5-stelliges Honorar – und trotzdem Nein: So triffst du kluge Auftragsentscheidungen | REPLAY

Shownotes

Replay 109 / Eine Auftragsanfrage mit fünfstelligem Honorar im Postfach – für mich wie für viele andere kreative Selbstständige ein Traum. Doch ich hab trotzdem Nein gesagt. Warum? Weil ich weiß: Jedes Ja zu einem Auftrag ist ein Nein zu etwas anderem. In dieser REPLAY-Folge erfährst du, wie du Aufträge nicht nur nach dem Honorar, sondern auch nach ihrer Auswirkung auf deine Positionierung bewertest.

Du erfährst:

  • die 3 kritischen Phasen jeder Auftragsanfrage – von der ersten Kontaktaufnahme bis zur finalen Zusage (oder Absage),
  • wie du in Verhandlungen mehr herausholst – ohne deine Werte zu verlieren (inkl. Tipps zu Honorarwerken und Tarifverträgen),
  • die 2 Fragen, die über Ja oder Nein entscheiden: Wirtschaftlichkeit vs. langfristige Ausrichtung,
  • warum Neins oft wichtiger sind als Jas – und wie sie dir helfen, deine kreativen und finanziellen Ziele zu erreichen.

Alle Infos zur Folge #109 inklusive Links und einem kompletten Transkript findest du in den Shownotes.

0€-Ressource zur Episode Auftragsindex

Transkript anzeigen

00:00:00: Dr. Franziska Walther: Hey, das ist der Portfolio-Podcast mit einer Folge aus dem Archiv. Viel Spaß dabei. Auftrags-Anfragen mit fünfstelligen Honoraren sind ja bei Selbstständigen, die auf den traditionellen Design- und Illustrations-Märkten arbeiten, nicht jeden Tag im Postfach. Warum ich vor ein paar Tagen genau so einen Illustrations-Auftrag abgesagt habe, erfährst du heute hier. Du bekommst einen Einblick in die verschiedenen Phasen dieser Auftrags-Anfrage und ich teile mit dir meine Beweggründe für das Nein zum Auftrag.

00:00:35: Dr. Franziska Walther: Und am Ende der Episode bekommst du auch noch eine 0 € Ressource, die dich in Zukunft bei deinen eigenen Entscheidungen für oder gegen einen Auftrag unterstützt. Und in diesem Sinne: Herzlich Willkommen im Portfolio-Podcast. Hier erfährst du, wie du mit deiner kreativen Arbeit gut zu dir passende Aufträge akquirierst und wie du gleichzeitig dafür sorgst, dass dein Herz weiterhin für deine kreative Arbeit brennt.

00:01:05: Dr. Franziska Walther: Auch mit dem ganzen Brimbamborium, den der Berufsalltag einer kreativen Selbstständigkeit so mit sich bringt. Ich bin Dr. Franziska Walther. Und jetzt geht’s los. Heute geht es also um die Frage, warum ich vor kurzem einen Auftrag mit einem fünfstelligen Honorar abgesagt habe. Und ich beginne einfach mal ganz am Anfang meiner Geschichte. Ja? Also vor kurzem landete eine Auftrags-Anfrage in meinem Postfach.

00:01:32: Dr. Franziska Walther: Pling! Absender war ein wohlklingender Unternehmensname und gefunden hatten sie mich über einen Auftrag, den ich vor ein paar Jahren gemacht habe. Und nach etwas Email-Ping-Pong war schnell klar ja, wir sollten mal reden. Das Reden ist bei den meisten Auftragsanfragen erst einmal eine ziemlich gute Idee. Ein erstes Gespräch gibt dir einerseits die Möglichkeit, dein Gegenüber kennen zu lernen und oftmals kannst du im persönlichen Austausch auch schon einmal ganz diplomatisch und mit ein bisschen Fingerspitzengefühl erkunden, welches Budget in etwa eingeplant ist.

00:02:09: Dr. Franziska Walther: Das hilft dir, die wirtschaftlich unattraktiven Aufträge gleich am Anfang schnell und ruckzuck auszusortieren. Was du auch in einem ersten Kennenlernen-Gespräch machen kannst, ist ganz, ganz viele Fragen zu stellen. So ganz in Sherlock-Holmes-Manier. So lernst du dein Gegenüber besser kennen und findest gleichzeitig heraus, was du eigentlich ganz genau für diese potenziellen Kund*innen machen sollst.

