ich erfüllen muss, dann auch mit Deadlines und ich glaube, sonst, ich habe so viel zu tun, sonst würde ich mich gar nicht hinsetzen und das irgendwie weitertreiben.

00:36:14: Cally Stronk: Und manchmal ist es auch so. Manchmal braucht es auch immer wieder eine Ruhephase für ein Projekt, um dann mit dem, was man neu gelernt hat, frisch drauf zu gucken. Das kann unglaublich viel bringen. Manchmal merkt man dann, dass es nur so klack, klack klack macht und plötzlich sitzt es. Man weiß, jetzt fusionieren so zwei Projekte zu einem. Das gibt es auch.

00:36:37: Cally Stronk: Zum Beispiel habe ich einen Anfang geschrieben von der Straßengäng und hab dann gesagt: Cally, das ist so schlecht, es ist so schlecht. Also das denke ich dann manchmal auch und da muss ich durch. Es ist durchschnittlich oder es ist noch nicht so richtig gut und das muss ich aushalten mit meinem Gefühl, mit meinem Ego, dass das jetzt noch nicht die Superklasse ist. Und wenn ich dann aber weitermache.

00:37:00: Cally Stronk: Manchmal lasse ich auch Lücken und markiere die mir. Dann gehe ich irgendwann noch mal durch und gucke mir das mit Abstand an und plötzlich denke ich, so schlecht ist es gar nicht. Ich muss doch nur noch das, das, das, das, das machen, und dann sitzt es, weil es im Inneren auch weiterarbeitet. Und ich bin total der Fan davon, das Unterbewusstsein mit einzubeziehen, sich selber Fragen zu stellen, bevor man schlafen geht oder sich selber Fragen an den Rand zu schreiben.

00:37:25: Cally Stronk: Also dass man ein bisschen so seine eigene Lektor*in ist. Genauso mit den Figuren: Wenn die einmal gut durchdacht sind und nicht einfach so hin gezeichnet, sondern klar ist: Was sind die Stärken, was sind die Schwächen, was ist vielleicht die Macke? Was ist das Besondere an der Figur, was sie von allen anderen unterscheidet? Was ist das, warum wir sie ins Herz schließen sollen?

00:37:45: Cally Stronk: Was ist das, wo wir andocken können? Wo bricht sie sich vielleicht ein bisschen, damit sie nicht zu langweilig ist? Und das merke ich auch. Ob Illustrator*innen sich diese Gedanken gemacht haben. Das sieht man. Und man sieht auch, ob viel Zeit in einer Illustration steckt oder nicht. Und man sieht halt auch, ob jemand sich einfach selber irgendwie beigebracht hat. Klar, es mag da die größten absoluten Genies geben.

00:38:10: Cally Stronk: Vielleicht auch die, die im ersten Entwurf ihre super Geschichte schreiben, aber die sind wahnsinnig selten. Also ich bin Fan davon, wenn jemand wirklich eine Ausbildung macht und das Handwerk von Grund auf lernt. Und ich glaube, wenn jemand erst mal Künstler*in in einem Bereich ist, dass das auch durchaus einfacher ist, andere Bereiche zu adaptieren. Das mache ich auch. Ich meine, andererseits habe ich schon Gesangsunterricht gehabt, seitdem ich ... keine Ahnung ... oder in Bands gespielt habe. Ich hatte eine richtige Thrash-Band.

00:38:42: Cally Stronk: »Der Rest« hier die. Aber ich bin auch immer wieder bereit, neu dazuzulernen. Also ich nehme jetzt wieder Gesangsunterricht, um noch mal eine neue Stufe rauf zu kriegen. Genauso wie wenn jemand Illustrator oder Illustratorin ist, kann es nicht schaden, einen Schreibkurs zu machen und einfach mal die Seite auch zu verstehen. Es kann nicht schaden, sich mit Humor zu beschäftigen.

00:39:07: Cally Stronk: Und Spannung? Ja, weil das kann ich auch schon in die Bilder mit reinbringen, weil die Bilder ja auch eine Erzählung sind. Eine Geschichte, auf einer anderen Ebene.

00:39:15: Dr. Franziska Walther: Aber ja, es ist ja auch einfach ganz viel Handwerk und das Handwerk hilft ja. Es heißt ja nicht, dass man das dann eins zu eins umsetzt, wie ein Baukasten, sondern es ist einfach ein Fundament, auf dem alles steht. Und umso stabiler das Fundament ist, umso mehr Möglichkeiten hat man auch.

00:39:33: Cally Stronk: Ja, obwohl es ist schon ein bisschen Baukasten. Aber es ist ein Baukasten ohne Bauplan. Den musst du selber entwickeln und du kannst auch immer wieder neue Steine dazunehmen und irgendwas rausschmeißen. Und das mache ich auch bei meinen Workshops, dass ich mit den Kindern die Bausteine überlege. Was gehört zu einer guten Geschichte? Und wenn man die Bausteine hat, dann kann man super schnell seine eigene Geschichte basteln, weil man einfach weiß: Okay, ich brauche Orte, ich brauche Figuren, ich brauche Probleme.

00:40:00: Cally Stronk: Das ist das Wichtigste. Ich brauche ein Problem in der Geschichte, weil das gibt eine Lösung und das ist die Geschichte. So, und wenn man sich das mal bewusst macht und eben bereit ist, immer wieder dazuzulernen. Und manchmal ist es so, dass wir Sachen noch mal komplett einreißen müssen und neu aufbauen, weil weil der Charakter noch nicht sitzt. Es gibt aber auch Sachen, wo man sich sehr für die allererste Variante entscheidet.

