Wie findest du eine passende Repräsentanz für deine Illustration *mit Maria Bogade | REPLAY

Shownotes

RP 117 / Honorare verhandeln und Akquise betreiben – für viele Kreative gehören diese Aufgaben zu den unangenehmsten Seiten des Berufs. Dabei könnten sie so viel einfacher sein: mit einer Repräsentanz an deiner Seite. Doch wie findest du die richtige Agentur? Und was musst du tun, um überhaupt vertreten zu werden? In dieser Folge verrät dir Maria Bogade, Agentin und Inhaberin von Wundergarden, wie du dein Portfolio so optimierst, dass es Verlage begeistert. Sie zeigt dir, welche typischen Fehler du bei Vertragsverhandlungen vermeiden kannst und wie du dich erfolgreich bei Agenturen bewirbst – ohne in die Standard-Fallen zu tappen.

In dieser Folge erfährst du:

  • Wie du dein Portfolio so aufbaust, dass es für Verlage unwiderstehlich wird
  • Welche No-Gos du bei Bewerbungen an Agenturen vermeidest (Spoiler: Copy-Paste-E-Mails sind ein absolutes Tabu!)
  • Warum du nie einfach nur »Ja« zu einem Honorar oder Vertrag sagen solltest – und wie du stattdessen verhandelst
  • Wie der internationale Illustrations-Markt (USA, UK vs. Deutschland) tickt – und was das für deinen Stil bedeutet

Für wen ist diese Folge? IllustratorInnen, DesignerInnen und kreative Selbstständige, die mehr Aufträge und weniger Stress bei Verträgen und Honoraren wollen – und die bereit sind, ehrliches Feedback anzunehmen (auch wenn es manchmal wehtut).

Ressource zum Mitnehmen: Lade dir die kostenlose Portfolio-Checkliste mit 7 typischen Fehlern und Lösungen herunter: www.diegutemappe.de/Checkliste



Alle Infos zur Folge #117 inklusive Links und einem kompletten Transkript findest du in den Shownotes.


Im Portfolio-Podcast erfährst du, wie du mit deiner kreativen Arbeit gut zu dir passende Aufträge akquirierst, und wie du dafür sorgst, dass dein Herz weiterhin für deine kreative Arbeit brennt – auch mit dem ganzen Brimbamborium, den der Berufsalltag von selbstständigen Designer:innen und Illustrator:innen so mit sich bringt.

Dr. Franziska Walther ist selbst Designerin, Illustratorin und Autorin – und Expertin für Positionierung und Akquise in der Kreativwirtschaft. Sie unterstützt seit über 15 Jahren Menschen dabei, sich in der Kreativwirtschaft nachhaltig zu positionieren und wirksame Akquise zu machen.


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*Disclaimer: Der Podcast will und kann eine rechtssichere, psychotherapeutische oder medizinische Beratung nicht ersetzen. Die hier geteilten Inhalte basieren auf meinen persönlichen Erfahrungen und sind konkrete Einzelfall-Beschreibungen. Deshalb hafte ich nicht für die hier geäußerten Inhalte. Die zur Verfügung gestellten Informationen begründen auch kein Beratungsverhältnis. Bitte triff deine Entscheidungen für dich selbst und hole dir im Zweifelsfall rechtliche oder andersweitige Unterstützung. Die gesammelten Informationen spiegeln den Stand des Veröffentlichungsdatums wider.

Transkript anzeigen

00:00:00: Dr. Franziska Walther: Hey, das ist der Portfolio-Podcast mit einer Folge aus dem Archiv. Viel Spaß dabei. Sag mal, mach dir Honorare und Verträge verhandeln Spaß und ist Akquise eine deiner Lieblings-Beschäftigungen? Wahrscheinlich nicht. Die Wahrscheinlichkeit ist recht groß, dass du gerade nein gesagt hast. Denn auch wenn Vertrags- und Honorarverhandlungen und das Akquirieren neuer Aufträge zum kreativen Beruf dazugehören wie Deckel zu Töpfen, würden viele Kreative gerne diese Aufgaben delegieren. Und die gute Nachricht ist: Das geht.

00:00:39: Dr. Franziska Walther: Wenn du eine Agentur hast, die dich vertritt, dann übernimmt diese viele unangenehme Aufgaben für dich und akquiriert auch noch neue Aufträge. Und deshalb wünschen sich viele Kreative eine Repräsentanz. Welche Schritte notwendig sind, um von einer Repräsentanz vertreten zu werden und wie du eine zu dir passende Agentur findest, das erzählt dir meine heutige Interview-Gästin Maria Pogade. Maria ist Agentin und Inhaberin der Repräsentanz.

00:01:11: Dr. Franziska Walther: Wundergarden. Aber gleichzeitig ist Maria auch Illustratorin und Autorin und damit hat sie eine ganz besondere Doppel-Kompetenz. Sie kennt sich sozusagen in beiden Welten aus. Sie weiß, wie es sich anfühlt, als Illustratorin auf Buchmessen zu fahren. Und sie weiß auch, wie Verlage ticken. Und dieses Insiderwissen teilt sie heute mit dir. Am Ende dieser Podcast-Episode weißt du, wie du dein Portfolio optimiert, damit es für Verlage interessanter wird.

00:01:43: Dr. Franziska Walther: Du weißt dann auch, welche typischen Fehler du beim Verträge verhandeln leicht vermeiden kannst und welche No-Gos du mit wenig Aufwand umschiffen kannst, wenn du dich bei Repräsentanzen vorstellst und bewirbst. Hier noch eine Randnotiz: Wenn du beim Zuhören Lust bekommst, dein Portfolio zu Maria zu schicken, dein Portfolio aber vorher noch so ein bisschen pimpen und optimieren möchtest, dann lade dir gerne noch die Portfolio-Checkliste herunter.

00:02:11: Dr. Franziska Walther: In der habe ich für dich sieben typische Portfolio-Fehler aufgelistet, zusammen mit sieben Lösungen, wie du diese Fehler vermeidest. Die Checkliste bekommst du unter www.diegutemappe.de/Checkliste. Und jetzt lass uns mal keine Zeit verlieren und loslegen. Aber für den Fall, dass du hier bist: Herzlich willkommen im Portfolio-Podcast. Hier erfährst du, wie du mit deiner kreativen Arbeit mehr Aufträge akquirierst.

00:02:41: Dr. Franziska Walther: Aber eben auch, wie du dafür sorgt, dass dein Herz weiterhin für deine kreative Arbeit brennt. Auch mit dem ganzen Brimbamborium, den der Berufsalltag einer Selbstständigkeit im kreativen Bereich so mit sich bringt. Ich bin Dr. Franziska Walther. Ich bin selbst Illustratorin, Designerin, Autorin und Expertin für Positionierung und Akquise in der Kreativwirtschaft. Und ich unterstütze seit über zehn Jahren Menschen dabei, sich nachhaltig zu positionieren und wirksame Akquise zu machen.

00:03:12: Dr. Franziska Walther: Ja, damit weißt du, wo du hier bist und wer ich bin. Und damit wünsche ich dir ganz viel Spaß mit dem Interview mit der ganz großartigen Illustrationsagentin, Illustration und Autorin Maria Bogade. Let's go. Hi Maria, wie schön, dass du heute im Portfolio-Podcast zu Gast ist. Herzlich willkommen!

00:03:38: Maria Bogade: Danke! Ich freue mich auch total, hier zu sein. Das ist sehr schön, dass wir uns mal unterhalten und quasi online treffen. Find ich super.

00:03:48: Dr. Franziska Walther: Ja, ich auch. Kannst du dich bitte kurz vorstellen? Für alle die, die dich noch nicht kennen.

00:03:53: Maria Bogade: Ich bin Maria. Ich bin die Agentin der Agentur Wundergarden. Ich bin selbst Illustratorin, Autorin und habe einen Animations-Hintergrund. Aber das liegt natürlich schon lange brach.

00:04:04: Dr. Franziska Walther: Du bist Agentin und Illustratorin. Wie bist du denn Agentin geworden? Wie ist das denn zustande gekommen?

00:04:11: Maria Bogade: Das ist eine lustige Geschichte. Tatsächlich. Also, ich habe eine Freundin und die ist eigentlich Auslöser dafür gewesen, weil als ich noch ganz neu in der Illustration war, hatte ich ja schon Erfahrungen mit Verträgen aus meiner Selbstständigkeit als 3D-Artist. Und eine Freundin hat immer nicht verhandelt und es hat mich immer tierisch aufgeregt. Und irgendwann habe ich dann gesagt, lass mich das mal machen und habe daraufhin angefangen, eine Agentur zu gründen, Habe erst mal Illustratoren angefragt, dich so kannte, ob die dabei wären, wenn ich das starte, ob sie mir da vertrauen wollen.