00:02:34: Dr. Franziska Walther: Denn selbst wenn es ein Briefing gibt – und mal ganz ehrlich: das gibt es einfach mal nicht immer – aber selbst wenn es eins gibt, steht im Briefing manchmal einfach nur die Hälfte drin von dem, was eigentlich gebraucht wird. Oft gibt es in Aufträgen ganz offensichtliche Probleme, die gelöst werden möchten und die dementsprechend im Briefing drinstehen. Aber gar nicht mal so selten hängen an diesen noch weitere Probleme dran, die zwar zur Aufgabenstellung essenziell dazugehören, aber die von den Kund*innen noch nicht erkannt oder manchmal auch einfach nur nicht benannt wurden.

00:03:09: Dr. Franziska Walther: Auftraggeber*innen buchen Kreative ja, um sich Unterstützung ins Boot zu holen, in dem sie fachliche Expertise einkaufen. Diese fachliche Expertise bist du und deshalb hast du oftmals noch einmal einen deutlich differenzierteren Blick auf die Aufgabenstellung und kannst also besser einschätzen, was gebraucht wird und was nicht. So ein Vorgespräch schafft hier viel Klarheit und erlaubt dir gleichzeitig auch dein Gegenüber auch mal zu beschnuppern und ein bisschen auszutesten, wie es sich anfühlen würde, wenn ihr euch ab jetzt für die nächsten Wochen, Monate, und manchmal auch Jahre, regelmäßig seht.

00:03:48: Dr. Franziska Walther: Das heißt, hier geht es auch um die Frage: Passt das menschlich? Wenn das Gespräch für beide Seiten gut war, beginnt oft nahtlos Phase zwei der Auftrags-Anfrage: die Kalkulation. Je nachdem, auf welchem Markt du arbeitest, kann es sein, dass du gebeten wirst, einen Kostenvoranschlag abzugeben. Oder aber du bekommst gleich einen Honorar-Vorschlag. Hier eine wichtige Randnotiz: Lass dich nicht nötigen, sofort im Gespräch eine Zahl zu nennen.

00:04:17: Dr. Franziska Walther: Es ist total in Ordnung zu sagen, dass du dir alles noch einmal in Ruhe anschauen möchtest und zeitnah eine Kalkulation nachreichst. Wirft dein Gegenüber im Gespräch eine Zahl in den Raum, dann nimm die erst mal mit und erlaube dir, mit Ruhe und ohne Druck zu überlegen, was du für dieses Honorar anbieten kannst und möchtest. Nimm dir die Zeit dafür, die du dafür brauchst.

00:04:42: Dr. Franziska Walther: Es ist total normal, dass du das nicht einfach wie ein Kaninchen aus dem Zylinder zaubern kannst. Und es macht dich nicht weniger professionell, wenn du für deine Kalkulation ein oder zwei Tage Zeit brauchst. Ganz im Gegenteil. Hier geht es also auch um diese Frage: Passt es wirtschaftlich? Egal welche Variante in deiner Auftrags-Anfrage gerade stattfindet – eine Kostenkalkulation von dir oder ein Vorschlag von deinem Gegenüber –

00:05:09: Dr. Franziska Walther: in Phase zwei geht es auch darum zu verhandeln. Denn oftmals ist eine gewisse Bandbreite von Honorar möglich. Ich bin immer wieder überrascht, wie viel Luft da manchmal nach oben ist, wenn du gut verhandelst. Natürlich ist Kreativwirtschaft kein Casino. Wichtiger als ein Pokerface ist hier, dass du den Wert, den deine eigene kreative Arbeit hier in diesem konkreten Auftrag generiert, gut einschätzen kannst.