00:40:23: Cally Stronk: Beim DTV Verlag habe ich ein Buch gemacht. »OMG Meine unfreiwilligen Ferien im Kloster«.

00:40:30: Dr. Franziska Walther: Oliver Vieweg.

00:40:31: Cally Stronk: illustriert von Olivia Vieweg. Und ich sag dir: Olivia, die Arme, die hatte ein Cover Entwurf. Ich habe sofort gesagt: Das ist es, es ist genial. Es ist genau das, was wir brauchen. Und dann kam vom Verlag: Ah, die Figur soll aber lächeln und hier und da. Und dann haben die so viele Runden gedreht. Ich glaube, ich weiß nicht, wie viele Cover-Entwürfe Olivia gemacht hat.

00:40:53: Cally Stronk: Noch mal komplett neu und ich habe nachher zwei zur Auswahl bekommen. Und jetzt, Leute, die sind beide scheiße. Sorry, aber ich geh da überhaupt nicht mit. Und ich würde euch bitten, guckt euch die noch mal an und packt das allererste daneben und ich lege euch ans Herz. Nehmt das allererste, das war das Allerbeste. Und dann haben die genau das gemacht.

00:41:16: Cally Stronk: Sie haben es zum Glück gemacht. Sie haben gesagt: Oh ja, wir haben uns da verrannt, weil jeder muss seinen Senf dazugeben, irgendwie. Ich weiß jetzt nicht, ob es jetzt in dem Verlag so ist, aber generell: Natürlich muss jeder seine Position, seinen Job, verteidigen und dadurch auch eine Meinung haben dazu. Und manchmal ist das Allererste das Beste.

00:41:35: Cally Stronk: Und manchmal ist natürlich auch das Erste das Naheliegendste. Und wenn man dann das noch mal wegmacht und die späte Lösung präferiert, dann kann das auch manchmal die Lösung sein. Das hat man ja auch beim Aufnahmetest von Universitäten, ich glaube von der Universität der Künste, ...

00:41:59: Cally Stronk: Da hat man rausgefunden, dass die Künstler mit der späten Lösung die sind, die sich am Markt eher durchsetzen. Das sind die, die dranbleiben. Und die, die schnell fertig werden und schnell, schnell, schnell und das allererste nehmen, das sind auch die, die schnell wieder aufgeben. Die, die immer wieder auf ihre eigenen Sachen, auf ihren eigenen Stoff, auf ihre eigenen Bilder, auf ihre eigenen Worte reagieren und gucken, wie kann ich noch mehr rausholen?

00:42:23: Cally Stronk: Das sind die, die nachher erfolgreich sind.

00:42:26: Dr. Franziska Walther: Ja, der kreative Prozess ist ja auch schon ganz schön mühsam manchmal. Der tut ja manchmal auch wirklich weh. Du hast es ja gerade schon beschrieben, wenn man es auf seine ersten Entwürfe drauf guckt und denkt: Oh, mein Gott, es ist noch gar nicht da, wo ich gerne hätte, dann ist es schwer, dann weiterzumachen. Das ist definitiv eine Herausforderung, aber es gehört halt einfach dazu.

00:42:45: Cally Stronk: Ja, und manchmal ist das, was am Ende dem fehlt, diese Raffinesse, diese Echtheit vom ersten Entwurf.

00:42:54: Dr. Franziska Walther: Die Kunst ist ja, weiterzumachen, ohne sich so fest zu machen. Also eine gewisse Lockerheit und Offenheit zu behalten und aber trotz alledem immer wieder weiterzulaufen und sich immer wieder auch unbequeme Fragen zu stellen und dabei aber trotzdem zu fließen. Ich glaube, das ist die große Kunst.

00:43:11: Cally Stronk: Und das war zum Beispiel bei Constanze von Klitzing so. Sie hatte, als wir uns kennengelernt haben, eine sehr aufwendige Technik. Sie hat die durchgepaußt mit so einem richtigen Lichttisch, hat die abgezeichnet, koloriert und dann erst eingescannt und noch mal bearbeitet am Computer. War sehr, sehr aufwendig. Und ich habe damals gemerkt, dass die erste Skizze eigentlich das ist, wo noch viel mehr Leichtigkeit drin war.

00:43:40: Cally Stronk: Und bei »Unheimlich peinlich« hat sie mal anders gearbeitet. Sie hat die quasi direkt aufs Papier gerotzt und das ist so gut geworden. Es hat eine andere Qualität, es hat beides seine Berechtigung. Und das andere ist für Kinderbuch, für Vignetten, für ... sagen wir mal ... Langsamkeit. Es ist so was Stabiles mit starkem Fundament.

00:44:05: Cally Stronk: Und da bei dem Comic-Roman war es dieses Hingerotzte, das schnelle. Was aber auch nur ging, weil sie ihre Hausaufgaben vorher gemacht hat, weil sie ihren Weg gegangen ist. Sie hat nicht mit dem Hingerotzten angefangen. Das ist das Ergebnis am Ende. Und das ist auch bei anderen Illustrator*innen so, dass sie pro Projekt auch eine eigene Stimme finden müssen. Den Abstraktionsgrad der Charaktere zum Beispiel ändern. Simona M. Ceccarelli, die meine Straßengäng illustriert, die auch »School of Talents« und »Willow« und so macht und auch dieses neue wunderschöne »Momo«-Bilderbuch gemacht hat.