00:04:46: Maria Bogade: Und dann haben wir diesen Agentur-Vertrag aufgesetzt und es ist eine Symbiose entstanden und so war das. Das ist jetzt zehn Jahre her.

00:04:54: Dr. Franziska Walther: Okay. Und was schätzt du am Agentin sein?

00:04:57: Maria Bogade: Also das was mir am Herzen liegt, ist für meine Illustratoren einzustehen. Und ich bin manchmal ein bisschen wie Bodyguard, aber was ich auch total bereichernd finde und das, was mich am meisten antreibt, ist eben, Träume zu verwirklichen. Also mit denen auch in Portfolios zu arbeiten. Das Spannendste ist tatsächlich immer, wenn man eine Reise gemeinsam beginnt, also wenn man einen neuen kreativen Menschen hat, der auch noch nicht so etabliert ist und mit dem dann das Portfolio aufzumöbeln und da richtig dran zu ackern.

00:05:30: Maria Bogade: Und ich bin da auch ehrlich. Ich sage immer, es wird richtig wehtun, aber ohne das wird es meistens nichts. Und deswegen habe ich wirklich auch konsequent angewandt, dass ich mit den Leuten am Portfolio arbeite, bevor wir quasi uns auf dem Markt schmeißen gemeinsam und dann da gucken, wo die Reise hingeht.

00:05:53: Dr. Franziska Walther: Ich habe hier ganz viele andere Fragen auf meiner Vorbereitungs-Liste, aber weil es ja gerade schon angesprochen hast, würde ich dich jetzt einfach total gern fragen: Worauf achtest du denn, wenn du mit dieser Portfolio-Arbeit mit deiner Illustrator*innen beginnst? Du hast auch gesagt, das wird wehtun. Was sind so die Sachen, die ihr da macht?

00:06:12: Maria Bogade: Also das ist ja ganz unterschiedlich. Das hängt immer davon ab, womit derjenige zu mir kommt. Also ich muss natürlich Potenzial sehen und dann testet man das gemeinsam aus. Also das pauschal zu sagen, ist schwer. Also es gibt unterschiedliche Beispiele. Ich habe zum Beispiel eine Illustratorin, da war das ganz wenig. Das waren nur die Gesichter und wie sie Hände und Füße gezeichnet hat.

00:06:36: Maria Bogade: Und die kam zu mir und hat gesagt, sie ist eigentlich am Aufgeben. Also ihr letzter Versuch auf Messen. Und vorher hat alles nicht geklappt. Und dann habe ich das gesehen und gedacht: Das ist leicht zu lösen und dann haben wir das zusammen gelöst. Und dann lief es. Und eine andere Illustratorin, da war das deutlich mehr.

00:06:58: Maria Bogade: Also ganz häufig, glaube ich sogar, ist, dass Figuren zu steif sind. Dass man an der Beweglichkeit und ich nenne es mal die Aktionen arbeitet. Dann eben bildhaft, wie man Komposition aufbaut. Also es ist ganz unterschiedlich, wie viel da nötig ist. Ich verbiege denjenigen auch nicht gänzlich, sondern es geht eigentlich darum, das Potenzial zu entfalten und das Maximum herauszukitzeln.

00:07:23: Maria Bogade: Und je nach Stil ist das eben auch unterschiedlich.

00:07:27: Dr. Franziska Walther: Ja, ich finde das total spannend, was du da sagst, weil das sind definitiv zwei Sachen, die du angesprochen hast, waren auch Hürden bei mir. Also meine Figuren waren auch sehr lange sehr steif und interessanterweise, ich habe dann irgendwann mit Ballett angefangen und mich selbst ständig im Spiegel zu sehen, hat das geholfen. Meine Figuren wurden dadurch beweglicher.

00:07:48: Dr. Franziska Walther: Das fand ich total interessant. Und das mit den Gesichtern ist ja auch so. Ich glaube, es ist schon sehr Kinderbuch-spezifisch, oder? Weil mir wurde auch immer zurückgespiegelt am Anfang, dass meine Gesichter einfach nicht schön genug waren.

00:08:02: Maria Bogade: Echt? Nicht schön genug? Wurde da wirklich schön genug gesagt? Da ging es bestimmt um das Niedliche.

00:08:09: Dr. Franziska Walther: Also ich überlege gerade, was der wirkliche Wortlaut war. Also ich hatte einmal eine Lektorin, die hat zu mir gesagt: Deine Figuren sind seelenlos. Da hat mein Herz echt so zerbrochen. Pling!

00:08:18: Dr. Franziska Walther: Es ist zerbrochen in dem Moment. Das fand ich echt hart, Aber ich glaube, meistens haben sie mir gesagt, die Figuren sehen zu alt aus. Ich glaube, das war der Wortlaut. Weil ich immer so Falten an den Augen zeichne. Und dadurch wirken die ja auch älter und weniger niedlich. Aber du hast recht, es war sehr leicht zu lösen. Ich habe dann bei den Kinder-Sachen die Falte einfach deutlich kleiner gezeichnet und auf einmal war es kein Problem mehr.

00:08:44: Maria Bogade: Ja, wenn man halt selber davor sitzt und auch die Erfahrung nicht hat, dann sieht man das nicht. Und ich finde auch: Feedback zu verstehen ist ja nicht so einfach am Anfang. Ich betreue meine Illustratoren auch gerade, wenn die zum ersten Mal einen Auftrag haben. Dann sehe ich die Skizzen vor den Kunden und geh mit denen da drüber. Und das gleiche passiert mit den finalen Illustrationen und dann auch, wenn das Feedback zurückkommt und das nicht klar ist oder man einfach nicht ganz genau versteht, was da gemeint ist. Dann erkläre ich das und dann sage ich: Guck mal, das hat sie eher so oder so gemeint.

00:09:20: Maria Bogade: Das ist, glaube ich, ganz wichtig und auch schön für die Kreativen und jeder braucht etwas unterschiedliches. Also für manche mache ich mehr. Manche brauchen mich weniger, sage ich mal. Und grundsätzlich bin ich aber da, also auch so ein bisschen der Feuerwehrmann und die Hilfestellung dazwischen. So muss das sein.

00:09:39: Dr. Franziska Walther: Wie schön. Das klingt so, als ob du wie so eine Übersetzerin bist. Und ich glaube ja, das ist gerade, wenn man wenig Erfahrung hat, total hilfreich. Wenn einem jemand noch mal sagt: So hat die Person das gemeint.

00:09:51: Maria Bogade: Auf jeden Fall. Und ich meine, da spielen ja auch viele Unsicherheiten rein am Anfang. Man ist aufgeregt. Das ist das erste Projekt und es macht einen völlig nervös und fragt sich vielleicht die ganze Zeit: ist man gut genug? Und dann ist es schön, wenn man da dabei sein und unterstützen kann und reden kann.

00:10:14: Dr. Franziska Walther: Was ich bei dir das raushöre, ist, dass du ein sehr, sehr gutes Verständnis hast für die Aufgabe und auch sehr viel Erfahrung hast, wie diese Abläufe so ablaufen. Wie hast du denn diese Erfahrung aufgebaut? Bist du auch früher durch Tränen-Täler durchgelaufen oder hattest du von Anfang an einfach so ein Durchblick? Hast du dir sozusagen deine Erfahrung erarbeitet mit ganz vielen Beulen?

00:10:36: Maria Bogade: Auf jeden Fall. Also anders geht es, glaube ich, auch gar nicht. Also als ich anfing, als Illustratorin, das ist jetzt, ich glaube, 15 Jahre her, da bin ich auch auf die Buchmesse und ich war total nervös. Und ich war damals noch in einem 3D-Studio, für die ich gearbeitet habe. Die haben einen Autoren gehabt und mit dem bin ich hingefahren und der hat mich dann immer zu den Ständen mitgenommen und ich habe am Anfang nur Absagen gekriegt. Aber witzigerweise nur auf dem deutschen Markt.

00:11:01: Maria Bogade: Und dann fing das aber an in den USA und in Großbritannien zu funktionieren. Und erst später war ich dann auch irgendwie für deutsche Verlage interessant. Und das hat natürlich wehgetan. Und die anderen Sachen, muss ich sagen, also zum Beispiel Verträge und so, das kannte ich alles schon. Zudem hatte ich in meinem Studium zwei Semester Medienrecht und das war, glaube ich, echt gut, weil man dann einfach ein ganz anderes Verständnis dafür hat.