00:05:36: Dr. Franziska Walther: Dabei spielen verschiedene Faktoren mit rein. Einerseits geht es um die Frage, wie dringlich dein Gegenüber eine Lösung für das Problem braucht. Umso dringlicher die Lösung ist, desto besser wird der Auftrag üblicherweise bezahlt. Dann gibt es natürlich noch diese marktüblichen Honorar-Höhen und Konventionen, die je nach Design- oder Illustrationsmarkt wirklich sehr verschieden sein können. Ich sage das ja im Podcast immer wieder.

00:06:04: Dr. Franziska Walther: Kreative Arbeit ist einfach mal nicht überall das Gleiche wert. Wenn du dir hier Orientierung wünschst, dann nutze gerne Referenz-Werke wie zum Beispiel das Honorarwerk der IO oder den Vergütungs-Tarifvertrag der Allianz Deutscher Grafikdesigner. Oder noch einfacher: Frag wirtschaftlich erfolgreiche Kolleg*innen, die in diesem Bereich arbeiten. Die wissen meistens am besten, welche Honorare hier angemessen sind.

00:06:34: Dr. Franziska Walther: Und dann geht es um die Frage: Bist du die einzige kreative Person, die gerade angefragt wurde? Und mal ganz ehrlich: Mit Sicherheit nicht. Denn in die Honorar-Frage spielen natürlich auch noch andere Faktoren mit rein. Zum Beispiel das Verhältnis von Angebot zu Nachfrage. Auf Märkten, auf denen es viele Mitbewerber*innen gibt, die allesamt sehr ähnliche Dinge anbieten, ist es üblicherweise deutlich schwerer, gute Honorare zu verhandeln.

00:07:02: Dr. Franziska Walther: Umso spezifischer ein Angebot ist, desto weniger vergleichbare Angebote gibt es auf dem Markt und umso leichter wird es, bessere Honorare zu verhandeln. In meinem Fall war es so, dass noch mindestens drei oder vier andere Kolleg*innen angefragt wurden. Das war im Gespräch relativ gut raus hörbar. Und das ist grundsätzlich erst einmal total normal und sollte dich nicht stressen, wenn es bei deiner Auftrags-Anfrage auch so ist.

00:07:30: Dr. Franziska Walther: Aus Erfahrung weiß ich, dass hier bei einigen Kreativen schnell die Angst auf die Bühne tritt, dass, wenn mehrere Kolleg*innen angefragt wurden, die Auftragsvergabe hauptsächlich nach Preis entschieden wird. Ganz gemäß des Mottos »Das billigste Angebot bekommt den Zuschlag«. Natürlich gibt es immer wieder Fälle, in denen der Preis am Ende das Hauptkriterium ist und das günstigste Angebot den Zuschlag bekommt.

00:07:55: Dr. Franziska Walther: Aber – und das finde ich wirklich wichtig – das ist eben nicht ausschließlich und immer so! Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass Kund*innen sich am Ende für mich entschieden haben und das selbst, wenn meine Kalkulation teurer oder auch mal gerne die teuerste war. Auch hier hilft dir ein erstes Gespräch. Denn wenn das günstigste Angebot genommen werden muss (es gibt ja so bestimmte Vergabeverfahren, wo das einfach mal so sein muss), dann wird das von der Kund*innenseite im Gespräch relativ schnell angesprochen.

00:08:27: Dr. Franziska Walther: Zumindest meiner Erfahrung nach. Und wenn das dann so ist, dann weißt du, woran du bist. Und in so einem Fall kannst du dann überlegen, ob du das Zahlenspiel des günstigsten Angebots einfach mal mitspielen möchtest. Es gibt sicherlich Fälle, wo es gute Gründe dafür gibt und ich will das hier auch überhaupt nicht grundsätzlich verurteilen oder irgendwie bewerten. Allerdings glaube ich, dass die Niedrig-Preispolitik in den meisten Fällen für alle Beteiligten, also nicht nur für dich, sondern auch für deine Kund*innen, eine unangenehme Abwärtsspirale aufmacht.

00:09:00: Dr. Franziska Walther: Ich persönlich frage mich in solchen Momenten, ob diese ganz konkrete Geschäftsbeziehung, auf die ich hier gerade gucke, und die potenzielle gemeinsame Zukunft, die da dranhängt, ob all das es wert ist, mich auf dieses Niedrigpreis-Spiel einzulassen. Und in vielen Fällen ist für mich persönlich die Antwort Nein. Bei dem Auftrag, der da vor ein paar Tagen auf meinem Schreibtisch lag, stand das alles nicht zur Debatte.