00:44:38: Cally Stronk: Da hat sie ja noch einen ganz anderen Stil. Die findet diese Stimme und den Strich und die Charakteristik für die Figuren für jede eigene Geschichte, wenn sie die Geschichte liest und den Ton hört. Daran passt sie das an. Was ich zum Beispiel nicht man ist, wenn ich merke, dass jemand die Geschichte nicht gelesen hat. Und das merkt man in den Illustrationen.

00:44:59: Cally Stronk: Manchmal müssen ja Autor*innen dann noch umarbeiten auf die Illus. Es kann immer was sein, dass die Figur jetzt plötzlich ein blaues und nicht ein gelb Shirt anhat, aber der Autor, der denkt sich ja was dabei. Oder die Autorin. Manchmal macht es Sinn, manchmal tut es weh, weil die erste Idee ja vielleicht auch besser war. So, und wenn jemand nicht genau gearbeitet hat, dann rutscht das so raus und wir müssen es dann ändern, obwohl es anders besser war.

00:45:25: Cally Stronk: Das hat mir auch ein Autor gerade erzählt, aber da merkt man auch: Machen die Leute einfach ihre Hausaufgaben oder nicht?

00:45:33: Dr. Franziska Walther: Ja, jetzt haben wir so viel über Herzblut und immer wieder reingehen und Hausaufgaben machen, Fundament aufbauen und Handwerk lernen gesprochen. Das ist ja auch so viel Expertise, die man da mitbringt. Und gleichzeitig ist es aber so, dass man mit Büchern ja dann doch relativ wenig Geld verdient. Oder besser gesagt: Man verdient mit Büchern Geld, wenn die sich gut verkaufen.

00:45:57: Dr. Franziska Walther: Das heißt, die Frage an dich wäre jetzt – du hast ja einige erfolgreiche Bücher in deinen 60 Büchern, die du gemacht hast. Das sind ja viele, die sich total gut verkaufen, viele Serien mit vielen Bänden. Was macht ein Buch erfolgreich? Was macht, dass sich ein Buch gut verkauft?

00:46:15: Cally Stronk: Das ist natürlich eine herausfordernde Frage. Also meiner Meinung nach muss es einerseits andocken an etwas, was es schon gab, was sich bewährt hat. Und in eine neue Welt führen. Entweder bekannte Geschichten neu erzählen, auf eine ganz eigene Art und Weise oder halt neue Geschichten. Das ist ja unheimlich schwer, da noch Lücken zu finden, was es noch nicht gab. Ich habe so ein bisschen auch mit Tabus gearbeitet.

00:46:41: Cally Stronk: »Unheimlich peinlich« spielt auf dem Friedhof. Und da gab es auch einen Verlag, der gesagt hat: Ja, super, super Idee, aber kannst du nicht den Friedhof rausnehmen? Der Vertrieb, der traut sich nicht so ganz und die Hälfte ist total begeistert. Die andere Hälfte sagt aber: Friedhof tabu. Jetzt spielt das Buch im Kloster und macht sich ein bisschen über die Nonnen lustig, aber liebevoll.

00:47:03: Cally Stronk: Die sind so süß und die haben so viel Herz. Aber die sitzen halt auch in ihrem geheimen Zimmer und schauen Netflix, werden dabei erwischt. Ja, ich glaube also, man muss den Markt kennen, aber sich auch nicht verfransen, sondern auch aus sich selber heraus schöpfen und abgleichen. Immer mal wieder abgleichen – gibt es das schon und wo kann ich mich verändern?

00:47:28: Cally Stronk: Also wo kann ich es anders machen als bei anderen? Um mich abzugrenzen. Was ist mein USP, mein Unique Selling Point? Das, was es von allen anderen unterscheidet? Und das kann der Ton sein, es kann die Idee sein, es kann die Figur sein, es kann die Welt sein, es kann eine ganze Menge sein.

00:47:51: Cally Stronk: Was ich am allerwichtigsten finde für mich ist, dass es mit Liebe gemacht ist. Ich bin Comedy Autorin, also bei mir, dass gute Witze drin sind und auch, dass es spannend ist. Also egal in welchem Genre brauche ich Humor. Das ist dann halt die Menge des Gewürze Humor. Entweder so als kleine, mal entspannende Momente oder mal als Hauptbestandteil.

00:48:16: Cally Stronk: Und Spannung. Brauchen wir immer. Sonst komme ich nicht durch das Buch. Und wenn ich dann auch wirklich originelle Sachen gemacht habe, zum Beispiel »Mein magischer Detektiv Koffer«, da ist jetzt keine komplett neue Geschichte, eine Detektivgeschichte für Kinder zu erzählen. Aber es sind Zwillinge. Also wir haben Jungs und Mädchen, die sich damit identifizieren können. Wir haben Kriminelle, wir haben die doofen Ganoven, Topf und Deckel, die immer wieder Quatsch bauen und auch einfach dööfer sind als die Kinder.