00:11:26: Maria Bogade: Auch dieses zum Teil kryptischen Sprache verstehen zu können. Und von daher: Ja, Fehler sind die besten Lehrer. Wenn immer nur alles glatt läuft, entwickelst du dich nicht. Aber wenn du dann mal, so schmerzhaft das ist, irgendwo auch anstößt, hin fällst und dich wirklich wieder neu aufrichten musst. Auch wenn das diese Situationen sind, die wir vielleicht nicht so mögen.

00:11:57: Maria Bogade: Am Ende sind es die, die uns weiterbringen. Also definitiv. Und ja, das tut weh.

00:12:03: Dr. Franziska Walther: Du hast ja eben auch gesagt: Auch wenn du mit Kreativen am Portfolio arbeitest, dann tut es auch mal weh. Aber ich kann mir vorstellen, dass das ja noch mal eine andere Art und Weise ist, oder? Weil das ist ja ein sicherer Raum, wenn.

00:12:14: Maria Bogade: Du da drauf schaust, als wenn ein Verlag da draufschaut.

00:12:19: Maria Bogade: Ja, aber es tut trotzdem weh. Also deswegen sage ich das auch. Also ich glaube, ich bin da sehr genau. Ich glaube manchmal – genauer als viele Lektoren. Aber ich will halt, dass die wachsen. Ich sag das natürlich lieb und so und mit Fingerspitzengefühl. Und die meisten sind dann doch auch unglaublich happy damit und hätten nie gedacht, dass sie das können.

00:12:45: Maria Bogade: Und das finde ich halt total schön. Aber ja, es ist ein schmerzhafter Prozess und anstrengend ist es auch. Also gerade weil das oft dann auf Messen zugeht und und man dann weiß, okay, die Portfolios müssen jetzt dann und dann fertig sein, sonst schaffen wir das nicht mehr. Und es muss halt ein gewisser Rahmen da sein, damit man jemanden in den Markt einführen kann, sonst verpufft es.

00:13:09: Maria Bogade: Und das ist auch nicht gut. Also das ist schon harte Arbeit.

00:13:14: Dr. Franziska Walther: Mit wem möchtest du denn als Agentin zusammenarbeiten? Worauf achtest du, wenn du neue Menschen kennenlernst und entscheidest? Ja, hier passt das und hier passt das nicht.

00:13:25: Maria Bogade: Als erstes sehe ich natürlich den Stil. Ich gucke mir das an, was die mir schicken und dann, je nachdem, ob das mein Interesse weckt, gucke ich noch weiter, was ich so finde. Durch Social Media sehe ich ja, wie sie sich weiterentwickelt haben. Da sehe ich, ob überhaupt eine Entwicklung stattgefunden hat oder ob das immer das Gleiche ist. Das ist auch wichtig.

00:13:47: Maria Bogade: Und wenn ich da Potenzial sehe, dann unterhält man sich und dann guckt halt, ob’s menschlich passt, weil das wahnsinnig wichtig für mich ist. Ich mache diese Arbeit gerne und ich finde, man arbeitet sehr eng zusammen und es ist auch ein Vertrauensverhältnis. Und da muss es einfach passen. Und wenn es menschlich nicht passt, dann hat es keinen Sinn.

00:14:07: Maria Bogade: Dann sind beide, glaube ich, am Ende nicht glücklich.

00:14:11: Dr. Franziska Walther: Ja, das ist ja bei allen Sachen so, ich finde, das ist ja bei Verlagen genauso, bei Lektor*innen. Da muss es ja irgendwie auch menschlich passen, weil man mit denen tagtäglich Austausch hat. Bei meinen Design-Kund*innen ist das auch so. Wenn ich die nicht mag, dann ist das keine gute Grundvoraussetzung.

00:14:33: Dr. Franziska Walther: Was gehört denn so zu der Zusammenarbeit einer Illustrations-Agentur mit Kreativen dazu? Also welche Aufgaben übernimmst du denn in der Zusammenarbeit mit Illustrator*innen?

00:14:43: Maria Bogade: Also vorneweg die Portfolio-Arbeit. Aber auch Akquise. Dann Verträge und Honorare verhandeln. Dann mache ich auch für alle einen Zeitplan. Ich weiß also ganz genau, wann wer wie gebucht ist. Das heißt, die Verlage können mich fragen, wer wann da überhaupt Zeit hat. Und da kann ich sagen: Ja, nein, vielleicht. Später dann. Und dann guckt man von da aus weiter.

00:15:08: Maria Bogade: Genau.

00:15:09: Dr. Franziska Walther: Du verhandelst auch die Honorare? Und die Verträge?

00:15:13: Maria Bogade: Ja.

00:15:14: Dr. Franziska Walther: Das ist ja was, was ganz viele Illustrator*innen überhaupt nicht gerne machen.

00:15:18: Maria Bogade: Was ja auch der Auslöser für die Agentur ursprünglich war.

00:15:23: Dr. Franziska Walther: Ja, genau. Was sind denn so typische Fehler, die du siehst? Fehler, die Illustrator*innen machen und die du anders machst?

00:15:30: Maria Bogade: Der größte Fehler ist, glaube ich, immer, dass das Honorar einfach genommen wird, wie es auf den Tisch kommt. Als Agentin habe ich schon Angebote gekriegt. Da habe ich gedacht: Soll ich da jetzt noch drauf antworten? Und was soll das bitte? Und die Argumentationen sind dann auch manchmal etwas hanebüchen. Und dann bespreche ich das natürlich mit dem jeweiligen Künstler oder der Künstlerin.

00:15:53: Maria Bogade: Und das Schönste ist dann immer, wenn sie dann sagen: Im Notfall sagen wir einfach komplett ab. Spätestens dann bewegen sich die Leute. Aber normalerweise kann ich auch einfach sagen: Sorry, so nicht. Das ist, glaube ich, einer der allergrößten Fehler: Zu früh Ja sagen. Und dass zu viel umsonst gemacht wird. Zum Beispiel Probearbeiten für lau. Und meistens ist man ja nicht der einzige, der daran arbeitet, dann kriegt man noch nicht mal den Auftrag und so. Das geht natürlich nicht.

00:16:20: Maria Bogade: Und in den Verträgen: Da werden ganz mannigfaltig zu viele Rechte abgeben oder es gibt zu wenig Mitspracherecht in Hinblick auf Bearbeitung, Rechte und Auswertungen. Also wenn ich dann jemanden übernehme, der zum Beispiel auch schon mal einen Vertrag hatte, wo es ein Folgeprojekt gibt. Und dann kriege ich den Vertrag quasi auf Basis des Vorgängers und hängt dann habe ich immer so ein bisschen Bauchweh.

00:16:58: Maria Bogade: Also ja, die lesen das glaube ich nicht. Es wird einfach unterschrieben und man denkt halt, das ist so’n Standard-Vertrag. So wird es einem ja auch zugeschickt. Als ob das ganz branchenüblich ist. Aber ja, auch da ist natürlich Flexibilität gefragt, weil man ist ja ein Vertragspartner. Also man sollte sich ja auf Augenhöhe begegnen und nicht, dass der eine diktiert, wie der Vertrag auszusehen hat und der andere kein Mitspracherecht hat. Genau.

00:17:25: Maria Bogade: Aber das variiert auch von den Verlagen. Also manche Verlage, da muss man nicht viel korrigieren. Bei manchen muss man auch mal richtig streiten. Ist alles schon dagewesen. Dass man dann mit der Rechtsabteilung telefoniert und sich streitet. Ja, ja.

00:17:44: Dr. Franziska Walther: Mir hat mal eine meiner Lektor*innen zurückgespiegelt, dass ich im Verlag bekannt bin, als die harte Vertragsverhandlerin, wo ich aber so dachte: Ich habe doch gar nichts gemacht. Ich habe einfach nur so ein paar Änderungen reingeschrieben und nicht sofort unterschrieben. Also ich sehe nicht, dass ich da irgendwie sonderlich kompliziert war. Aber ja, genau, es wird einem ja auch ganz oft so vermittelt.

00:18:07: Dr. Franziska Walther: Das ist unser Standard-Vertrag, den unterschreiben alle. Bitte unterschreibe ihn einfach.

00:18:12: Maria Bogade: Aber so ist es halt nicht.

00:18:14: Dr. Franziska Walther: So ist halt nicht. Diese Verlage.

00:18:16: Maria Bogade: Man muss das ja ganz sachlich sehen. Also die sind ein Unternehmen und die haben ein Eigeninteresse. Das ist völlig legitim und man muss nur verstehen, dass man halt als Einzelunternehmer nichts anderes ist. Als Illustrator*in muss man seine eigenen Interessen vertreten und dafür einstehen. Und das ist ganz wichtig. Und ich glaube, dieser unternehmerische Gedanke, der fehlt ganz vielen Illustrator*innen, die sehen sich als Künstler, und das ist schwierig, weil ... Jetzt breche ich hier echt eine Lanze.