00:09:26: Dr. Franziska Walther: Der Budgetrahmen war angemessen und es ging eher um Fragen, wie der Prozess eigentlich aufgebaut werden sollte und welche verschiedenen Auftrags-Phasen wie beziffert werden sollten, um ein optimales Ergebnis zu erreichen. All diese Dinge gilt es in diesem ersten Kennenlernen-Gespräch zu erforschen. Es geht also um so viel mehr als nur die reine Aufgaben-Besprechung und die Zahl, die am Ende in der Rechnung stehen wird.

00:09:53: Dr. Franziska Walther: Wie ist es denn bei dir? Vereinbarst du üblicherweise ein Telefonat oder eine Videokonferenz, wenn Auftrags-Anfragen bei dir in deinem E-Mail-Postfach landen? Und wenn du jetzt sagst »Nicht so oft«, dann probiere es doch mal aus beim nächsten Mal. Du hast einfach mal nichts zu verlieren, außer vielleicht eine halbe Stunde Zeit und du weißt danach in den meisten Fällen so viel mehr.

00:10:15: Dr. Franziska Walther: Du gewinnst also oftmals etwas dazu. Das heißt: Sogar, wenn der Auftrag nicht zustande kommt. Mit so einem Kennenlernen Gespräch kannst du eigentlich nur gewinnen. Und wenn es am Ende Erfahrung und Wissen ist. Ja, und nach diesem ersten Gespräch mit Phase eins und zwei kommt Phase drei: Der Moment der Wahrheit. Denn dann musst du dich entscheiden. Ja oder nein? Möchtest du diesen Auftrag übernehmen?

00:10:41: Dr. Franziska Walther: Möchtest du ein Angebot abgeben und dich darauf einlassen? Weil Angebot-Abgeben bedeutet ja, das alles durchzudenken und dich da wirklich darauf einzulassen und einen Vorschlag zu machen, wie du diese Aufgabe gut lösen wirst. Und nach welchen Kriterien entscheidest du, ob du das machen möchtest? Ja oder nein? Ich habe mich, wie gesagt vor ein paar Tagen dagegen entschieden. Und ja, ich trauere diesem tollen Auftrag immer noch so ein bisschen hinterher.

00:11:07: Dr. Franziska Walther: Denn es war eine spannende Aufgabe, die einerseits für mich inhaltlich herausfordernd und interessant gewesen wäre und gleichzeitig thematisch auch wirklich gut zu meinen eigenen Interessengebiete gepasst hat. Zudem war der Auftrag gut bezahlt. Denn ganz ehrlich: Auftrags-Anfragen mit fünfstelligen Honoraren landen auch in meinem E-Mail-Postfach einfach mal nicht alle Tage. Und die Kommunikation im Kennenlernen-Gespräch war total angenehm.

00:11:32: Dr. Franziska Walther: Das Gefühl hat gestimmt. Also zusammengefasst kann ich sagen: Eigentlich standen alle Lichter auf grün. Volle Fahrt voraus! Und ich habe trotzdem abgesagt. Warum? Es gab verschiedene Gründe. Der am wenigsten wichtige Grund war Grund Nummer eins. Es passte zwar inhaltlich, aber nicht stilistisch. Meiner Einschätzung nach ist mein Illustrationsstil nur suboptimal für diese Aufgabenstellung geeignet. Das habe ich genauso und ganz ehrlich im Gespräch gesagt.

00:12:04: Dr. Franziska Walther: Natürlich mit einer fachlichen Begründung. Interessanterweise habe ich mich danach in einem Gespräch wiedergefunden, in dem mich mein Gegenüber vom Prinzip überreden wollte, den Auftrag trotzdem zu übernehmen. Und das ist nicht das erste Mal, dass mir das passiert. Die meisten Menschen schätzen Ehrlichkeit, Integrität und Transparenz. Wenn du dir erlaubst, dein eigenes Angebot als die optimale Lösung für deine Kund*innen-Seite in Frage zu stellen, dann zeigt das, dass du die Bedarfe deiner Kund*innen hier gerade in den Mittelpunkt stellst, also für deine Kund*innen mitdenkt.