00:48:48: Cally Stronk: Also da können die Kinder sich dann auch ein bisschen überlegen fühlen. Das ist auch schön. Wir haben sehr viel Wortwitz, alleine in den Namen Topf und Deckel, da lachen die schon. Oder die Tiere. Der Hund heißt Sokrates, die Katze heißt Pfötchen und der Wellensittich heißt Brötchen. Na, das haben wir auch gemerkt, als wir es mal auf Englisch übersetzt haben.

00:49:07: Cally Stronk: Das kannst du nicht eins zu eins übersetzen. Du musst gucken, dass du einen Witz baust. Und das ist halt Liebe zum Detail. Und das spürt man. Und natürlich sind auch Sachen erfolgreich, die mal schnell gemacht sind. Aber ich versuche immer, was Neues zu schaffen und eine neue Lücke zu finden. Und mit Begeisterung. Und ich spüre das. Ich spüre das, ob das kribbelt, ob das gut ist.

00:49:30: Cally Stronk: Und ich habe so viele Ideen, ich muss immer entscheiden, welche verfolge ich und man merkt es auch sofort, ob es funkt beim Verlag. Also es gibt Projekte, die habe ich innerhalb von einem Tag verkauft, weil die funken, die bedienen etwas, was es gab und sie denken es aber noch mal komplett neu. Und Gefühle, Gefühle, Ja, man muss halt wirklich gucken, dass man emotional an die Figur rankommt.

00:49:55: Cally Stronk: Wenn man Autorin oder Autor ist, kann man das sehr gut machen über wirklich Gefühle. Das vergessen manche, zum Beispiel: Ihr Herz klopfte schnell, als sie die Stufen runterlief. Was war denn das? Also auch über Erinnerungen, über Ängste, über Wünsche, über Körperreaktionen. Die Hände zitterten, aber sie nahm einen tiefen Luftzug und riss sich zusammen. Sie würde es schaffen.

00:50:19: Cally Stronk: Bis zur Ecke war es nicht weit. So, da bin ich an der Figur dran, obwohl ich keine Ich-Perspektive habe, bin ich ganz nah dran. Wenn ich jetzt einfach nur schreibe: Die Figur hatte Angst, lief die Treppe runter und zur Ecke, wo jemand auf sie wartete, dann ist das nicht spannend. Und diese Connection, diese Connection für Figur über Erzählung und über Bild.

00:50:41: Cally Stronk: Ja, die ist die allerwichtigste. Weil dann lasse ich mich auf die Geschichte ein und dann will ich ihre Probleme kennen und ich will mithelfen. Und ich will Angst haben und um sie bangen. Und dann bin ich dran, dann bin ich committed, dann habe ich die Geschichte. Und wenn die dann auch noch eine bestimmte Charakteristik hat. Mein großes Ziel ist ja, dass man zwei Sätze liest und sagt, das von Cally Stronk, dass man sofort meine Stimme hört, dass man das sofort weiß.

00:51:07: Cally Stronk: Das ist von mir. Dass der Stil so prägnant ist. Und das ist halt eine Kunst, auch bei Bildern da seinen eigenen Stil zu finden. Das ist sozusagen die Königsklasse.

00:51:23: Dr. Franziska Walther: Wenn dich jetzt jemand fragen würde: Wie finde ich meine Stimme? Ich hätte gerne, dass man meine Bücher sofort erkennt. Was würdest du der Person raten, was sie tun soll? Weil das ist halt einfach die Königsklasse. Wie kommt man dahin?

00:51:36: Cally Stronk: Ja, also ich erzähle mal auf einer anderen Ebene, was mir passiert ist. Ich bin mal zu der Buchhandlung hier, Panke-Buch. Da kann man übrigens auch signierte Bücher von uns bestellen. Mal so nebenbei – kleine Werbung. Aber da bin ich hingegangen. Und dann hat die Buchhändlerin, die an dem Tag da war, mich angeguckt und meinte: Cally, bist du inkognito hier.

00:51:58: Cally Stronk: Wieso? Und sie so: Ja, du hast deine ganzen Cally-Merkmale nicht an. Du hast heute keinen roten Lippenstift, du hast nicht deine Vintage-Klamotten an, du hast nicht deine rote Handtasche an ... und sie hat dann da aufgezählt. Also da war, als ich noch diesen 50er Jahre Look hatte ... und ich dachte dann: Aha, das sind also meine Merkmale. Gut zu wissen.

00:52:26: Cally Stronk: Ich musste da auch aus dieser Schablone rauskommen und mich neu erfinden. Das war gar nicht so einfach. Aber das ist die Persona Cally von außen. Und von innen ist es, glaube ich, ähnlich. Also man hat ja verschiedene Arten von Strich, von Technik, von Augen, wie man die malt, Themen – und da gibt es irgendwas, das alle Sachen verbindet.

00:52:53: Cally Stronk: Und als ich gemalt habe, habe ich das auch gemacht. Ich habe in jedem Bild etwas, was alle anderen Bilder verbindet, also was Gleiches und in jedem Bild etwas Neues geschaffen. Genau wie bei den Texten. Und manchmal hilft natürlich ein Blick von außen, dass jemand sagt: Ah ja, hier hast du wieder das und das.