00:18:46: Maria Bogade: Jetzt werden mich wahrscheinlich viele auch ein bisschen hassen. Aber man ist halt kein freier Künstler. Also Illustration ist Auftragskunst. Und ja, man hat einen Kunden und die Wünsche muss man eben umsetzen, bis zu einem gewissen Grad innerhalb seines Styles usw. Aber man muss sich schon auch bewegen. Und selbst ein Künstler, der als freier Künstler arbeitet, ist immer noch ein Unternehmer.

00:19:11: Maria Bogade: Also der wird ja auch seine Bilder nicht einfach nur verschenken, weil er so Freude dran hat. Also ich sage dann immer: Der Bäcker schenkt dir deine Brötchen auch nicht, der verkauft sein Handwerk genauso. Und genau das ist es. Es ist ein Handwerk, ein künstlerisches Handwerk, das wunderschön ist. Aber man ist halt Einzelunternehmer. Und genauso muss man sich verstehen und auch auftreten.

00:19:34: Maria Bogade: Und das haben viele nicht auf dem Schirm.

00:19:37: Dr. Franziska Walther: Ja, das deckt sich total mit meinen Erfahrungen und ich finde es gut, dass du das aussprichst. Ich glaube auch nicht, dass dich alle dafür hassen werden. Ich glaube, es ist gut, das auch mal zu hören von einer Person, die deine Rolle inne hat. Du bist ja auf der Seite der Illustrator*in. Wie siehst du das denn? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Illustrator*innen gerne eine Repräsentanz hätten, um sich nicht um diese ganzen Vertrags-Sachen kümmern zu müssen, weil du das ja dann in dem Fall auch wirklich übernimmst.

00:20:08: Dr. Franziska Walther: Ich habe da immer so ein bisschen Bauchschmerzen. Ich finde es wichtig, dass man sich damit auskennt. Ich finde es wichtig, dass man den Vertrag gelesen hat. Selbst wenn man eine Person hat, die das dann für einen übernimmt, glaube ich trotzdem, dass es gut ist, sich damit auszukennen. Wie siehst du das?

00:20:22: Maria Bogade: Genauso. Also, ich meine, ich übernehme es. Und ich sage dann immer, die sollen das lesen und mich fragen, was sie nicht verstehen. Der eine oder andere oder die eine oder andere macht sich auch die Mühe. Und dann haben wir ein stundenlanges Telefonat und gehen das durch. Gerade am Anfang, wenn man das noch nie gesehen hat.

00:20:38: Maria Bogade: Und dann erkläre ich, was das, das ist, und warum das und hier das ist und dass das hier ganz wichtig ist. Ich habe auch Illustrator*innen, die schon länger dabei sind, die trotzdem, obwohl sie wissen, dass ich das lese, immer noch mal draufgucken und dann auch manchmal fragen: Sag mal, ist das so richtig? Sage ich dann: Ja, das ist so richtig, weil so und so und so und so.

00:21:02: Maria Bogade: Also auf jeden Fall sollte man die Verträge lesen, auch wenn da vorher ein Agent drüber gegangen ist. Und dann kann man eben entsprechend Fragen stellen, das erörtern. Manchmal ist es auch wichtig, dass man dann sagen kann, mir wäre noch wichtig, dass das und das drinsteht, zum Beispiel. Dann kann man ja immer noch mal den Prozess in dem Fall quasi stoppen und sagen: Okay, wir haben noch ein Anliegen. Das ist so oft gekommen im Gespräch. Das muss noch ergänzt werden.

00:21:32: Maria Bogade: Also auf jeden Fall, auch wenn es viele böhmische Dörfer sind. Man sollte wissen, wo man seine Unterschrift drunter setzt.

00:21:40: Dr. Franziska Walther: Ja, meine Oma hat immer gesagt, man muss alles lesen, was man unterschreibt.

00:21:45: Maria Bogade: Genau.

00:21:46: Dr. Franziska Walther: Wie ist denn das so? Wie viel Prozent bekommst du vom Honorar? Was ist so üblich bei Repräsentanzen und was ist so eine übliche Zahl, an die man sich gewöhnen darf, wenn man eine Repräsentanz haben möchte?

00:22:00: Maria Bogade: Also das variiert ja ganz stark, je nachdem, wo die sitzen und welchen Markt die bedienen. Ich sag jetzt mal, was üblich ist. Und zwar zwischen 10 % und 40 %, wobei ich 40 % als viel zu viel empfinde. Aber das findet man zum Teil in britischen und amerikanischen Agenturen. Auf dem deutschen Markt sind es zwischen 10 % und 20 %.

00:22:24: Dr. Franziska Walther: Wenn man sich jetzt als Illustrator*in um eine Agentur bemüht hat und man hat einen Vertrag vor sich liegen und da steht eine Zahl drin, die man nicht einschätzen kann. Was macht man denn da?

00:22:36: Maria Bogade: Am besten mit dem Agenten drüber sprechen und vielleicht auch mal durchrechnen? Also zum Beispiel für so ein Bilderbuch kriegt man, sagen wir mal, 3.000 €. Dann, wenn das 10 % sind, sind 300 € weg. Wenn das 20 % sind, sind 600 € weg. Heißt ich habe nur noch 2.400€. So, dann muss ich mir ausrechnen, wie lange sitze ich ungefähr da dran?

00:22:59: Maria Bogade: Macht es für mich Sinn? Also, und dann muss ich mir überlegen, wie viel Zeit würde ich investieren, wenn ich Akquise und alles alleine mache? Die Zeit spare ich mir. Also ich muss mit dem Kunden nicht verhandeln, ich muss den Vertrag gelesen haben, aber irgendwann kann ich es auch nur noch überfliegen. Es spart ja auch ungemein viel Zeit und auch Bauchschmerzen, wenn man das nicht gut kann.

00:23:22: Maria Bogade: Und man muss sich dann mit so was ernsten wie Verträgen rumschlagen. Das ist ja jetzt keine Freude, schiebt man gerne auf die lange Bank und dann liegt da so ein Haufen Verträgen immer rum, das ist ja auch nicht gut, weil man kriegt ja auch erst Geld, wenn der Vertrag unterschrieben ist. Also da muss man das alles mal miteinander abwägen.

00:23:42: Maria Bogade: Und ich denke, es gibt Illustrator*innen, die brauchen keine Repräsentanz. Ganz ehrlich, also es gibt welche, die haben das selber so gut drauf, die machen das dann vielleicht trotzdem, dass es sich jemand nebenbei sagt, keine Lust mehr haben, sich um Verträge und so zu kümmern, aber im Prinzip können die das auch alleine und dann gibt es andere, die brauchen eine Repräsentanz.

00:24:00: Maria Bogade: Also die sind da auch dankbar und bei denen wäre es vielleicht ohne Repräsentanz gar nicht gelaufen. Also wie zum Beispiel die eine Illustratorin, von der ich vorhin kurz erzählt habe. Die hätte halt aufgegeben, das wäre es gewesen. Also wie gesagt, man muss es sich überlegen. Und manche Honorar-Sätze von Agenturen tun weh, finde ich. Es ist schwierig.

00:24:22: Maria Bogade: Man muss auch sagen, man verdient zum Beispiel auf dem deutschen Markt weniger als im Ausland. Das liegt an der Größe des Buchmarktes. Also in den USA sind die Auflagen einfach viel höher. Das heißt, die Honorare sind entsprechend höher. Und genauso sieht es aus in den Niederlanden. Dort sind die Honorare noch niedriger, weil der Buchmarkt noch kleiner ist. Also das hängt ja alles miteinander zusammen.

00:24:44: Maria Bogade: Aber ja, es ist keine einfache Rechnung. Muss man sich einfach überlegen und gucken, ob sich das gut anfühlt. Für mich ist das Thema mehr als eine Geschäftsbeziehung, aber es ist eine geschäftliche Beziehung. Und wenn sich das gut anfühlt und man den Mehrwert spürt, dann ist es auf jeden Fall eine gute Sache. Aber wie gesagt, keine Pflicht.

00:25:05: Dr. Franziska Walther: Das hast du schön formuliert, weil ich glaube, es ist eine Geschäftsbeziehung, aber es ist eben auch eine Beziehung. Da sollte man sich auch die Zeit nehmen, sich kennenzulernen und gucken, ob die Werte übereinstimmen. Glauben wir an die gleichen Sachen? Funktionieren wir ähnlich? Schauen wir ähnlich auf die Welt, weil man ja auch so viel Zeit miteinander verbringt.