00:12:40: Dr. Franziska Walther: Gleichzeitig zeigt es auch, dass dein Selbstwert nicht an diesem Auftrag hängt wie an so einem seidenen Faden. Du bist gut so wie du bist, egal, ob du diesen Auftrag bekommst oder nicht. Und ich spreche das hier mal ganz ehrlich aus: Das macht dich attraktiv. Natürlich kann es passieren, dass du durch so eine ehrliche Einschätzung einen Auftrag auch mal verlierst.

00:13:02: Dr. Franziska Walther: Aber ich habe schon mehrfach die Erfahrung gemacht, dass Kund*innen bereit waren, ihre stilistischen Vorgaben anzupassen, weil sie gemerkt haben, dass ihnen eine partnerschaftliche Geschäftsbeziehung, in der sie wirklich mit ihren Bedarfen gesehen werden, wichtiger ist als eine formale Vorgabe. Oder aber sie kamen mit einer anderen Auftrags-Anfrage zurück zum paar Monate später, weil ihnen die positive Erfahrung im Gedächtnis geblieben war.

00:13:30: Dr. Franziska Walther: Lange Rede, kurzer Sinn: Ich glaube an Transparenz, Ehrlichkeit und Integrität. Und trotz alldem war für mich dieser Stil, der hier nicht ganz 100-prozentig passt, ein Grund abzusagen. Aber es war, wie gesagt, nicht der wichtigste Grund. Der viel wichtigere Grund, Grund Nummer zwei, war: Dieser Auftrag würde mich vom Weg abbringen. Und das, obwohl er gut zu mir passt. Jedes Ja zu einem Auftrag bestimmt deine nächsten Schritte und somit die Richtung, in die du weiter gehst.

00:14:02: Dr. Franziska Walther: Das von mir in meinem Buch »Die gute Mappe« entwickelte Modell der kreativen Seele mit ihren kreativen Identitäten erlaubt Kreativen ja verschiedene Expertise-Felder und -Stärken auf verschiedenen Märkten zu positionieren. Trotzdem bedeutet dieses Modell nicht, dass wir alles gleichzeitig haben können. Es erlaubt dir, mehrere wirtschaftliche Standbeine aufzubauen und damit klar und präzise wirksame Akquise zu machen, die von deinen verschiedenen Zielgruppen auch verstanden wird.

00:14:32: Dr. Franziska Walther: Du musst dich also nicht nur für diese eine einzige, »einzigsteq Nische entscheiden, sondern kannst einfach mehrere Sachen gleichzeitig machen. Und nicht alle Sachen, die du machst, müssen gleichwertig sichtbar sein für die Welt. Das Modell der kreativen Seele erlaubt dir das also, indem es dir ein Modell an die Hand gibt, mit dem du klar und maßgeschneidert kommunizierst. Das ist eine gute Sache.

00:14:55: Dr. Franziska Walther: Aber trotz all dem können wir nicht alles gleichzeitig haben. Kurze Randnotiz in eigener Sache. Wenn du jetzt merkst: Ja, das klang eben gerade total gut. Ich will wirksame Akquise machen, indem ich klar kommuniziere. Dann lade ich dich jetzt hier ganz kurz mal ganz, ganz herzlich in die Portfolio-Akademie ein. Die Portfolio-Akademie ist mein Programm für Designer*innen

00:15:16: Dr. Franziska Walther: und Illustrator*innen. Und darin machst du genau das: Du positioniert dich, und zwar nachhaltig, also sowohl künstlerisch wie auch wirtschaftlich. Denn am Ende geht es ja um beides. Darum, dass du mit deiner kreativen Arbeit gut Geld verdienst. Aber eben auch darum, mit deinen eigenen Interessen und Stärken etwas in der Welt zu bewirken, damit dein Herz weiterhin für die Sache brennt.