00:53:14: Cally Stronk: Das ist ja so dein Stil-Merkmal. Oder Farben! Die können es ja auch sein. Und dann probiert man sich wieder neu aus. Dafür hat man wieder etwas anderes gleich. Ich glaube, so kann man sich ziemlich gut entwickeln und aussieben. Und manchmal ist es vielleicht auch reduzieren. Also ich habe ja am Anfang sehr viel mit dem Atelier Flora und Judith Drews, der Illustratorin, zusammen meine Bücher gemacht und die hat ja immer ihre Farben stark reduziert und hat dadurch einen ganz besonderen Look bekommen.

00:53:41: Cally Stronk: Und da einfach mal zu gucken, was passt zu mir als Typ, also welche Farben sind meine persönlichen Farben? So, das hat alles was miteinander zu tun. Oder auch: Welches Instrument man spielt, ob man jetzt Mundharmonika spielen kann, dann kann man das ja auch einbauen in der Lesung oder im Workshop. So, das verbindet sich dann alles untereinander.

00:54:03: Dr. Franziska Walther: Ja genau. Den roten Faden finden. Das ist ja das, was du beschrieben hast, sozusagen in verschiedenen Dingen, die man tut, den roten Faden finden. Und ich habe eine Sache, die total hilft, ist viel zu machen. Also ich erinnere mich noch, als ich angefangen habe, war mein Portfolio klein und ich musste mich auch so ein bisschen dahin bewegen, ganz bewusst einfach viel zu produzieren, um dann auch einfach viel Material zu haben, um den roten Faden zu entdecken.

00:54:28: Cally Stronk: Ja, und um das dann auszusieben, dann zu gucken, was sind meine Lieblingsbilder?

00:54:32: Dr. Franziska Walther: Ja, genau, was auch hilft, ist sich selbst als Mensch besser kennenzulernen. Weil ich glaube, dass die eigene Stimme, die hat ganz viel mit Präferenzen zu tun. Also Farben. Welches sind meine Lieblingsfarben? Ich zeichne nur meine Lieblingsfarben. Da gibt es einen klaren Zusammenhang. Oder Themen. Oder Humor. Hast du auch gesagt. Was für eine Art von Humor habe ich?

00:54:54: Dr. Franziska Walther: Man merkt, das kann man ja auch abgleichen. Was gucke ich mir denn an, warum finde ich das denn lustig? Und dann das in den eigenen Arbeiten wieder zu suchen und mit großer Wahrscheinlichkeit wieder zu finden, das ist eine gute Methode.

00:55:08: Cally Stronk: Ich habe zum Beispiel in fast jeder Geschichte Zwillinge. Oder dann hat man bestimmte Thematiken, die sich wieder durchziehen oder bestimmte Szenerien. Ja, manchmal komme ich tatsächlich auch dahin, dass ich merke: Oh, den Satz hast du schon mal geschrieben. Dann markiere ich mir den. Das war jetzt zum Beispiel auch interessant bei dem vierten Band von »Unheimlich peinlich« und bei »OMG«. Da hatte ich tatsächlich manchmal das Gefühl, ich habe das schon mal erzählt, so in der Art und Weise.

00:55:41: Cally Stronk: Und das ist, glaube ich, wie wenn man ein Bild malt, abzudecken welche Stellen gefallen mir richtig gut und welche sind so mittel und welche gefallen mir noch nicht um zu gucken. Was muss ich bewahren und an die anderen Sachen muss ich noch mal ran. Oder vielleicht schneide ich auch nur ein Stück von dem Bild aus.

00:55:58: Cally Stronk: Was mir gut gefällt.

00:56:00: Dr. Franziska Walther: So, ja, du hast ja vorhin erzählt und du machst ja auch noch ganz viele andere Sachen. Du schreibst, du hast über 60 Bücher in die Welt gebracht. Das ist ja auch einfach mal krass. Aber du machst ja auch Musik, Du spielst Ukulele, du malst. Wie wichtig findest du es denn, dass man so einen Fokus findet? Es wird ja heutzutage immer empfohlen, dass man sich so eine Nische sucht und aber gleichzeitig sind kreative Menschen ganz oft auch vielseitig interessiert und machen auch ganz oft ganz viele Sachen.

00:56:35: Cally Stronk: Ja, also mein Vater hat irgendwann mal zu mir gesagt: Du hast so viele Talente. Ich habe manchmal ein bisschen Angst, dass du dich nicht für das Richtige entscheidest. Das ist schon lange her. Man braucht einen Kern, man braucht einen Kern, der alles verbindet. Bei mir ist es tatsächlich das Kinderbuch, und das hat mir sehr geholfen, weil da hat es dann plötzlich gefunkt.

00:56:52: Cally Stronk: Ich habe mein erstes Buch gemacht und hatte sofort unglaubliche Resonanz und habe gemerkt, das ist jetzt das, was ich die ganze Zeit gesucht habe und das funktioniert. Und hier gehe ich weiter. Und dann habe ich erst mal alles andere, was ich bis dahin gemacht habe, zurückgestellt und mich fokussiert und konzentriert. Und dann hatte ich das Glück, dass ich tatsächlich drei verschiedene Illustrator*innen im Atelier Flora hatte, die alle mit Geschichten von mir und Illustrationen dazu von sich über die Messe gelaufen sind.

00:57:24: Cally Stronk: Ich hatte drei Agenten gleichzeitig quasi und bin dann relativ schnell in verschiedenen Verlagen gleichzeitig aufgetaucht. Und das war dann auch, dass ein Verleger zu mir gesagt hat: Du, wie wäre es denn mal mit einem Verlag? Mit einem Stamm-Verlag. Da konnte ich ja gar nichts für, habe ich aber dann auch gemacht. Also ich habe jetzt mit Ravensburger viele Jahre Bücher gemacht.