00:25:25: Dr. Franziska Walther: Ich habe selbst keine Repräsentanz. Aber ich höre immer wieder so Geschichten von Menschen, die dann ein Angebot bekommen und sofort Ja sagen. Einfach weil die Agentur so der Anker ist, um diese ganzen unangenehmen Sachen nicht mehr zu machen. Sie sag dann auch einfach Ja zu allem und unterschreiben den Vertrag auch wieder, ohne ihn zu lesen – um diese unangenehme Sache nicht mehr machen zu müssen.

00:25:46: Dr. Franziska Walther: Und ich glaube, das ist keine gute Entscheidung.

00:25:49: Maria Bogade: Das ist gar nicht gut, weil manche haben so Klauseln, dass man dann ein Jahr lang mit bestimmten Leuten nicht darf oder man kommt aus dem Vertrag nicht so einfach raus oder darf mit entsprechenden Kunden dann nicht arbeiten. Und soweit ich das sehe, ist es schwierig, weil es basiert auch viel auf Vertrauen und auch Agenten machen negative Erfahrungen. Also ich habe auch negative Erfahrungen gemacht. Das gehört leider auch dazu.

00:26:11: Maria Bogade: Das ist halt menschlich. Ja, aber man muss sich das schon überlegen. Aber ich denke, das Wichtigste ist, wenn man anstrebt, mit einer Agentur zu arbeiten, dass man am Anfang mit denen ein ordentliches Gespräch führt und sich da vorher alle Fragen aufschreibt, die einem so durch den Kopf gehen und die auch wirklich abarbeitet in dem Gespräch und guckt, was da so rüberkommt.

00:26:35: Dr. Franziska Walther: Ja, das ist echt eine gute Überleitung zu einer Frage, die bestimmt viele jetzt haben. Wie finde ich denn die richtige Illustrations-Agentur für mich? Ich hätte gern eine Repräsentanz, wie mache ich das?

00:26:48: Maria Bogade: Also das erste ist natürlich zu gucken, wer so am Markt ist und dann sollte man das Portfolio der Agentur mal durchforsten und sich überlegen, ob man da überhaupt reinpasst. Ich kriege immer wieder Zusendungen von Leuten, die so gar nicht in meine Agentur passen. Und ich habe natürlich eine Vorliebe, ganz klar. Ich such mir Stile, die mir gefallen.

00:27:11: Maria Bogade: Das klingt jetzt gemein, aber ich kann ja nichts verkaufen, was mir nicht gefällt. Das heißt nicht, dass das schlecht ist, aber es ist eben nicht meins. Das schreibe ich dann manchmal auch dazu. Und ermuntere die Leute, es dann bitte einfach woanders zu versuchen. Aber ich bin dann einfach nicht die Richtige dafür. Das Wichtige ist: die müssen deine Kunst lieben, also deine Illustrationen, sonst können sie es nicht verkaufen. Wenn sie dich nur nehmen, weil sie noch Platz frei haben,

00:27:37: Maria Bogade: Und solche Agenturen gibt es auch, dann ist es eine schlechte Wahl. Also die müssen von deinem Zeug echt einfach begeistert sein und das musst du quasi merken. Dass wenn dann die Email zurückkommt, dass da irgendwas drinsteht. Oh ja, super. Also genau. Und dann ja, wie gesagt, auf jeden Fall auf Tuchfühlung gehen im Gespräch, was die so alles für einen machen und für das, was sie dann als Anteil bekommen von deinem Honorar.

00:28:07: Maria Bogade: Was nämlich auch nicht alle Agenturen richtig machen. Manchmal verhandeln die auch Verträge, ohne sie wirklich durchgelesen und da eventuell nachverhandelt haben. Das ist das, was ich einfach wichtig finde, das ist so ein bisschen mein Thema, glaube ich, empfehle ich das jedem und legt es jedem ans Herz.

00:28:30: Maria Bogade: Weil sonst bringt die Agentur nicht viel. Wenn die dann auch nur auf irgendwelche Standard-Verträge macht.

00:28:37: Dr. Franziska Walther: Ja, das macht total Sinn und ich bin mir ganz sicher, dass jetzt einige hier zuhören und sich so fragen: Ja, aber wie, Maria? Also wie kontaktiere ich dich, wenn ich deine Arbeit gut finde und glaube, dass ich gut zu dir dazu passe? Was mache ich da? Wie, wie, wie?

00:28:52: Maria Bogade: Also grundsätzlich hat jede Agentur auf ihrer Seite irgendwo vermerkt, wie man sich bewerben kann, welche Richtlinien man einhalten soll. Und das ist wie bei jedem anderen Unternehmen, wo man sich quasi auch bewirbt. Man muss halt die Bewerbungs-Anforderungen erfüllen und dann schreibt man eine Email. Und ganz wichtig ist, dass man weiß, an wem man die schreibt. Ich muss immer ein bisschen in mich rein schmunzeln und bin dann also ganz ehrlich manchmal geneigt nicht zu antworten.

00:29:21: Maria Bogade: Ich tu’s aber inzwischen doch, wenn Leute nur mit »Hallo« schreiben und dann ist nicht so ganz klar: Ist die Email an mich? Ist das eine Email, die sich anfühlt, als wurde die an 10.000 andere geschickt? Das ist ein Bewerbungsschreiben, das heißt, ich muss auch auf das Unternehmen, also die jeweilige Agentur eingehen. Und die müssen auch das Gefühl haben, dass sie wirklich gemeint sind.

00:29:45: Maria Bogade: Jemand, der neben mir auch zehn andere Agenturen anschreibt, der bekommt eine Absage, der hat seine Hausaufgaben nicht gemacht, weil der möchte von mir ja auch nicht so behandelt werden. Also der möchte ja auch eigenständig und ganz individuell betreut werden. Und wenn er mit mir das noch nicht fertig bringen kann in der allerersten E Mail, ist es ein ganz schlechter Einstieg.

00:30:08: Maria Bogade: Also gucken, was da auf der Seite steht, da steht bei jeder Agentur was anderes und das wirklich erfüllen. Gucken, an wen man schreibt, dass der Name da drin steht und dass derjenige auch weiß: Ja, du meinst wirklich mich und du hast wirklich geguckt und du magst vielleicht trotzdem daneben liegen und dein Stil passt leider doch nicht, aber du hast dir die Mühe gemacht und dann macht der andere sich auch die Mühe.

00:30:30: Maria Bogade: Und das ist, glaube ich, wichtig, dass es eine Gegenseitigkeit wird, eigentlich für alles im Leben.

00:30:37: Dr. Franziska Walther: Das gilt definitiv für alles im Leben. Also wo das definitiv auch eins zu eins übertragbar ist, ist klassische Auftrags-Akquise. Da ist es auch so, dass die Person, der man da irgendwas schickt, die möchte gerne gesehen werden als eigenständiger Mensch mit einem Namen und mit auch einem gewissen Interessen und Bedürfnissen. Niemand möchte eine Copy/Paste-Email bekommen.

00:31:00: Maria Bogade: Nein, und schon gar nicht, wenn es um eine Bewerbung geht, um eine mögliche Zusammenarbeit.

00:31:06: Dr. Franziska Walther: Genau. Du hast das ja vorhin schon angesprochen, dass der deutsche Markt ganz anders funktioniert als zum Beispiel der englischsprachige Markt. Eine deiner Stärken ist ja auch, dass du ... so habe ich das von außen beobachtet und das wurde mir so angetragen, so von diversen Kolleg*innen, dass du auch einfach sehr gut darin bist, Kolleg*innen auf dem internationalen Markt zu positionieren.

00:31:29: Dr. Franziska Walther: Was du ja auch vorhin schon gesagt hast: wirtschaftlich ist das auch sehr oft ein sinnvoller Schritt. Als Illustrator*in gibt es unterschiedliche Anforderungen auf den jeweiligen internationalen Märkten, also zum Beispiel: deutschsprachiger Markt / Kinderbuch: Niedlich, erste Priorität. Wie schätzt du das ein? Ist es auf dem englischsprachigen Markt zum Beispiel anders?

00:31:53: Maria Bogade: Niedliches wird grundsätzlich im Kinderbuch gebraucht. Und dann ist es tatsächlich eine Stilfrage, ob man international funktioniert oder nicht. Also es gibt einen Illustrationsstil und eine bestimmte Art zu zeichnen, die wird als deutsch empfunden und dann kriegt man keinen Fuß in die Tür. Und wenn man das aber bricht oder da auch offen ist, zum Beispiel ein bisschen anpasst, kann das funktionieren.