00:15:39: Dr. Franziska Walther: Und damit du dorthin kommst, wo du hinkommen möchtest. Eintragen kannst du dich ganz unverbindlich in die Warteliste unter www.diegutemappe.de/pa. P wie Portfolio und A wie Akademie. Okay. Randnotiz Ende. Weiter geht’s. Wie gesagt: Das Modell der kreativen Seele mit den verschiedenen kreativen Identitäten erlaubt dir also, die verschiedenen Standbeine aufzubauen und selbstbestimmt zu entscheiden, wo du mit was sichtbar wirst und welche Angebote du an welche Personen richtest.

00:16:10: Dr. Franziska Walther: Und wenn du nachhaltig positioniert bist, wirst du in immer mehr Situationen kommen, in denen du zu Dingen, die du eigentlich interessant findest, Nein sagen wirst. Denn du kannst nur mit vollem Herzen zu Dingen Ja sagen, wenn du dir auch erlaubst, auch konsequent Nein zu sagen. Damit bestimmte Türen aufgehen, müssen andere Türen geschlossen werden oder bestenfalls sich gar nicht erst öffnen.

00:16:36: Dr. Franziska Walther: Und ja, es gibt natürlich Phasen, in denen du mehr Ja sagen wirst. Gerade am Anfang, wenn du jetzt gerade losmaschierst deine kreative Selbstständigkeit und dich noch ausprobierst, ist es oftmals eine ziemlich gute Idee, lieber einmal zu viel Ja als zu wenig Ja zu sagen und dich einfach mal zu trauen, neue Dinge auszuprobieren. Aber irgendwann werden die Neins mehr. Und ich behaupte hier mal ganz selbstbewusst, dass die Neins sogar wichtiger werden als die Jas.

00:17:07: Dr. Franziska Walther: Einfach, weil du mehr Neins aussprechen wirst – weil du mehr Angebote bekommst, als du annehmen kannst. Deshalb lass uns noch einmal einen Blick darauf werfen, wie du deine Entscheidungen zu oder gegen einen Auftrag triffst. Ich frage mich bei Auftrags-Anfragen üblicherweise zwei Fragen. Frage Nummer eins: Wie wirtschaftlich interessant ist der Auftrag? Schafft er mir finanzielle Freiräume und schafft er mir vielleicht auch zeitliche Freiräume, weil ich es mir auf einmal leisten kann, meine Zeit in bestimmte Projekte zu investieren?

00:17:39: Dr. Franziska Walther: Um das herauszufinden, werfe ich einen Blick auf das Verhältnis von Zeit zu Geld. Wie viel ist eine Stunde meiner Arbeitszeit in diesem Auftrag wert? Bei kleineren Aufträgen lässt sich das schnell überschlagen und dann braucht es nur noch die Disziplin, wirklich auch nur so viel Zeit im Auftrag aufzuwenden. Und BÄM, schon ist der Auftrag wirtschaftlich. Aber gerade bei größeren und langfristig angelegten Projekten habe ich persönlich die Erfahrung gemacht, dass es schwierig sein kann, die Wirtschaftlichkeit einzuschätzen.

00:18:11: Dr. Franziska Walther: Denn diese Projekte kommen oft und angemessenerweise mit größeren Honoraren und größeren Zeitspannen daher. Aber diese großen Zahlen sind manchmal mit Vorsicht zu genießen, denn sie sehen schnell mal besser aus, als sie in Wirklichkeit sind. Hier mal ein Beispiel: Sagen wir mal, du bekommst 30.000 € für ein Projekt angeboten, das die nächsten zwei Jahre 50 % deiner in Rechnung stellenbaren Stunden bindet.

00:18:38: Dr. Franziska Walther: Das schafft für dich zwar wirtschaftliche Planbarkeit über zwei Jahre. Das ist ein Pluspunkt. Aber dieser Auftrag bindet eben auch gleichzeitig 50 % deiner Zeit und das für 15.000 € pro Jahr. Also ein bisschen mehr als 1.000 € pro Monat. Je nachdem, wie hoch dein geplanter Jahresumsatz ist, kann diese 2-jährige Verpflichtung tendenziell sehr schnell eher eine Bremse werden als ein Trampolin oder eine Rakete, die dich dorthin bringt, wo du hin möchtest.