00:57:46: Cally Stronk: Löwe ist jetzt auch ein neuer Verlag, mit dem ich unheimlich viele tolle Sachen machen und die mich auch unterstützen und auch mein Potenzial in anderen Bereichen sehen. Da hat der Geschäftsführer, der Herr Gondrom, der hat mich angerufen und hat gesagt: wir haben eine Idee, wir würden gern ein Hörbuch machen zur Straßengäng. Und ich war auch dabei.

00:58:07: Cally Stronk: Ich glaube, er siezt mich. Ich war bei Ihrer Lesung und Sie haben das so schön selber gesprochen. Und da dachten wir, vielleicht möchten Sie die Hörbücher selber einsprechen. Da habe ich mich riesig gefreut. Ich habe das zwar schon mal gemacht bei den Giraffen-Affen, die Enhanced eBooks, aber das war lange her. Und zwischendurch mal für Die drei ??? eine kleine Rolle gesprochen und mal in einem anderen Hörbuch.

00:58:26: Cally Stronk: Aber so mein eigenes Hörbuch zu sprechen, das war jetzt meine neue Herausforderung. Und gleichzeitig war ich trainiert dafür, weil ich in über 100 Lesungen diese Stimmen von diesen Figuren entwickelt habe. Also jede Figur hat ihre eigene Stimme bekommen und ich war vorbereitet und ich musste mich natürlich trotzdem noch weiter vorbereiten.

00:58:53: Cally Stronk: Und dann hat er gesagt: Frau Stronk, Sie haben doch da auch noch mit der Ukulele diesen tollen Song in Ihrer Lesung drin. Wollen Sie den nicht als Titelsong machen? Da habe ich gesagt, Herr Gondrom, das ist ein super Song, aber nicht als Titelsong. Ich kann ja nicht am Anfang, ich bin hier der Chef singen, wenn es um die Straßengäng geht.

00:59:08: Cally Stronk: Der passt im Kontext, in der Geschichte. Aber wir könnten einen neuen machen, habe ich gesagt: Haben Sie Geld dafür? Ja, da können wir drüber nachdenken. Und dann hatte er tatsächlich Geld, und ich habe einen Produzenten gesucht, den Tom Steinbrecher in Hamburg, der auch für die Giraffen-Affen damals schon Musik gemacht hat, und habe den gefragt und er hat dann den Beat gemacht.

00:59:37: Cally Stronk: Und dann habe ich im Rahmen von den Aufnahmen von dem Hörbuch angefangen, auf diesem Beat zu singen. Wir hatten vier Tage. Abends haben wir die Stimmen an Tom geschickt nach Hamburg. Der hat die eingebaut. Hat mir an dem Abend noch oder an dem nächsten Morgen die Version geschickt. Ich habe die auf dem Weg ins Tonstudio gehört im Autoradio, habe gleichzeitig neue Stimmen entwickelt.

01:00:01: Cally Stronk: An den Texten weiter gefeilt und habe innerhalb von drei Tagen diesen Song aufgenommen und alle Stimmen selber eingesungen. Es hat sich da drin alles verbunden, was ich bisher gemacht habe. Na also. Die Vorarbeit hat dann ihre Früchte getragen und das ist es, glaube ich. Also man muß Graswurzeln-Arbeit machen, man muss gucken, dass man sich professionalisiert, dass man so gut wird wie möglich, dass man seinem Herzen folgt und dann Dinge tun. Also nur zu Hause warten bringt gar nichts, sondern ich muss was tun, damit was passiert.

01:00:35: Cally Stronk: Ich muss rausgehen und das, was die Leute sehen, inspiriert sie dann wieder. Genau wie Herrn Gondrom das dann inspiriert hat. Meine Lesung. Und das war nicht die beste, fand ich. Aber das wusste er ja nicht, was mein Potential ist, aber es hat ihn auf die Idee gebracht und jetzt haben wir da eine so tolle Zusammenarbeit und das ist es halt.

01:00:55: Cally Stronk: Wir sind Partner und unterstützen uns. Und es funktioniert natürlich nur, weil die Bücher auch funktionieren und sich verkaufen. Aber das ist genau das, was wir wollen. Dass wir einen Anfang finden, gemeinsam eine Vision haben, gemeinsam mit den Verlagen, mit allen, die in dem Team drin sitzen. Dann kann man nämlich ziemlich viele große Sachen schaffen.

01:01:15: Dr. Franziska Walther: Das heißt, fassen wir zusammen. Das, was ich jetzt gehört habe, korrigiere mich gerne, wenn ich was falsch verstanden habe ... Deine Empfehlung ist also: am Anfang Fokus finden, aber die anderen Sachen nicht verlieren, sondern weitermachen. Aber erst mal mit einer Sache sichtbar werden, die anderen Dinge machen und so ein bisschen darauf auch vertrauen, dass die Dinge, die mehr werden sollen, dann vielleicht auch mal einen Platz finden?

01:01:40: Dr. Franziska Walther: Ist es das?