00:32:18: Maria Bogade: Manchmal kann man aber nicht aus seiner Haut. Dann ist das so, dann arbeite ich eben mit deutschen Verlagen. Aber wenn jemand das hinkriegt und entsprechend anders zeichnet bzw. zeichnen kann. Es sind vor allem die Gesichter oder auch Körper, die Posen, also ja, dann ist es gut und dann funktioniert das. Dann kriegt man da immer wieder Aufträge. Ich habe auch Illustrator*innen, die gar nicht in Deutschland Fuß fassen können, weil deren Stil nicht hierher passt.

00:32:45: Maria Bogade: Die arbeiten dann in Großbritannien, Frankreich und den USA. Also das ist wirklich eine Stilfrage, tatsächlich. Und manchmal kann man das sich erarbeiten und manchmal ist es echt einfach nicht drin.

00:32:58: Dr. Franziska Walther: Wie schaust du denn so auf Stil drauf? Was ist Stil für dich?

00:33:03: Maria Bogade: Erstens mal hat jede*r einen Stil, auch wenn es nicht jede*r sieht, also auch die Frischlinge. Alle Illustratoren und Illustratoren haben einen Stil. Das ist wie eine Handschrift und die kann man verfeinern. Und man kann sich manchmal auch neue Nuancen antrainieren. Aber ich habe es noch nie gesehen, dass jemand keinen Stil hatte, den ich nicht erkannt hätte.

00:33:27: Maria Bogade: Jetzt von meinem Schützling, sage ich mal. Das hat auch etwas mit Farbwahl zu tun. Das hat mit mit dem Character Design zu tun. Gesichter sind da ganz wichtig. Also das umfasst eigentlich die ganze Art, wie man eine Illustration handhabt.

00:33:47: Dr. Franziska Walther: Wie schätzt du das denn ein, wie viel Persönlichkeit und vielleicht auch persönliche Reife steckt in so einem Stil drin? Also weil das ja schon so ein Klassiker ist, dass jemand am Anfang, wenn jemand anfängt zu zeichnen, ja ganz oft ganz viel ausprobiert und es dauert erst eine gewisse Zeit, bis man so die eigene Stimme findet und damit auch irgendwie so ein Gefühl für den eigenen Stil bekommt.

00:34:10: Maria Bogade: Ja, das ist eine Sache von Übung. Also mir hat mal jemand gesagt, ich weiß nicht, wo das Zitat ursprünglich herkommt. Das war noch aus meiner Animations-Zeit. Da hat mir mal jemand gesagt, man muss 10.000 Stunden in eine Sache stecken, bevor man gut ist. Und genau das ist es. Und irgendwann hat man einen Stil. Das heißt aber nicht, dass der vorher nicht schon da war, nur noch nicht so stark und noch nicht so nuanciert.

00:34:34: Maria Bogade: Und ja, man wird auch technisch besser nach diesen 10.000 Stunden. Und trotzdem, auch wenn man diesen Stil hat, darf man sich niemals als Illustrator*in darauf ausruhen. Also ich glaube, jedem, der das eine Weile macht, ist das irgendwann auch klar, dass der Prozess des Lernens und Ankommens und dieser ganze kreative künstlerische Stil-Prozess, der hört nie auf und er darf es auch nicht, weil sonst läuft man sich irgendwann tot, dann bleiben quasi die Aufträge aus.

00:35:03: Maria Bogade: Also es ist ganz wichtig, dass man auch immer am Ball bleibt, selbst wenn man jetzt sagt: So, jetzt bin ich an dem Punkt angekommen. Toll, der ist auch gut. Den Punkt muss man genießen. Das ist toll, da hat man was erreicht, aber Weiterentwicklung ist wichtig, sonst wird man unzufrieden. Und dann fängt das wieder an und das ist wichtig.

00:35:21: Maria Bogade: Und dann entwickelt man sich noch mal weiter, noch mal in eine andere Richtung, wie auch immer. Und das muss man umarmen – diesen ständigen Kampf mit sich selbst.

00:35:33: Dr. Franziska Walther: Ja, das hast du schön beschrieben. Ist wie so eine Achterbahnfahrt. Es gibt immer so die Höhen und dann gibt es wieder die Tiefen. Man kann sich aber irgendwie auch darauf verlassen, dass, wenn man gerade in so einer Tiefe ist, wenn man einfach nur weitermacht, kommt auch wieder so eine Höhe.

00:35:44: Maria Bogade: Ja, das gilt auch, wenn man illustrierst. Ich finde, jedes Bild sieht irgendwann richtig scheiße aus. Es gibt dieses Stadium – ich bin auf jeden Fall da durch – durch den Punkt muss man durchgehen und dann wird es gut und ich glaube, dass viele an dem Punkt aufgeben. Und das ist aber, was die Spreu vom Weizen trennt. Wenn man durch dieses Tal durchgeht und das Bild dann zu Ende malt, dann fühlt sich das auch richtig toll an!

00:36:12: Maria Bogade: Genauso ist es mit Stil. Man kommt immer wieder an den Punkt, wo man denkt: Ach nee, und schon wieder. Und warum kriege ich das nicht hin? Das habe ich schon so oft gemacht. Und irgendwann macht es auf einmal Klick und man denkt: Oh, okay, das funktioniert.

00:36:25: Dr. Franziska Walther: Ja, das stimmt. Das deckt sich mit meinen Erfahrungen. Ich kenne das auch, wenn die Illustration, an der man gerade arbeitet, sich Scheiße anfühlt. In meinen Büchern gibt es – ja, wahrscheinlich kennen das alle – da gibt so ein paar Bilder, mit denen habe ich gekämpft. Da gibt es diverse Versionen von und es war ein Kampf, immer und immer wieder.

00:36:50: Dr. Franziska Walther: Mir ist irgendwann mal aufgefallen, wenn ich mir erlaube, noch mal anzufangen, also wirklich auch manchmal noch mal zu sagen: Nee, das landet jetzt in der Tonne. Ich fange einfach noch mal an. Und mir dann auch erlaube, dass das mehrfach passieren darf. Das sind ganz oft die Bilder, die richtig gut werden und die ich zum Schluss total liebe im Buch.

00:37:08: Dr. Franziska Walther: Das kann ich mir im Prozess immer gar nicht vorstellen, weil das sich so doof anfühlt und so schwer ist und zäh und kaugummiartig. Aber ganz oft sind das dann die Bilder, die ich am meisten mag. Und dann versuche ich mich in dem zähen, schwierigen Prozess daran zu erinnern, dass es vielleicht so ein Bild werden könnte. Einfach weitermachen.

00:37:28: Maria Bogade: Weitermachen. Genau. Ja, das Traurige daran ist natürlich, wenn man jetzt wieder auf die wirtschaftliche Seite guckt in der Buchillustration, dass die Honorare solche Sachen eigentlich kaum zulassen, wenn wir ganz ehrlich sind. Also ich habe das auch schon gemacht. Da ich Illustrationen sang und klanglos in die Tonne geklopft und dann ist eben dieses Magische passiert, dass man dann noch mal macht und dann wow, da war das.

00:37:51: Maria Bogade: Aber das ist immer so eine Krux. Also ich sage zum Beispiel auch meinen Illustrator*innen: Du solltest maximal so und so lang an der Illustration arbeiten. Gerade wenn die neu sind, sag ich oft: Stopp. Damit sie ein Gefühl für die zeit kriegen, wie lang du überhaupt brauchst und dann sprechen wir darüber. Und dann sage ich: Oh, guck mal, ob du so und so noch schneller werden kannst, sonst wird es effektiv nicht bezahlt.

00:38:15: Maria Bogade: Nein, du kannst Glück haben und es kommen noch Tantiemen. Aber da sage ich immer: Das ist eine Lotterie. Manche Titel verkaufen sich besser und es sind witzigerweise oft auch Titel, die ich nicht mein Lieblingsprojekt sind. Und die verkaufen sich dann und man denkt so: Hey, danke. Und dann sind es wieder Titel, wo man Herzblut reingesteckt hat, die dann am Markt nicht funktionieren.

00:38:39: Maria Bogade: Und da steckt man nicht drin. Das sind ganz viele Parameter, die da mit reinlaufen. Und ja, man hat es ehrlich gesagt auch nicht in der Hand. Man zeichnet es, dann gibt man das ab und dann ist das Buch in der Welt und man gibt es aus der Hand. ... und man guckt, was damit passiert.

00:38:58: Dr. Franziska Walther: Es ist wie ein Kind.

00:38:59: Maria Bogade: Ja, es ist ein bisschen so, ja.