00:19:07: Dr. Franziska Walther: Verstehst du, worauf ich hinauswill? Egal wie groß oder klein deine Auftrags-Anfrage ist, am Ende sollte der Wert, den eine Stunde deiner Zeit hat, möglichst hoch sein. Es gibt so eine magische Grenze für die Wirtschaftlichkeit. Mit einem durchschnittlichen Stundensatz unter 70 € – enn du da drunter bleibst, ist es einfach mal langfristig nicht möglich ein Unternehmen nachhaltig zu führen. Dein durchschnittlicher Stundensatz sollte darüber liegen, gerne auch mal deutlich darüber.

00:19:37: Dr. Franziska Walther: In meiner Auftragsanfrage war das so, dass der durchschnittliche Stundensatz gut und angemessen war. Grünes Licht also. Wäre da nicht noch Frage zwei: Bringt dich dieser Auftrag auf deinem Weg weiter? Bei mir war es so, dass ich mit einem ehrlichen Blick in meinen Kalender mir eingestehen musste, dass meine Zeit limitiert ist. Ich kann nicht alles gleichzeitig machen, denn ich habe einfach mal nicht genug Zeit für alles.

00:20:03: Dr. Franziska Walther: Wenn ich zu diesem Auftrag Ja sage, muss ich zwangsläufig zu etwas anderem Nein sagen. Und das war für mich am Ende das entscheidende Kriterium, warum ich mich gegen diesen Auftrag entschieden habe. Und weil das gar nicht so einfach ist, hier gute Entscheidungen zu treffen – weil da ja einfach mal eine Menge mit reinspielt. Haben wir ja gerade gehört – aus dem Grund habe ich ein Formular entwickelt oder ein Workbook, je nachdem, wie man es nennt, das dich bei diesen Entscheidungen unterstützt.

00:20:32: Dr. Franziska Walther: Und diese freie Ressource ist der AuftragsIndex. Ich bin wirklich davon überzeugt, dass deine Auftrags-Entscheidungen essenziell mitbestimmen, ob du deine großen Ziele mittel- und langfristig erreichst. Und deshalb gibt es den AuftragsIndex, der dich beim Abwägen von Auftragsanfragen unterstützt. Der AuftragsIndex ermöglicht dir, einen differenzierten Blick auf deine Auftragsanfragen zu werfen und zu hinterfragen, ob und wie der potenzielle Auftrag dich auf deinem Weg weiterbringt.

00:21:05: Dr. Franziska Walther: Den AuftragsIndex bekommst du für 0 € auf der Seite www.diegutemappe.de/Index. Und PS an meine PALies, also die Kreativen, die sich in der Portfolio-Akademie nachhaltig positionieren. Ihr findet im Modul Nummer 13 eine erweiterte Version des AuftragsIndex, den AuftragsIndex Pro, der noch so ein paar Sachen mehr kann. So, jetzt sind wir durch.

00:21:31: Dr. Franziska Walther: Das war meine Geschichte zu meiner Auftrags-Anfrage und warum ich mich für dieses konsequente Nein entschieden habe. Trotz dieses großartigen Honorars und selbst wenn ich so ein bisschen traurig bin, das gehen lassen zu müssen. Deshalb jetzt mal die Frage an dich: Hast du dich schon einmal gegen einen tollen Auftrag entschieden, weil du dein langfristiges Ziel vor Augen hattest?

00:21:52: Dr. Franziska Walther: Wenn ja, dann feiere dich dafür. Konfetti für dich. Ganz viel. Und vielleicht auch die Frage: Gibt es noch andere Kriterien, die du in deine Entscheidungen üblicherweise einfließen lässt? Für oder gegen einen Auftrag? Diskutiere gern mit auf Instagram oder auf LinkedIn und damit wünsche ich dir für heute alles Liebe. Ich bin gespannt, ob du die Impulse, die ich hier heute reingeworfen habe, hilfreich findest und ob sie dich unterstützen, vielleicht auch andere Entscheidungen für dich zu treffen.

00:22:22: Dr. Franziska Walther: Nachhaltigere Entscheidungen! Wenn ja, lass es mich gern wissen. Und egal wie. Wir hören uns wieder nächste Woche. Ich freue mich auf dich. Bis dahin. Tschüss.

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