01:01:42: Cally Stronk: Also ich sehe das manchmal so eine Quallenbewegung. Wir werden immer ein bisschen größer und ziehen uns wieder zusammen, werden wir ein bisschen größer und ziehen uns wieder zusammen. Wir müssen selber aussortieren. Und gerade als Illustrator*innen müsst ihr nach vorne stellen, was ihr machen wollt. Wenn ich Comic Romane machen will, dann muss ich im Portfolio Comic-Romane haben. Manchmal stimmt es nicht ganz überein mit dem überein, was wo die Resonanz ist und dem, was ich will.

01:02:06: Cally Stronk: Dann würde ich raten: Okay, mach das, wo du Resonanz hast, aber entwickele das andere weiter und die Zeit kommt, wo das zusammenwächst. Wenn wir diesen Kern haben, mit dem wir anfangen können, diese Reaktionszeiten, wo die anderen reagieren. Das ist so dieses Ikigai-Prinzip. Ich werde so professionell wie es geht, habe Kompetenz, liebe die Sachen, die ich mache, kriege Feedback und auch noch Geld dafür und kann mich verwirklichen.

01:02:34: Cally Stronk: Und dann auch noch Mehrwert schaffen für andere. In dem Fall sogar was, was wirklich Sinn macht, nämlich sie zum Lesen bewegen und für Bildung bei Kindern sorgen und Leseförderung und Spaß an Büchern. So, und wenn diese ganzen Bausteine zusammenkommen, dann fokussiere ich mich darauf und manche Sachen müssen manchmal ruhen und wiederentdeckt werden. Und ich merke auch, dass Sachen zu erzwingen nützt überhaupt nichts.

01:03:00: Cally Stronk: Dann haben die vielleicht noch nicht ihre Zeit.

01:03:02: Dr. Franziska Walther: Ich finde, die Metapher der Quallenbewegung total toll. Ich finde es schwer das in Worte zu fassen, aber ich weiß total, was du meinst. Es braucht immer wieder diese zusammenziehende Bewegung, um es auch wieder zusammenzuhalten, damit man sich nicht total zerfranst und damit man auch mit irgendwas erkennbar und sichtbar bleibt. Nicht alles gleichzeitig macht. Das funktioniert halt leider nicht, aber gleichzeitig auch wieder die Erlaubnis, sich so ein bisschen auszudehnen.

01:03:27: Dr. Franziska Walther: Um auch wieder Raum zu schaffen für Dinge, damit die wachsen dürfen.

01:03:31: Cally Stronk: Das musst du auch, weil sonst hörst du auf, zuwachsen. Du musst dich ausprobieren können und das st eine Zone um den Kompetenzbereich. Wenn du zu weit raus gehst, funktioniert es nicht. Aber du musst dich herausfordern und man hat am Anfang so Geburtswehen und muss da durch und irgendwann bricht der Damm und es fließt und blubbert aus einem raus.

01:03:53: Dr. Franziska Walther: Ja, wie schön, wenn jetzt hier einige zuhören und sagen: Ich habe so Lust bekommen, jetzt auch als Illustrator*in oder als Mensch, die einfach gerne schreibt, mein Handwerk ausbauen. Ich würde einfach gern schreiben lernen. Wie können das Menschen denn bei dir machen? Das hast du schon mehrfach erwähnt, dass du so coachst und dass du auch Workshops anbietest.

01:04:14: Cally Stronk: Genau. Also ich mache Einzel-Coachings, aber ich mache auch einen Kinderbuch-Basis-Workshop. Das heißt, da vermittle ich alles, was mir wichtig ist an einem Projekt, also von: Wie baue ich Charaktere, Figuren, Ensembles, wie verbinde ich die miteinander, wo schaffe ich Konfliktpotenzial? Welche Probleme haben meine Figur, welche Hindernisse? Auch immer zu sortieren von von klein nach groß, um um den Effekt von bestimmten Dingen zu fühlen.

01:04:42: Cally Stronk: Da haben ganz viele Leute auch in meinen Schreibwerkstätten gesagt: Warum soll ich das machen? Ich verstehe das nicht. Und dann haben sie gesagt: Das war der größte Effekt. Oder mal zu gucken, welche Sätze habe ich oder welche Möglichkeiten, in der Illustration Gefühle auszudrücken. Man ist ja nicht nur fröhlich, sondern hat vielleicht auch gerade trotzdem Verlust erlitten.

01:05:01: Cally Stronk: Und das beides, wenn man das dann auch noch gleichzeitig sichtbar machen kann oder fühlbar machen kann. Genau. Und Dramaturgie und was weiß ich alles. Da steckt ganz, ganz viel drin. Ich glaube, im September haben wir den nächsten Kurs. Du weißt du, glaube ich ...

01:05:19: Dr. Franziska Walther: Ich weiß das und packe die Daten für deinen nächsten Kurs einfach mal unten in die Shownotes rein. Für alle, die sich interessieren. Aber du bietest das ja regelmäßig immer mal wieder an, das heißt, auch wenn das jetzt schon vorbei ist, dann kann man einfach mal locker flockig auf deine Seite gucken und sich einfach den nächsten Termin suchen.

01:05:33: Cally Stronk: Genau. Wir haben die Seite Fit for Verlage, aber bei Instagram, wenn man mir da folgt, da packe ich auch immer wieder das rein, was neu ist. Tourdaten. Workshops. Und klar, so ein Einzelcoaching macht Sinn, aber es gibt verschiedene Stellen, so was Sinn macht. Wenn man erst mal die Grundlagen gelernt hat, dann weiß man schon mal, was wichtig ist und dann kann man das schon mal in eine Form bringen, wo man dann vielleicht auch mal Feedback haben will, dass ein Profi drauf guckt.