00:39:03: Dr. Franziska Walther: Ja, aber es ist gut, dass du die Zeit, die man braucht, ansprichst, weil, glaube ich, einer der wichtigsten Faktoren, wie man als Illustrator*in dafür sorgen kann, wirtschaftlich zu sein, weil das ist einer der wenigen Faktoren, über die man Kontrolle hat.

00:39:15: Maria Bogade: Ja, auf jeden Fall, denn am Anfang ist man langsam, weil man noch unsicher ist. Man wird in der Regel mit der Zeit und mit der Erfahrung schneller. Und dann muss man sich natürlich auch überlegen bei manchen Stilen, wenn man damit sehr, sehr langsam ist, ob man an der einen oder anderen Stellschraube drehen kann oder ob das das Ding ist. Also ich bespreche das ganz offen mit meinen Künstler*innen und das ist deren Entscheidung.

00:39:40: Maria Bogade: Also wenn die dann sagen: Ja, ich möchte genau so arbeiten und nicht anders, dann ist es halt so. Dann sage ich: Okay, dann ist das halt so. Ich sage dir das, ich melde dir nur zurück: Das ist die Situation, in der wir sind und die und die Stellschrauben haben wir. Die muss derjenige dann selber stellen wollen.

00:39:58: Maria Bogade: Ich kann ihn ja nicht dazu zwingen. Wer bin ich? Nein, geht auf keinen Fall. Aber man muss halt offen drüber sprechen und darauf aufmerksam machen.

00:40:07: Dr. Franziska Walther: Ja, ja, also wenn ich so höre, wie du mit deinen Schützlingen und den Kreativen arbeitest, denke ich mir so, so was wünsch ich mir auch. Das klingt einfach, als ob du mit den Cheerleader-Puscheln so am Rand stehst und so wie so ein Coach, der taff ist, aber einfach will, dass man erfolgreich ist und aber auf Augenhöhe mit ganz viel Respekt da auch begleitet. Das ist ganz, ganz toll.

00:40:33: Maria Bogade: Ja, wobei man sagen muss, das ist ganz unterschiedlich. Also ich habe mit manchen ein extrem enges Verhältnis, weil das irgendwie sich so entwickelt hat und die das auch brauchen. Andere brauchen mich viel weniger. Das ist aber auch okay. Also je nachdem, was derjenige haben möchte und wie eng der betreut werden möchte, dann kann sich das ja wie gesagt jederzeit ändern.

00:40:55: Maria Bogade: Also man kann da nicht so pauschal ein Konzept überstülpen, sondern nur gucken, was habe ich da, wen habe ich da, wie tickt der und wie kommen wir gut miteinander klar und wie kann ich dem helfen? Also das meine Aufgabe – da zu unterstützen und zu helfen. Und manchmal gelingt es nicht und das ist manchmal richtig hart, weil ich sehe, woran es liegt und ich kommuniziere das auch.

00:41:24: Maria Bogade: Aber der Künstler kann oder will es nicht umsetzen und dann kommt man nicht vorwärts, was man auch verstehen muss. Nur weil man einen Agenten hat, heißt das nicht unbedingt, dass man ein volles Auftragsbuch hat. Der Agent hat nur die Möglichkeit, mit dem zu arbeiten, was da ist. Und manchmal ist das nicht gesucht und das ist total hart. Und das tut mir dann auch weh und leid, aber ich bringe das Feedback zurück, ich packt es ein und biete dann Möglichkeiten oder Ideen, wie man es vielleicht lösen kann.

00:41:58: Maria Bogade: Aber am Ende kann ich es nicht lösen und am Ende muss es derjenige selbst lösen. Und das ist dann manchmal schade, oder? Das macht mich so ein bisschen traurig, weil eigentlich das Ziel ist, zu helfen und manchmal kann man es nicht. Und deswegen: Eine Agentur ist nicht immer die komplette Lösung. Es ist ein Baustein, der einem hilft.

00:42:20: Maria Bogade: Aber am Ende bin ich als Illustratorin oder Illustratorin die Kern-Sache und von mir geht alles aus. Deswegen: Den Markt studieren ist auch noch ganz wichtig. Das haben wir, glaube ich, noch gar nicht besprochen.

00:42:34: Dr. Franziska Walther: Mit Markt studieren meinst du schauen, was gibt es denn da eigentlich? Was wird gebraucht? Was wird in verschiedenen, jetzt wenn wir mal sagen, den Buchmarkt, was wird in den verschiedenen Büchern dargestellt, welche Art von Anforderungen gibt es da eigentlich? Das meinst du damit, oder?

00:42:49: Maria Bogade: Man kann für sein Portfolio immer Sachen malen, die man selber liebt, abgöttisch, die man sich an die Wand hängen würde und so weiter. Aber man muss, wenn man Illustrationen für Bücher macht, verstehen, dass es ein Markt ist, der Bedürfnisse hat. Und die muss man wenigstens ansatzweise bedienen. Sonst wird man nicht gebucht. Das ist hart, weil ich habe auch Illustrator*innen, deren Arbeiten ich absolut liebe.

00:43:13: Maria Bogade: Ich hatte das auch mal, da bin ich einer auf Instagram gefolgt und die hat das natürlich gesehen, hat mir geschrieben und dann habe ich gesagt: Oh ja, ich liebe deine Sachen abgöttisch. Aber für einen Buchmarkt gehen die leider nicht. Und das war für die, glaube ich, ganz heftig. Aber die hätte sich komplett verändern müssen, aber so für an die Wand und so. Wahnsinn, Wahnsinn. Und das ist einfach, ja.

00:43:33: Maria Bogade: Es ist halt eine angewandte Kunst. Auch Farben sind so oft ein Thema. Ja, der Buchmarkt ist sehr quietschig. Und es gibt immer wieder Ausnahmen und es bewegt sich auch ein bisschen was, aber der ist nicht nur in Deutschland quietschig. Also wenn man international guckt. Das ist einfach quietschig. Und es hat zum Teil auch einfach was damit zu tun, wie Kinder darauf reagieren, weil die Buchverlage, die wollen halt verkaufen. Also würden auch gerne nur Bücher machen, die ihnen gefallen.

00:44:02: Maria Bogade: Letztes Jahr in Frankfurt habe ich mit einer Programmleitung gesprochen und da hat mir auch das Thema quietschig. Und manchmal hat man so Lust. Und sie sagt auch, sie würde so gerne, aber wenn sie dürfte, wie sie wollte, würde sie zum Beispiel das und das und das mal machen. Geht nicht. Da muss man gucken und da muss man sich ein bisschen überprüfen und vielleicht auch überlegen, ob man für einen Stil so brennt, der auf dem Buchmarkt nicht funktioniert, ob man vielleicht woanders zu Hause ist oder eben ein Portfolio für Illustrationen im Buchmarkt macht und dann ein Portfolio für andere Sachen, wo man mit dem anderen Zeug eben besser hinpasst,

00:44:40: Maria Bogade: wie Wall-Art, also dieser Licensing-Markt, der sieht ja auch nochmal ganz anders aus.Also es gibt ja unterschiedliche Märkte oder Editorial oder Schlag mich tot oder man macht tatsächlich auf einmal Malerei. Also ich habe auch einen Illustrator bei mir, der hat jetzt schon seine zweite Ausstellung. Also der flüchtet so und das ist toll, weil der entwickelt sich in eine ganz andere Richtung.

00:45:03: Maria Bogade: Total genial. Und das ist auch absolut richtig.

00:45:06: Dr. Franziska Walther: Ja, ich gut, dass du das sagst, weil ich glaube auch, dass da viele Missverständnisse draußen in der Welt herum geistern und es ist wichtig zu wissen, dass der Buchmarkt am Ende ein Markt ist. Verlage wollen Bücher verkaufen und die können sich, die haben da auch einfach so Limitationen, weil einfach die am Ende die Käufer*innen entscheiden, was gekauft wird. Vielleicht nochmal so als Abschluss zu dem internationalen Markt. Wenn jetzt hier jemand zuhört, und denkt: Ich würde total gern auf dem englischsprachigen Markt zum Beispiel arbeiten, habe aber im Moment keine Agentur, keine Repräsentanz. Hast du da einen Tipp, wie man das am besten macht? Wie kriegt man den Fuß in die Tür?

00:45:44: Dr. Franziska Walther: Kurze Randnotiz: Wie das geht? Das lernst du in der Portfolio-Akademie. In die dich hier kurz und dafür umso herzlicher einlade. Die Portfolio-Akademie ist mein Online-Programm für Designer*innen und Illustrator*innen und darin positionierst du dich und zwar nachhaltig, sowohl künstlerisch als auch wirtschaftlich. Denn am Ende geht es ja um beides. Darum, dass du mit deiner kreativen Arbeit gut Geld verdienst, aber eben auch darum, mit deinen eigenen Interessen und Stärken etwas in der Welt zu bewirken, damit dein Herz weiterhin für die Sache brennt.