01:06:04: Cally Stronk: Und wirklich. Mein Mann sagt immer, ich habe den Röntgenblick, ich sehe sofort, was mich in so einem Text oder bei Illustrationen stört, wo man noch was brauchen kann. Da machst du natürlich Mappen-Beratung. Das ist ja total sinnvoll, wenn man da vorher bei dir war. Aber ja, genau. Wenn man erzählen möchte und seine eigenen Geschichten erzählen möchte, dann macht es auch Sinn.

01:06:33: Dr. Franziska Walther: Ja. Das ist ja so eine seltsame Situation, wenn man professionell arbeitet in der Buchwelt, dass man die ganze Zeit so vor sich hin wurschtelt, auch die ganze Zeit pitcht man immer wieder auch mal so Angebote nach draußen, aber relativ selten Feedback bekommt. Und wenn Feedback, dann ganz oft nur eine freundliche Absage oder eine Zusage.

01:06:56: Dr. Franziska Walther: Aber es ist halt nicht so, dass man ein ausführliches Feedback bekommt, was ja eigentlich lebensnotwendig ist. Eigentlich brauchen wir das ja, um nicht die ganze Zeit selbstreferentiell vor sich hin zu wurschteln. So, es ist ja total sinnvoll, mal Feedback zu kriegen.

01:07:11: Cally Stronk: Total, total. Ich habe mal ein Jahr lang eine Illustratorin für die Bücher-Frauen begleitet und gecoacht und da kam das auch, dass sie dann gesagt hat: Du kannst total gut erklären, du solltest Lehrerin sein. Und dann hat sie es tatsächlich auch immer mehr vermehrt, dass Leute zu mir kamen und mich um Rat gefragt haben. Und ich habe irgendwann bei meiner Freundin gesagt: Ah, du, ich werde hier überrannt und hab ja gar nichts von.

01:07:38: Cally Stronk: Und es nervt mich. Dann hat sie gesagt: Ja, dann nimm doch Geld dafür. Gute Idee eigentlich. Und dann habe ich angefangen zu coachen. Und manche Sachen waren dann auch so weit, dass ich dachte, das ist so gut, man könnte es mal da und da hinschicken. Und dann kam der Patrick Königs und hat gesagt: Cally, ich habe jetzt auch hier ein Projekt und einen Verlag sogar.

01:07:56: Cally Stronk: Und kannst du meinem Vertrag verhandeln? Und das kam von so vielen Seiten gleichzeitig, dass diese Agentur eigentlich von alleine entstanden ist. Ich habe das nicht gewollt. Also aus dem Schreiben selber kam das Coaching und aus dem Coaching und den Bedarf von den Leuten kam die Agentur und jetzt habe ich sie am Haken. Aber es macht Spaß.

01:08:18: Dr. Franziska Walther: Sie kam aus einer Quallen-Bewegung.

01:08:25: Cally Stronk: Ja, genau.

01:08:26: Dr. Franziska Walther: Da schließt sich der Kreis. So schön, wie toll.

01:08:30: Cally Stronk: Ja, und vor allem ist es halt so schön, dass ich jetzt weiter begleiten kann bei ihrem Weg, bei ihrem Weg, sich zu entwickeln. Und ich sage auch immer, Du bist der Chef, du bist die Chefin, ich bin nur Beraterin und du musst deine eigenen Entscheidungen nachher treffen. Also ich gebe Feedback und es muss aber stimmig mit dem sein, was du willst.

01:08:49: Dr. Franziska Walther: Wie toll. Vielen Dank für diesen Einblick und dass du dein Wissen mit uns geteilt hast.

01:08:57: Cally Stronk: Danke für die Einladung. Franziska, war total schön bei dir.

01:09:03: Dr. Franziska Walther: Ja, das war das Interview mit Cally Stronk. Was hat das denn mit dir gemacht? Was nimmst du mit? Hast du jetzt richtig Lust bekommen, dein Handwerk auszubauen und deine Stimme mit so einer Quallen-Bewegung immer mehr zu finden? Und was braucht dazu bei dir gerade Raum zur Entfaltung? Und was braucht Fokus? Ich bin total neugierig, lass es mich gerne wissen.

01:09:24: Dr. Franziska Walther: Und hier noch die kleine Überraschung, die ich vorhin angekündigt habe. Cally gibt ja bald wieder einen Basis-Kurs, in dem du lernst, was du für den erfolgreichen Einstieg ins Kinderbuch, schreiben brauchst. Der findet am 26. und 27. September 2026 als Online,Format statt. Und für dich als Hörer*in meines Podcasts hat Cally extra einen Rabatt-Code zur Verfügung gestellt, mit dem du bis zum 10. September 2026 noch 10 % Rabatt beim Kauf des Basis-Kurses bekommst. Den Rabatt-Code und den Link zum Kurs findest du in den Shownotes.

01:09:59: Dr. Franziska Walther: Und das heißt, wenn du also jetzt mit dem Kinderbuchschreiben loslegen willst, dann lass dich doch von Cally dabei unterstützen. Und damit wünsche ich dir für heute alles liebe. Wir hören uns wieder nächste Woche. Ich freue mich auf dich. Bis dahin. Tschüss.

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