00:46:18: Dr. Franziska Walther: Aktuell kannst du dich ganz unverbindlich auf die Warteliste eintragen unter www.diegutemappe.de/PA P wie Portfolio und A wie Akademie. Und jetzt geht es weiter mit Maria Bogade und dem Interview. Viel Spaß! [Interview geht weiter] ... Vielleicht noch mal so als Abschluss zu dem internationalen Markt. Wenn jetzt hier jemand zuhört und denkt, ich würde total auf dem englischsprachigen Markt arbeiten, hab aber im Moment keine Agentur, keine Repräsentanz.

00:46:51: Dr. Franziska Walther: Hast du da ein Tipp, wie man das am besten macht? Wie kriegt man den Fuß in die Tür?

00:46:56: Maria Bogade: Ich würde nach Bologna auf die Buchmesse fahren und da Stände abklappern, das wär mein erstes und gucken, dass man da an die Mails kommt, weil die meisten werden nicht in die USA irgendwelche wollen. Man könnte noch Londoner Buchmesse, aber das ist auch ein bisschen speziell. Ich glaube, in Bologna man gut bedient. Wobei manche auch ihre Creative Teams in Frankfurt dabei haben.

00:47:18: Maria Bogade: Aber da braucht man natürlich, da muss man erst mal gucken, dass man einen Kontakt hat. Also. Bologna, würde ich sagen. Eine Packung Mut. Schöne Visitenkarten. Vielleicht noch ein Postkärtchen, was man mitgeben kann. Und einfach hingehen und fragen. Ich weiß, es ist anstrengend und aufregend. Also das Schlimmste ist ein Nein. Mehr passiert nicht.

00:47:41: Dr. Franziska Walther: Ja, da hast du vollkommen recht. Weil ich einfach so unterschiedliche Stimmen gehört habe in letzter Zeit. Glaubst du, dass es wirklich sinnvoll ist, eine Repräsentanz zu haben, wenn man auf dem internationalen Markt arbeitet? Oder ist es da auch so wie auf dem deutschsprachigen Markt: Einige brauchen es, andere brauchen es nicht?

00:47:58: Maria Bogade: Also dort ist es tatsächlich üblicher, über Agent*innen zu gehen. Also die ... ich weiß gar nicht mehr, welche Art Direktorin das war, ich glaube, die von Chronicle Books. Die hat mir mal irgendwann gesagt, dass sie fast 90 Prozent aller Illustrator*innen, mit denen sie arbeiten, haben eine Repräsentanz und die gucken da auch. Also die mögen das auch gerne, weil dann die Agent*innen auch, wenn es mal irgendwie blöd läuft, dann ist der Agent halt dazwischen und man ist dann wie so ein Schiedsrichter und kann Sachen entzerren.

00:48:27: Maria Bogade: Das ist in manchen Situationen, das hatten wir jetzt auch schon öfter, dass ich dann einspringen musste und dann ließ sich das alles auflösen. Aber manchmal ist einfach der Wurm drin, dann ist das immer gut, wenn da wie so ein, ich sag mal neutraler, dann das Ganze rausnehmen kann. Und ja, also da läuft sehr viel über Agenturen. Das heißt nicht, dass es nicht geht.

00:48:49: Maria Bogade: Es ist nur ein bisschen schwerer.

00:48:51: Dr. Franziska Walther: Ich würde dich total gerne fragen, wie du das einschätzt mit KI? Wie verändert sich der Buchmarkt? Hast du ne Prognose? Wir können ja alle nur in unsere eigenen Glaskugeln gucken und Prognosen aussprechen.

00:49:04: Maria Bogade: Also ich weiß es nicht. Ich habe keine Prognose. Ich habe auch keine Angst vor der KI. Also wenn ich einen Tipp abgeben sollte, würde ich sagen, dass das dazu führen könnte, eventuell, dass traditionelle Illustrationen wieder mehr wertgeschätzt wird. Und das ist lustig, weil als ich anfing und ich habe auch digital gezeichnet und hatte nur ein Skizzenbuch, das Aquarell war. Und bin damals nach Frankfurt. Und digital war so ein No-Go auf dem deutschen Markt.

00:49:35: Maria Bogade: Vor 15 Jahren durftest du das nicht machen. Und jetzt ... ich habe, glaube ich, vier Illustrator*innen und Illustrator*innen insgesamt, die noch traditionell arbeiten. Die sind schon fast Koryphäen. Ich könnte mir vorstellen, dass sich das umdreht. Das Ding ist, aufhalten kann man es nicht. Damit arbeiten aus urheberrechtlichen und gesamtrechtlichen Gründen auch überhaupt nicht, weil viele dieser KI-Anwendungen darf man ja gar nicht kommerziell nutzen.

00:50:03: Maria Bogade: Das heißt, das für die eigene Arbeit zu nutzen, halte ich sowieso für schwierig. Und dann kann die KI ja immer nur aus dem schöpfen, was schon da ist und nicht aus meinem Hirn. Also ich weiß es nicht. Ich könnte mir vorstellen, dass es hier und da vielleicht sogar eine Bereicherung ist. Aber wo das hinführt, das weiß im Moment noch keiner.

00:50:24: Dr. Franziska Walther: Ja, das ist so. So als allerletzte Frage.

00:50:29: Maria Bogade: Okay.

00:50:31: Dr. Franziska Walther: Was war denn so einer der Höhepunkte in deinem Leben als Agentin?

00:50:35: Maria Bogade: Oh Gott, da gibt es ganz viele. Nur einen? Wie soll ich das? Oh Gott. Keine Ahnung.

00:50:46: Dr. Franziska Walther: Worüber freust du dich denn? Was sind denn so diese Höhepunkte oder so?

00:50:51: Maria Bogade: Wenn ich sehe wie Leute vorwärtskommen. Also Franzi Höllbacher war ja neulich bei dir. Als das jetzt dann war, dass ihr erstes Jugendbuch unter Vertrag gekommen ist. Das war toll, weil die Franzi hat schon, ich habe der Franzi ganz oft gesagt, dass ich schreiben kann. Und die hat aber auch nicht so richtig an sich geglaubt. Aber das hat sie ja alles erzählt.

00:51:11: Maria Bogade: Das muss ich nicht wiederholen. Also das war so ein Höhepunkt. Dann die andere Illustratorin, wo es nur an den Augen und Füßen gehangen hat. Und als dann die Aufträge und die völlig aus dem Häuschen war. Und auch andere. Also immer, ich weiß nicht, es ist eigentlich immer wieder, wenn man halt sieht, dass da schöne Projekte entstehen und dass die Leute glücklich damit sind. Und das sind einfach immer wieder neue Höhepunkte und ganz unterschiedliche. Eigene Geschichten schreiben und weiterentwickeln und wenn die dann staunen, was die alles können.

00:51:46: Maria Bogade: Das finde ich toll. Das ist einfach gut.

00:51:50: Dr. Franziska Walther: Ach, wie schön. Vielen, vielen, vielen Dank, Maria. Das war ein großartiges Gespräch. Danke, das so und so einen tiefen Einblick gegeben hast und du so ehrlich geteilt hast, welche Erfahrung du gemacht hast und und deine Perspektive auf die Dinge. Dankeschön.

00:52:05: Maria Bogade: Gern. Was? Sehr schön mit dir. Sehr schönes Gespräch.

00:52:12: Dr. Franziska Walther: So, das war das Gespräch mit Maria Bogade. Ich bin sehr gespannt, was du heute für dich mitgenommen hast. Wie geht’s dir denn jetzt, nach dem Hören des Interviews? Geht’s dir wie mir? Hättest du auch gerne so eine Person in deinem Leben, die dich in der Rolle einer Agentin anfeuert, die für dich eintritt? Die auch mal ehrlich Feedback gibt, selbst wenn es vielleicht auch mal weh tut, aber bei der du weißt, dass sie das einfach mit besten Wissen und Gewissen und in deinem Sinne macht und die für dich auch die besten Verträge der Welt verhandelt, damit erfolgreich bist.

00:52:45: Dr. Franziska Walther: Möchtest du das? Oder hast du vielleicht auch schon bei kritische Gedanken dazu diskutiert? Mit auf Instagram unter @diegutemappe oder auf LinkedIn. Denn dort findest du mich unter Dr. Franziska Walther. Und ja, damit wünsche ich dir für heute alles Liebe. Wir hören uns wieder nächste Woche und ich freue mich auf dich. Bis dahin.

00:53:05: Dr. Franziska Walther: Tschüss.

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